Warum sind Japaner… ?

スクリーンショット 0027-07-19 8.36.24Die Google Auto-Vervollständigung weiß, was die Menschen bewegt. Also dachte ich mir, dass ich ein paar Fragen die die Nation nicht ruhig schlafen lassen, beantworte.

… so komisch?

Japaner sind „so komisch“, weil das alles ist, was im Ausland ankommt. Jeder kennt die Geschichte von den Automaten mit benutzter Unterwäsche. News Flash: Benutzte Unterwäsche wird auch in Deutschland verkauft. Japaner lieben einfach nur ihre Automaten. Ich selbst habe diese Maschinen übrigens noch nie gesehen und von Fotos kann man nur schlussfolgern, dass sie in Sex Shops stehen.

Nur wenige Filme, die es nach Deutschland schaffen, sind japanischer Mainstream – sie sind oft entweder komplett bizarr oder Horrorfilme. Das alles führt übrigens auch dazu, dass die japanischen Schauspielfähigkeiten manchmal etwas unterschätzt werden – die guten Filme laufen eben nicht in Deutschland.

Es gibt in Japan komische Dinge, aber der Großteil der Bevölkerung ist komplett normal und langweilig. Klar, es ist eine andere Kultur und manche Dinge wirken komisch. Aber irgendwie hält sich nur bei Japanern das Vorurteil, dass sie irgendwie total abgefahren sind.

… so dünn?

Irgendwie scheinen manche Leute davon auszugehen, dass alle Japaner und vor allem Japanerinnen einfach von Natur aus total schlank sind. Und ja, auf der Straße sieht man eher selten dicke Menschen. Aber erstens sind Japaner anders gebaut und zweitens legen vor allem Frauen oft viel Wert darauf dünn zu sein. Die Message, die man im Westen inzwischen oft hört: „Es ist ok, wenn du nicht schlank bist“, „Es gibt Wichtigeres als dein Aussehen“, ist in Japan so gut wie nichtexistent. Dünn zu sein ist hier wichtiger als in Deutschland, oft nicht für sondern durchaus auch gegen die eigene Gesundheit.

Man muss sich wirklich nur einmal am Zeitungsstand umschauen um zu merken, dass auch Japanerinnen Diät halten. 🙂

… so schlau?

Japaner sind nicht mehr oder minder intelligent als alle anderen Menschen. Es wirkt vielleicht so weil sie mehr lernen. Ich sehe in Japan viel mehr Leute mit Lehrbüchern in der Bahn und in Cafés als in Deutschland. Mein Mann kann fünf Stunden beinahe ohne Unterbrechung lernen. Das ist wahrscheinlich etwas, was man sich in der Kindheit entweder aneignet – oder eben nicht.

… so hübsch?

Weil man, wenn man nicht gerade in einer Gegend mit vielen Japanern lebt, in Deutschland nur die Bilder aus den Medien zu sehen bekommt. Es gibt hässliche Japaner, es gibt schöne Japaner, und es gibt natürlich auch das ganze Spektrum dazwischen. Große Überraschung: Schauspieler und Models representieren nicht den Durchschnitt der japanischen Bevölkerung. 🙂

… so verrückt?

Wenn „komisch“ gemeint ist: Siehe oben. Ansonsten habe ich das Gefühl, dass in Japan mehr „verrückte“ Menschen leben weil erstens viele Leute unter einem enormen Druck stehen und zweitens psychische Erkrankungen von der Masse nicht wirklich anerkannt werden. Es gibt in Japan das Konzept von 建前 (tatemae) und 本音 (honne), dem Gesicht, dass du der Welt zeigst und dem, was du wirklich denkst. Natürlich gibt es diesen Unterschied auch in Deutschland, aber in Japan wird erwartet, dass man immer seine wahren Gefühle und die Gefühle, die für eine Situation angemessen sind, immer brav auseinanderhält und bloß nicht seine eigene Meinung durchscheinen lässt. Um des Friedens willen.

Dann besteht noch das Problem mit 我慢 (gaman; Aushalten). Wenn man sich die verlinkte Wikipedia-Seite durchliest, klingt Gaman total super. „Einschränkung des Egoismus zu Gunsten anderer“, toll, da können sich die Deutschen mal eine Scheibe von abschneiden! Letztendlich heißt es aber, dass man alles für sich behält, nicht um Hilfe bittet und, wenn jemand durch telepathische Superkräfte merkt, dass man Probleme hat und Hilfe anbietet, auch die nur zögerlich annimmt.

Für viele Leute mag Tatemae und Gaman total gut funktionieren, aber stellt euch vor jemand wächst mit diesen Werten auf und sein Leben geht, durch Schicksalsschläge oder psychische Probleme, den Bach herunter. Wo in Deutschland vielleicht jemand eingreifen könnte, merkt man hier oft erst, dass etwas schief läuft, nachdem etwas Schreckliches passiert ist. Vor kurzem hat ein Teenager einen alten Mann umgebracht, weil er gestresst war.

… so ruhig?

Gaman.

… so freundlich?

Tatemae.

Gaman und Tatemae haben durchaus ihre guten Seiten. Bei einer großen Katastrophe wie dem großen Beben 2011 hilft Gaman. Das tägliche Leben ist so angenehm, weil alle mit ihrem Tatemae durch die Gegend laufen.

Natürlich ist das nicht alles echt, was vor allem in Deutschland, wo Authentizität so wichtig ist, ein wenig Naserümpfen verursacht. Aber stellt euch mal vor, ihr würdet in euer Bürgeramt gehen, und alle wären nett und würden sich bemühen euch den besten Service zu geben, auch wenn ihr ihnen eigentlich egal seid. Wäre das so schlimm? Das Problem entsteht, wenn man sein Tatemae nicht mehr ablegen kann, wenn man jeden Tag nur Gaman… macht.* Das passiert, und manchmal endet es tragisch. Es deswegen komplett zu verteufeln finde ich aber auch problematisch. Ein gesunder Mittelweg muss her.

* „etwas aushalten“ ist auf Japanisch 我慢する (Gaman suru; Aushalten machen).

Letztendlich bleibt nur zu sagen: Japaner sind total normal, nur anders. 🙂

8 Gedanken zu „Warum sind Japaner… ?

  1. Und wieder einmal bist du mir mit einer Idee zuvorgekommen 😉 (Ich sollte wirklich mal anfangen, Entwürfe zeitnaher fertig zu machen …)

    Im Vergleich zu Chinesen kommen Japaner ja noch erstaunlich gut weg, finde ich …

      • Vielleicht bin ich da eine ausnahme, aber im vergleich zwischen meinen Chinesischen und Japanischen Freunden, denke, das Japanische doch eher etwas mehr kommunikativ sind und auch mal auf nachrichten antworten, während meine chinesischen garnicht reagieren, nur um sich dann raus reden zu können, das sie nicht sagen wollen das sie keine zeit haben :/ schon seltsam 😀

      • Nicht zu antworten wäre unhöflich! 😉 Einfach zu verschwinden (also nicht mehr auf Nachrichten zu antworten) ist aber eine beliebte Form des Schlussmachens in Japan, zumindest bei jungen Leuten.

  2. Schöner Beitrag, der ein paar interessante Einsichten preisgibt. 🙂
    Filmisch betrachtet ist Japan sehr interessant – sehr divers. Aber wenn man mal schaut welche Filme es tatsächlich hierher schaffen… „Hentai Kamen“, „Ichii the Killer“, diverse Filme von Takeshi Kitano… da verliert man dezent den Glauben, weil es meist nur das wirklich „abgedrehte“ ist und man deswegen um die Frage einfach nicht mehr herumkommt, ob Japaner wirklich so ein bizarres Verständnis für Humor und Drama haben?
    Interessant ist das aber allemal. 😀

  3. Pingback: Japanisch kochen: Hackfleisch und Aubergine mit Miso-Sauce, überbacken mit Käse. | 8900 km. Berlin ⇔ 東京

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