Wo ist das echte Japan?

IMGP1354

Shaoshi linkte zu einem Eintrag von Ulrike, über das Verlangen nach Authenzität auf Reisen.

Oft höre ich, dass Leute das echte Japan erleben wollen. Touristenfallen meidet man, andere Touristen sowieso. Man möchte Japan wie ein Japaner erleben. Eben total authentisch und unverstellt.

Das nimmt manchmal etwas eigenartige Züge an, ich war z.B. schonmal in einem „totalen Geheimtipp“ trinken – es war dreckig, laut und die Karte gab es auch auf Englisch. Sehr geheim. 😉 Für Betreiber solcher Lokale lohnt sich das natürlich: Man modernisiert seinen Laden einfach nicht, legt englische Menüs auf den Tisch, und schon kommen die westlichen Touristen. Fabrizierte Authenzität, weil der gemeine Tourist es so erwartet.

Da wird dann noch mal in einem alten 民宿 (Minshuku; Privathaus mit Gästezimmern) übernachtet, um dieses echte Feeling dafür zu bekommen, wie die echten Japaner echt leben. Auch wenn man wegen des harten Futons am nächsten Tag Rückenschmerzen hat – und Japaner oft lieber in Hotels schlafen.

Nichts ist japanischer als Disneyland

Nichts ist japanischer als Disneyland

Wo man das echte Japan findet? Überall in Japan. Die wenigsten Orte hier werden beinahe ausschließlich für Touristen betrieben. Echte Japaner die echt in Tokyo wohnen gehen zum 浅草寺 (Sensôji; Sensô-Tempel) in 浅草 (Asakusa) und nach 秋葉原 (Akihabara). Sie pilgern zu Sommerfeuerwerken und essen unter Kirschblüten.  Natürlich lohnt es sich auch, Orte abseits dessen, was man im Reiseführer findet, zu besuchen – aber nur weil etwas in einem Reiseführer aufgeführt ist, ist es nicht schlecht.

Wenn ihr erleben wollt, was normale Japaner essen, geht zu CoCo壱番屋 (CoCo Ichibanya) oder zu einer 居酒屋 (Izakaya; Kneipen)-Kette. Dort essen im Monat viel mehr Japaner als in einem heruntergekommenen, versteckten Laden. Den dürft ihr aber natürlich auch gern unterstützen.

Japan ist ein modernes Land, das sicher aber auch seiner Kultur bewusst ist. Es gibt Dinge, die sind zwar alt, haben aber Platz im modernen Japan – und dann gibt es Hocktoiletten, die übrigens auch von jungen Japanern gemieden werden. 😉

Reisen muss nicht wehtun, um authentisch zu sein. 🙂

15 Gedanken zu „Wo ist das echte Japan?

  1. Pingback: Blogparade: Authentizität auf Reisen: Was ist das eigentlich?

  2. Ganz herzlichen Dank für Deinen Beitrag! Wirklich sehr interessant! Ich finde Hockklos eigentlich viel besser und hygienischer als unsere „westlichen“ Toiletten.
    Liebe Grüße
    Ulrike

    • Vielleicht sind Chinesen da geübter, aber öffentliche japanische Hockklos stinken immer abgrundtiefst nach Urin. 😦 (In Hotels, Restaurants oder Privat findet man sie kaum noch)

      • Nene, auch in China stinken die Klos. Aber auch westliche KLos können stinken. Ich meine mit Hygiene eher die Möglichkeit, ohne Kontakt mit dem „Stinkenden“ sein Geschäft evrrichten zu können. Da ist bei einem Sitzklo einfach das Risiko höher…

      • Japanische Sitzklos stinken meist nicht sonderlich, aber vielleicht ist das auch ortsabhängig. 🙂

  3. Das „echte“ Japan erleben ist halt immer so eine Sache. Ich wollte damals einfach das amchen was Spaß macht – und einige deiner Punkte habe ich ebenfalls abgegolten 😉 (Disney Sea, CoCo, Asaskusa, Akihabara, Hanami)

    Die Kneiben, die wir in Sangenjaya hatten, haben wir auch vermieden. Das war nicht ganz unser.

    Aber die Japaner machen es ja ähnlich – wollen das „deutsche Gefühl“ mit Sauerkraut, Bier und Würtstchen. Da weine ich immer etwas – schließlich ist Deutschland so viel mehr 🙂

    • Ich habe immer das Gefühl, dass Japaner recht gezielt nach den Klischees suchen – oder es einfach nicht besser wissen. 😉
      Generell finde ich, Urlaub sollte Spaß machen, egal ob einem hinterher jemand sagt, dass das ja „voll kommerziell und so“ war, was man gemacht hat.

      • Liebe deine Antwort! Ich wünschte ich könnte es in Twitter retweeten 🙂

        Ich bin ja immer der Meinung, dass es einen Unterschied gibt ob man an einem bestimmten Ort Urlaub macht oder dort „tatsächlich lebt“. Urlaub sollte an erster Stelle Spaß machen. Aber ich glaube hier gibt es grundsätzlich verschiedene Vorstellungen, je nachdem ob man sich als „Tourist“ oder waschechter „Reisender“ sieht. Ich finde es auch nicht verwerflich „nur“ Tourist zu sein 🙂

      • Ich denke, wenn man reist, kann man beides sein. Es lohnt sich schon, sich Sehenswürdigkeiten anzusehen. Es lohnt sich genau so, trinken zu gehen oder sich eine Stunde Zeit zu nehmen um die Leute zu beobachten. Leider finde ich oft, dass die „Authentizität“ an sich oft ein großes Geschäft ist – ohne wirklich authentisch zu sein. 🙂

  4. Ich gebe dir recht, dass es in Japan recht einfach ist „authentische“ Orte zu erleben. Ich war mal in Afrika, da fand ich das ganz furchtbar, dass alles ganz klar für Touris oder eben nicht für Touris gemacht war. Da hatte ich auch das Gefühl, das „echte“ Afrika nicht erleben zu können. In Japan zu leben und reisen, fand ich dagegen richtig angenehmen. Das liegt sicher auch daran, dass Japan sich auf etwa dem gleichen Wohlstandsniveau bewegt wie Zentraleuropa und dass Japaner auch gerne ihr Land bereisen.
    Mein Reisetipp wäre allerdings, nicht immer nur DEN Tempel oder DEN Ort zu besuchen, den alle (Japaner) in einer Stadt besuchen, denn dort ist es meistens sehr voll. Ich habe die Orte, die nicht Top Highlights waren, meistens mehr genossen, weil es dort normalerweise viel ruhiger und entspannter ist.
    Allgemein ist Japan auf jeden Fall ein tolles Reiseland 🙂

    • Ich glaube auch, dass das etwas damit zu tun hat für wen der Tourismus ist. In Japan reisen viele Japaner (obwohl sie ruhig auch mal etwas vom Rest der Welt sehen könnten), die wären wahrscheinlich abgeschreckt.
      Persönlich mag ich die „kleineren“ Orte in Japan sich ganz gern, ich würde ja gern mal einen Sommer so abgeschieden wie bei dem Haus von Totoro verbringen. 😉

  5. Danke für die Verlinkung, mein Beitrag folgt morgen.

    Das mit den Geheimtipps verstehe ich auch immer weniger. Wenn ein Ort wirklich geheim wäre, würde er ja ziemlich schnell dicht machen, weil keiner hingeht …

    Bei den Hocktoiletten stimme ich Ulrike zu. Weil man da nix berühren muss, finde ich eine verdreckte Hocktoilette auch weniger schlimm als eine verdreckte westliche.

  6. sorry dass ich nur auf das klo bezug nehme! 😉
    wie schon zuvor mal kommentiert, finde ich hockklos viel hygienischer und leichter zu benutzen – vorallem mit kindern.

    in einem restaurant etc. sind westliche klos ja auch recht sauber, und es reicht gerade mal mit einem desinfektionsspray und etwas klopapier trüberzugehen. dann können sich meine kinder ohne weiteres draufsetzen.

    aber in einem park, stark besuchtem bahnhofsklo etc.. geh ich IMMER zum hockklo wenn es die auswahl gibt!!

    • Bei Kindern ist natürlich zusätzlich das Problem, dass sie es sich nicht verkneifen können bis man an einem saubereren Klo ist. 😉 Am besten wissen wo in der Nähe annehmbare Toiletten sind, aber das geht in unvertrauter Umgebung nicht so gut.

  7. Pingback: Burgbesuch in Chiba. | 8900 km. Berlin ⇔ 東京

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s