Geschafft!

Pünktlich um halb zehn wurden die Ergebnisse des 2級建築士 (2-kyû Kenchiku-shi) online veröffentlicht. Sieben Minuten später bekam ich eine Nachricht von meinem Mann: 受かった!!!! (Ukatta!!!; Ich habe bestanden!!!!)

Warum dauerte es sieben Minuten, bis er mir die fröhliche Nachricht überbrachte? Weil er mehrmals nachsah, ob das wirklich sein Ergebnis war. Nicht, dass er sich total freut, und dann hat jemand anders bestanden.

Zur Feier des Tages gingen wir abends in einem Lokal in der Nähe unserer Wohnung trinken. Nach den mit Lernen gefüllten Monaten und der Anspannung, während er auf das Ergebnis wartete, war das auch wirklich nötig. Um ehrlich zu sein, wären wir auch trinken gegangen, wenn er nicht bestanden hätte. Dann halt aus einem anderen Grund…

Der Kenchikushi ist eine staatliche Qualifikation für Architekten. Ohne ihn darf man keine Gebäude planen. Da er jetzt erst einmal „nur“ die Qualifikation zweiter Klasse hat, darf er auch noch nicht alles planen. An was er sich herantrauen darf: Öffentliche Gebäude unter 500m², Holzhäuser unter 13m Höhe, Häuser aus anderen Materialien bis 300m².

Nicht, dass das in seinem Beruf irgendwie von Nöten wäre. 😉 Aber es ist auch mehr Vorsorge, falls… irgendwann die Stadt Tokyo pleite geht und alle entlassen muss? Ich weiß auch nicht. An dem Architektentest erster Klasse will er sich dennoch nächstes Jahr versuchen.

Um ehrlich zu sein finde ich es etwas eigenartig, dass man auch nach abgeschlossenem Architekturstudium ohne zusätzliche Qualifikationen nicht wirklich Architekt ist. Mein Vater ist Architekt* (meine Mutter Bauingenieurin), er hat sich zwar auch fortgebildet, aber für die Eintragung in die Architektenkammer reicht es, wenn man praktisch gearbeitet hat. Eigentlich sollte man davon ausgehen können, dass all das theoretische Wissen schon im Architekturstudium ausreichend vermittelt wurde, oder?

* Kommentar meines Vaters als ich viel viel jünger war: „Claudia, du kannst gern alles werden, aber bitte nicht Architekt.“

Auf jeden Fall geht es für meinen Mann demnächst, nur kurz nachdem der Stress sich endlich gelegt hat, in die nächste Runde. 🙂 Ein „Glück“ gibt es in Japan so viele Zusatzqualifikationen, die man erwerben kann, dass es auch danach sicher nicht langweilig wird. Nach der Prüfung ist vor der Prüfung.

13 Gedanken zu „Geschafft!

  1. Gratulation!
    Vielleicht stellen die japanischen Regelungen andere/höhere Anforderungen an beispielsweise Wissen über Statik als in Deutschland.
    Übrigens, Dein Artikel über die Fortschritte an Eurem Hausbauprojekt und wann Ihr das erste Mal eine Besichtigung vorgenommen habt, hat bei mir leichte Beklemmungen ausgelöst.
    Ist man in Deutschland Bauherr muss/sollte man jeden Tag/ wenigstens jeden zweiten Tag auf der Baustelle gewesen sein, um das Schlimmste zu verhindern. Kontrolle ist hier alles.

  2. In Österreich gibt es auch die Prüfung zum Ziviltechniker, erst dann darf man als Architekt tätig werden (abgesehen von Büros in denen es einen gibt, der eben alle Pläne abstempelt).

    Angeblich sind auch die frischen Studienabsolventen eher unbrauchbar, weil da mehr Wert auf die künstlerischen Aspekte gelegt wird als Bauordnung und Praxis.

    • Deswegen gibt es in Deutschland die Vorgabe, dass sie zwei Jahre lang Erfahrung sammeln müssen (und auch welche Erfahrung). Ich würde wahrscheinlich auch niemanden, der frisch aus der Uni ist, mein Haus planen lassen. 😉

  3. Auch von mir die herzlichsten Glückwünsche zur bestandenen Prüfung!

    Dann genießt schön die paar stressfreien Tage, bevor es in die nächste Runde geht!

    LG,
    Viola

    • Mal schauen wann genau es miten Prüfungen weitergeht. Mein Mann fing schon an von Prüfungen zu erzählen, die man mit der Architektenprüfung leichter bestehen kann… (weil z.B. der erste von zwei Tests wegfällt)

  4. Pingback: Jahresrückblick 2016: Januar bis Juni. | 8900 km. Berlin ⇔ 東京

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