Shikoku, Teil 4: Katsurahama und Burg Kôchi.

Über die Autobahn fuhren wir von Besshi (別子) in die Präfektur Kôchi (高知県). Lange Teile der Strecke führten durch Tunnel, und zwischendurch fing es immer wieder an zu regnen. Als uns der Magen knurrte, hielten wir auf einer Raststätte und aßen Wildschweinkroketten mit erstaunlich wenig Wildschwein drin. Außer uns war eine Familie mit mehreren kleinen Kindern, die die automatischen Türen immer wieder öffneten, wodurch es verdammt kalt war, dort.

Unser erstes Ziel in Kôchi war der Katsura-Strand (桂浜 Katsurahama). Katsura heißt in diesem Zusammenhang übrigens nicht Perrücke, sondern es handelt sich um den japanischen Kuchenbaum. Laut Wikipedia riechen die welken Blätter dieses Baumes nach Lebkuchen, deswegen hat der Baum auf Deutsch diesen Namen.

Der Strand an sich ist sehr hübsch, auch wenn wir mit dem Wetter natürlich kein Glück hatten. So wirkten die sich brechenden Wellen aber auch viel dramatischer. Baden darf man am Katsura-Strand übrigens nicht.

Über den Strand blickt eine große Bronzestatue von Sakamoto Ryôma (坂本龍馬), der eine wichtige historische Person in Japan ist. Warum genau der da steht, weiß keiner so richtig. Er mochte wohl das Meer.

Abends, nachdem wir eingecheckt hatten, liefen wir schnell noch zur Burg Kôchi (高知城). Von innen konnte man die sich zu der Zeit nicht mehr ansehen, aber auch von außen ist sie eine der hübscheren Burgen. Sie liegt, wie es sich für eine Burg gehört, auf einem Hügel, sie ist schwarz und weiß und sie trickst mit der Perspektive, um größer zu erscheinen.

Im 18. Jahrhundert brannte die Burg beinahe vollständig ab und wurde wiedererbaut. Ein Großteil der Gebäude wurde trotz all der Mühe im 19. Jahrhundert abgerissen, um Platz für einen Park zu machen. Heute ist noch die ganze innere Zitadelle erhalten.

Kôchi ist für einige Lebensmittel bekannt, vor allem aber für Katsuo (鰹; echter Bonito). In einem netten Restaurant etwa 20 Minuten zu Fuß von der Burg entfernt, aßen wir welchen und ganz ehrlich – meins ist es nicht. Zumindest außen scharf angebraten und innen roh finde ich den Fisch nicht so richtig umwerfend. Frittiert war er da schon viel besser.

Vom Restaurant aus liefen wir zum Bahnhof Kôchi, um bei einem Elektronikladen in der Nähe ein neues Band für meine Kamera zu kaufen. Während der Zeit im Schrank hatte sich dieses nämlich teilweise aufgelöst und bröselte mir den Nacken voll.

Auf dem Weg zurück zum Hotel kamen wir an einer roten Brücke vorbei. Sie nennt sich Harimayabashi (はりまや橋), und ist wegen einer gar skandalösen Liebesgeschichte bekannt, das im Yosakoibushi (よさこい節), einem Volkslied, das bei Volksfesten gesungen wird, vorkommt.

Dort heißt es:

土佐の高知のはりまや橋で    Tosa no Kôchi no Harimayabashi de
坊さんかんざし買うを見た  Bôsan Kanzashi kau wo mita

Oder auf Deutsch:

An der Harimaya-Brücke in Kôchi in Tosa
Sah ich, wie ein Mönch Kanzashi kaufte

Ein Kanzashi ist ein Haaraccessoire für Frauen, und dieser Mönch sollte eigentlich kein Interesse an Frauen haben. Hat er aber offenbar doch. 😉 So ein Schlingel aber auch.

Von der Brücke aus liefen wir zurück zum Hotel, sahen eine Dokumentation über den Shinkansen und schliefen recht früh ein.

 

2 Gedanken zu „Shikoku, Teil 4: Katsurahama und Burg Kôchi.

  1. Hallo Claudia,

    dies ist kein Kommentar zum Artikel. Da ich kein FB habe, auf diesem Weg eine Frage. Ich lese schon ein paar Jahre deinen Blog, sehr interessant. Ich habe mal eine Frage. Meine Firma (Maschinenbau) hat mittlerweile auch ein paar Maschinen in Japan stehen. Jetzt schicken wir Teile ankommend Sonntag hin. Ist das ein „normaler“ Arbeitstag bei euch? Vielleicht kannst du darüber mal was schreiben.

    • Die Arbeitstage sind hier genau wie in Deutschland, also Montag bis Freitag. 🙂 Ich schreibe hauptsächlich über Dinge, die anders sind, also wird daraus wahrscheinlich kein Beitrag.

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