Anglizismen.

Im Deutschen gibt es recht viele Anglizismen, vor allem, wenn es um Technik geht.

Im Japanischen gibt es in beinahe jedem Bereich Anglizismen. Das ist teilweise dermaßen überbordend, dass man sich erst einmal den Kopf darüber zerbrechen muss, wie etwas auf Japanisch heißen würde.

Letztens sprach ich mit meinem Mann darüber, und er fragte, was denn bitte Notizbuch (ノート Nôto) wäre. Meine erste Vermutung (手帳 Techô), stellte sich als korrekt heraus. Es gibt aber noch andere schöne Wörter, ganz besonders hat es mir 備忘録 (Bibôroku) angetan. Es besteht aus „Vorbereitung“, „Vergessen“ und „Protokoll“ – ist also ein Protokoll, um dem Vergessen vorzubeugen. 🙂 Dummerweise würde mich jeder schief ansehen, wenn ich plötzlich statt Nôto oder Techô, Bibôroku sagen würde.

Es gibt viele Dinge, die gern mit dem englischen Begriff bezeichnet werden, obwohl es einen japanischen gibt. Da wäre z.B. die Door (ドア Doa), die auf Japanisch 扉 (Tobira) oder 戸 (To) heißt, oder der Table (テーブル Têburu) statt des 食卓 (Shokutaku) bzw. der Desk (デスク Desuku) statt des 机 (Tsukue). Manche Menschen gehen auch lieber zum Lunch (ランチ Ranchi) als zum 昼ごはん (Hirugohan). Hierbei ist es übrigens durchaus wichtig, wie leicht die Worte auszusprechen sind: Lunch und Dinner gibt es im Japanischen, Breakfast ist vergleichsweise eher selten.

Wenn jemand auf Deutsch mit diesen ganzen Anglizismen ankäme, würde es mich schrecklich nerven.

Bitte vergiss deinen Bag nicht, der steht auf dem Table.

Auf Japanisch stört mich der Satz hingegen absolut nicht. Komisch, oder?

Tatsächlich gibt es auch viele Wörter, wo den meisten Japanern nur der Anglizismus einfällt. Der Löffel heißt さじ (Saji), aber gibt es außer Fork (フォーク Fôku) noch ein anderes Wort für Gabel? Jopp: Stechlöffel (突き匙 Tsukisaji). Das Wort kennt halt nur niemand in meinem Alter.

Einerseits machen die ganzen Anglizismen das Japanischlernen erst einfacher, andererseits ist es schon irgendwie schade, wenn Begriffe ersetzt werden. Übrigens kommen letztendlich große Teile der japanischen Sprache aus dem Chinesischen. 😉

Stören Anglizismen euch? Oder sind sie letztendlich einfach zu praktisch?

9 Gedanken zu „Anglizismen.

  1. Ach, wir hatten ja auch das schöne Spiel Japanozismen in der deutschen Sprache und Germanozismen in der japanischen Sprache.

  2. Warum japanische Wörter benutzen, wenn wir auch schlechte Englische Wörter benutzen können. Es nervt einfach unglaublich, wenn die Ausprache vom Orginal abweicht.

  3. Als besonders schrecklich empfinde ich auch ラブ・レタ oder
    ラブ・レター . Da lobe ich mir u.a. Chinesisch oder Isländisch, da diese Sprachen für technische Neuerungen in ihrer eigenen Sprache schöpfen und neue Wortkreationen hervorbringen.

    „Bitte vergesse deinen Bag nicht, der steht auf dem Table.“
    An diesem Beispiel schrecken mich weniger die Anglizismen als der fehlerhafte Imperativ.
    Nichts für ungut. Ansonsten unterschreibe ich Deinen Beitrag.

  4. Ich muss sagen, dass mir die Anglizismen beim Lernen oder auch beim Sprechen allgemein manchmal tatsächlich helfen. Trotzdem ist es irgendwie schade, dass mittlerweile so viele traditionelle Wörter ersetzt wurden. Zumal ich die englischen Wörter japanisch ausgesprochen auch oft nicht verstehe ^^
    Dann darf ich mir von meinem Freund oft kritische Blicke oder ein „Aber du kannst doch englisch, warum verstehst du den Satz jetzt nicht?“ gefallen lassen 😀

  5. Ich habe nicht viel gegen die Anglizismen, da sie mir persönlich viel helfen. Da ich sehr schlecht im Sprachen lernen bin, kann ich oft einfach ein englisches Wort im Satz einbauen wenn ich ein Japanisches nicht weiß.
    Womit ich aber extreme Probleme habe, ist das schreiben der Anglizismen in Katakana. Ich habe keine Ahnung ob mit Dehnunsstrich oder ohne, oder wo er hinkommt, oder ob man ein kleines tsu braucht.. Das ist meiner Meinung nach sehr nach Lust und Laune und lässt sich kaum aus dem ursprünglichen Englisch ableiten..

  6. Das mit dem Stechlöffel… ich bin fast vom Stuhl gefallen xD
    Anglizismen oder allgemein der Import von fremden Wörter hat sicher gute und schlechte Seiten. Es schade, dass ein Teil der Wortvielfalt verloren geht – vielleicht aber auch nur vermeintlich. Schliesslich werden auch laufend neue Wortkreationen geschaffen. Und irgendwie gehört der Wandeln auch dazu. Wir reden ja auch nicht mehr so wie früher. Bloss war der Sprachwandel uns selber gar nicht so bewusst, sondern unsere Grosseltern schimpften über die neumodischen Wörter… und nun sind es wir 😉

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