Gleich und Gleich gesellt sich gern.

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Am Sonntag traf ich mich mit vier anderen deutschsprachigen Frauen in Shibuya. Recht viel Zeit lag zwischen diesem und dem letzten Treffen, eine der Damen hatte ich noch nie getroffen, und trotzdem tat es sehr gut, mal wieder mit anderen Leuten in derselben Situation zu quatschen.

Wenn ich erzähle, dass ich mich mit einer deutschen Freundin treffe, wird mir oft gesagt, dass es sicher total toll sei, mal wieder Deutsch sprechen zu können. Das ist, um ehrlich zu sein, nicht unbedingt so. Schließlich habe ich diesen Blog hier und lese auch sonst recht viel in meiner Muttersprache. Viel wichtiger ist es, sich mit jemandem über die Dinge austauschen zu können, über die man sich selbst oft Gedanken macht.

Man kommt einfach aus demselben Kulturkreis, und viele Dinge können Japaner dann doch nicht so gut nachvollziehen. Dann muss man entweder ewig erklären oder gibt direkt auf. Dinge, die in meinem Leben wichtig sind, sind für „ganz normale Japaner“ einfach kein Thema. Deswegen verstehe ich mich auch mit Japanern, die einige Zeit im Ausland verbracht haben, am besten. Oder eben mit Deutschen und anderen Europäern in Japan. 🙂

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Klar, das ist genau, was Migranten in Deutschland und überall anders auch machen: Wir treffen uns mit Leuten aus Deutschland/Österreich/der Schweiz um in unserer Muttersprache zu quatschen. Vielleicht wird sogar mal über das neue Heimatland gelästert. 😉 Sehr skandalös.

Es gibt einfach Dinge, die wir von Deutschland anders gewohnt sind. Oder Fragen, die sich nur stellen, weil man als Ausländer in Japan lebt. Andere Deutsche zu kennen, kann da durchaus hilfreich sein. Es ist fast, als wäre man für einen Nachmittag wieder dort, wo man aufgewachsen ist. Nur so richtig zurück nach Deutschland will ich eigentlich nicht. Als ich noch dort wohnte, hatte ich übrigens meine Leute, die entweder Japanisch sprachen oder einfach nur an Japan interessiert waren. Das erklärt vielleicht auch, warum gefühlt mindestens einmal im Jahr eine meiner Freundinnen aus Berlin nach Tokyo kommt. 😀 Man sucht sich überall Leute, die einen verstehen, oder?

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Letztendlich fände ich es genauso schade, wenn es sich jemand verbieten würde, mit anderen Deutschen (und Schweizern und Österreichern) zu kommunizieren, wie wenn jemand gar keine Verbindung zu Japanern hätte. Wir sind halt Ausländer in Japan, und wir werden immer etwas auffallen.* Da ist es egal, wie sehr man sich von anderen Deutschen fernhält. Und nein, man muss nicht automatisch alle Deutschen in Japan mögen. Das kommt manchmal einfach so. 🙂

Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf das nächste Treffen.

* Vor allem die Damen mit den hellen Augen und Haaren.

Crêperie auf den oberen Fotos: Au Temps Jadis. Schmeckt wirklich gut, und der Laden ist von innen und außen sehr hübsch.

7 Gedanken zu „Gleich und Gleich gesellt sich gern.

    • Es gibt da so einiges, wovon Japaner meist einfach nicht betroffen sind: Bilinguale Erziehung in einer absoluten Minderheitssprache, Reisen ins Vaterland, ob man deutsche Traditionen weiter begehen sollte, Fragen ums Visum, etc. etc.

  1. Hi Claudia,

    ist es auch nicht so das man sich ungezwungener Unterhalten kann?
    Da es doch einige Tabuthemen in Japan gibt.
    Mal schauen wie es wird. Ich komme nämlich im Februar nach Tokio und treffe mich mit meiner Tandem Partnerin. Hoffentlich behalte ich meine Vorfreude bei.

    LG Roman

    • Was für Tabuthemen? Klar, Japaner mögen es meist nicht so gern, wenn man über ihr Land meckert, aber das mögen Deutsche auch nicht unbedingt. Ansonsten würde mir auf Anhieb nichts einfallen.

      • Mir fällt ebenfalls nichts ein. Deswegen habe ich meine Bekannten gefragt ;). Tabuthemen sind: Religion, Politik, Einkommen, manche Krankheiten usw. aus Frauensicht.
        Aus Männersicht warte ich noch auf eine Antwort :D.

      • Bis auf Politik kann ich da nichts unterschreiben. Kommt sicher immer darauf an, wie gut man jemanden kennt, aber das ist denke ich überall so. (Apropos Politik, wir überlegen derzeit auf Arbeit am Morgen des 9.11. eine Weltuntergangsparty zu veranstalten. Wer weiß, vielleicht gewinnt ja Trump. )

  2. Pingback: Jahresrückblick 2016: Juli bis Dezember. | 8900 km. Berlin ⇔ 東京

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