Vom Zeitunglesen.

Vorletzte Woche klingelte es am Wochenende an der Tür. Ein junger Mann stand dort, und fragte, ob wir eine Zeitung abonniert hätten. Hatten wir nicht. Daraufhin bat er uns an, für fünf Tage die Asahi Shimbun (朝日新聞) kostenlos zu erhalten.

Das Angebot haben wir angenommen, und gestern Morgen hatten wir eine Zeitung im Briefkasten.

asahi

Die hier ist aber von heute

Bei japanischen Zeitungen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass nur sehr schlaue Menschen sie lesen könnten. Dem ist natürlich nicht so. Es besteht ein Unterschied zwischen einem Boulevardblatt und anderen Zeitungen, auf Japanisch genau wie auf Deutsch. Doch selbst die „richtige“ Zeitung ist lesbar – sogar für mich.

Ab und an kommen natürlich Wörter vor, deren Lesung ich nicht kenne, weil ich ihnen nicht oft ausgesetzt bin. Mit IS-Kämpfern (IS戦闘員 IS Sentôin) habe ich am Arbeitsplatz einfach wenig zu tun. Den Sinn des Wortes erschloss sich mir aber dank Kanji (Krieg + Kampf + Mitglied). 🙂 Gestern habe ich einen Artikel, eben jenen über die IS-Kämpfer im Irak, mit meinem Mann zusammen gelesen, damit er mir mit der Lesung der Kanji helfen konnte, und das ging ganz gut.

Bei anderen Wörter muss ich nachschlagen, weil sie sich mir nicht aus den Kanji heraus erschließen. Dafür gibt es neben richtigen Wörterbüchern auch Apps, die Google Translate App kann z.B. von Fotos übersetzen.

Am einfachsten zu lesen sind natürlich die Meinungs-Artikel. Da werden meist Wörter verwendet, die ich aus dem Alltag kenne. Auf dem Foto oben ist z.B. eine Meinung über den amerikanischen Austritt aus dem Pariser Abkommen (パリ協定 Pari Kyôtei) abgedruckt. Wörter wie Erderwärmung (地球温暖化 Chikyûondanka) und Widerspruch/Ungereimtheit (矛盾 Mujun) kenne ich aus anderen Zusammenhängen und das Thema ist mir auch bekannt. Das liest sich dann ganz gut weg.

Bis ich aber so Zeitung lesen kann wie auf Deutsch oder Englisch, wird es wohl noch ein wenig dauern. Die fünf Tage Zeitungsabo reichen dafür absolut nicht aus. 🙂

6 Gedanken zu „Vom Zeitunglesen.

  1. Wow, ich bin von deinen Japanischfähigkeiten beeindruckt. (Gut, du bist schon länger hier als ich und so…). Bis ich Bücher oder eine Zeitung lesen kann, wird leider noch einige Zeit vergehen müssen. Ich habe mir letzenSommer den ersten Harry Potter-Band und einge Manga auf Japanisch geholt, aber ohne Wörterbuch und Kanji-Lexikon tut sich da noch nichts… :C Allerdings habe ich am WE auch erst JLPT N4 abgelegt. Da ist also noch massig Luft nach oben 🙂
    Über ein Zeitungsabo habe ich hier tatsächlich auch schon nachgedacht, die JApan Times gibt es schließlich auch auf Englisch. Allerdings habe ich morgens nicht die Zeit für ein intensives Zeitungsstudium.

  2. Zeitungsleser und Nachrichten schauen sind meiner Meinung und Erfahrung nach die besten Lehrer, um seinen Wortschatz zu erweitern! Abgesehen davon hilft die Lektüre von Zeitungen und Zeitschriften auch sehr gut für die Vorbereitung für die N2 und N1 Stufen des JLPT, da die Texte, die es zu bearbeiten gilt, oft aus der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion stammen. Bei den Fernsehnachrichten werden oft Untertitel 字幕 eingeblendet und so bekommt man die aktuell wichtigen Schlagwörter gleich nebenbei mit, durch den gesprochenen Text auch gleich mit der passenden Lesung!
    Für die Recherche unbekannter Kenji empfehle ich ganz old-school mäßig das Kanji-Lexikon, da man meistens dort auch an Komposita präsentiert bekommt und vielleicht auch noch gleich Vokabeln kennenlernt, die mit dem gesuchten Kanji in Zusammenhang stehen.
    Und in der Regenzeit kann man die Zeitungsseiten auch noch zum Schuhetrocknen verwenden 😂

    • Den N1 habe ich schon ein bisschen länger, dafür bringt es mir persönlich also nichts mehr, aber dadurch, dass wir keinen Fernseher haben, mangelt es mir wirklich oft an diesen Nachrichtenwörtern. 🙂 Da hilft eine Zeitung sicher gut weiter. Wenn man gerade keine Schuhe hat, die man trocknen muss, eignet sich Zeitung auch hervorragend als Polstermaterial für Postsendungen. 😀

  3. Hallo Claudia,

    die tägliche Zeitungslektüre ist ein sehr gutes Sprachtraining und ich finde, dass die Asahi Shinbun – im Vergleich zur Nikkei Shinbun – verhältnismäßig leicht zu lesen ist… Viel Spaß dabei

    Viele Grüße von einem friesischen Japanfan
    😀

  4. Hallöchen,

    vielleicht bist du auch einfach ein schlauer Mensch, dass du die Zeitung gut lesen kannst.
    Aber Zeitung oder Onlineartikel in der Zielsprache zu lesen, ist natürlich immer eine gute Möglichkeit um neue Wörter zu lernen. Gerade was aktuelle Wörter anbelangt.

    Viele Grüße,
    Abigail

  5. Ich habe seit fast einem Jahr die Japan Times im Abonnement. Um mein Englisch aufzubuersten 😉
    Meine Schwiegermutter wechselt alle paar Monate zwischen Asahi oder Yomiuri, jedes Mal gibt es dann ein Werbegeschenk. Viel Aufwand, obwohl sie die Zeitung gar nicht liest und nur die Prospekte ansieht…

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