Fernbeziehungstrauma?

fernbeziehungstrauma

Heute Nacht träumte ich, dass ich wieder nach Deutschland zurück müsste. Mein Mann verabschiedete mich am Flughafen, dann war ich wieder in Deutschland und nur am Heulen.

Tatsächlich brachte mein Mann mich damals, während wir eine Fernbeziehung führten, vier Mal zum Flughafen. Jedes Mal flossen Tränen. Jedes Mal war der Heimflug eine Tortur. Jedes Mal kam mein Mann nach Hause in eine Wohnung, in der ich noch vor kurzem war.

Natürlich sind wir inzwischen seit fünfeinhalb Jahren verheiratet, und ich muss nie wieder unfreiwillig zurück nach Deutschland. Trotzdem sind wir beide von der Fernbeziehung noch immer gezeichnet. Also, wahrscheinlich vor allem ich. 😉

Als ich vor zwei Jahren allein nach Deutschland flog, schaltete mein Kopf direkt in „Ich werde ihn mehrere Monate nicht sehen können“-Modus. Dabei würden es weniger als zehn Tage sein. Spaß macht das nicht, wenn man dann total verzweifelt weinend im Hotelzimmer sitzt, ohne einen echten Grund zu haben. Egal wie viel stärker uns die Fernbeziehung gemacht hat, so richtig gesund war das für mich wahrscheinlich nicht.

Immerhin kann ich jetzt, wenn ich so etwas träume, schnell zu meinem Mann ins Bett hüpfen und mich vergewissern, dass er noch da ist. 🙂 Das hilft auf jeden Fall.

Kennt noch jemand dieses Nachklingen von Fernbeziehungen, und wann geht das weg?

(Das Foto ist übrigens von unserer japanischen Hochzeit, als wir vor dem Umziehen herumalberten.)

16 Gedanken zu „Fernbeziehungstrauma?

  1. Oh, ich hoffe, das geht bald wieder weg, das klingt ja schrecklich T_T Ich denke mir immer „Distanz ist nur in der Realität schlimm, in deinem Kopf kannst du so nah sein, wie du willst“, aber so ganz hilfreich wird das dann wahrscheinlich auch nicht sein… :/

    • Wenn sich der Zeitraum, den man sich nicht sehen kann, über mehrere Monate erstreckt und man ständig eine riesige Zeitverschiebung dazwischen hat, hilft das tatsächlich nicht allzu sehr. 😉

  2. Kei und ich sind erst vor 2.5 Jahren so richtig zusammengezogen. 6 Jahre lang bestand unsere Beziehung aus Fernbeziehung mit immer mal wieder Unterbrechungen, von denen einige nur eine Woche, andere ein paar Monate gedauert haben. Aber es gab immer ein Rückflugdatum für einen von uns. Ich will gar nicht nachzählen, wie oft wir uns heulend am Flughafen verabschiedet haben -.- Albträume hab ich davon auch hin und wieder noch. Die Narben werde ich wohl noch eine ganze Weile mit mir rumschleppen ^^;

  3. Ach du mein lieber mon dieu, da brechen all meine Ängste in mir auf – Ängste, die ich zeitlebens wohl nicht mehr überwinden werde. Von inzwischen fast 28 Jahren Partnerschaft haben wir geschlagene acht Jahre (am Stück) und dann noch mal ein reichliches Jahr später Fernbeziehungstrauma hinter uns gebracht. Die Schädigungen, die die Seele dabei davonträgt, sind wahrscheinlich gar nicht wegzutherapieren. Andererseits ist es natürlich eine nicht zu beschreibende Erfahrung, wenn eine Beziehung diese Prüfungen übersteht.

      • Na ja, es geht ja nicht nur um die Anzahl der Jahre (länger ist ja nicht per se schlimmer – obwohl…., jetzt wo ich’s schreibe…. vielleicht doch… ich sollte mal meine Tagebücher veröffentlichen…), sondern um die Rahmenbedingungen. Wenn man sich in der Zeit nur ein-, zweimal im Jahr sehen kann (und bei mir war das zu Zeiten, als es weder Skype noch Line gab – wobei auch die sich nicht als taugliche Mittel zur Linderung des Leidens erwiesen haben), dann ist das schon happig. Aber ich muss anderen Kommentatoren zustimmen: Der Horror der Trennung belastet auch die Zeit der Gemeinsamkeit ungeheuer. Andererseits: Man/frau macht das ja aus gutem Grund – und der scheint dann eben bisweilen alles andere zu überwiegen.

  4. Unsere Fernbeziehung dauerte 2 ½ Jahre bis wir zusammengezogen sind.
    Und ich bin sehr froh dass ich fast gar nicht mehr an die unangenehme Zwischenzeit bis zum nächsten Flug nach Japan denken muss.
    Ich habe mir die positiven Gedanken und Gefühle sehr stark verinnerlicht. Die Vorfreude wenn man auf dem Weg zum Flughafen ist oder den Moment meine Frau zwischen all den anderen wartenden Personen am Flughafen oder Bahnhof zu entdecken.

    Manchmal vermisse ich diese intensive Vorfreude während des Fluges bzw. kurz vor der Landung, aber im Gegenzug will ich die davor benötigte längere Trennung auf gar keinen Fall wieder erleben…

    Daher bleibe ich lieber bei den positiven Erinnerungen und versuche mir so oft wie möglich bewusst zu machen, wie schön es ist dass (zumindest an den meisten Tagen) der andere Partner auf einen zu Hause wartet bzw. umgekehrt. 😉

    Ein Rezept gegen deine beschriebenen Alpträume kenne ich nicht. Aber ich denke schon, dass man sich durch bewusste Erinnerungen seine Träume in gewissen Zügen vorgestalten kann.
    Ansonsten bleibt ja der Joker zum Partner mit unter die Decke zu rutschen 🙂

    • Ich muss zugeben, dass die schrecklichen Trennungen die schönen Zeiten des Wiedersehens komplett überschatten. So kann ich mich noch lebhaft an verschiedene Abschieds-Szenarien erinnern, aber eigentlich gar nicht mehr ans Ankommen….

  5. Ich hatte von Anfang an wohl so das absolute Gegenteil einer Fernbeziehung… und das seit Ewigkeiten. Wir sind praktisch immer zusammen… mit dem Effekt, dass es mir manchmal schon nach einer Stunde so geht, wie du beschrieben hast.

    Als er einmal nicht am vereinbarten Punkt war und nicht in 5 Minuten auffindbar, fühlte ich mich wie ein verlorenes Kleinkind *lach* das ist wohl das absolute Gegenteil von dir… aber so ist das, wenn man selbstständig und zusammen arbeitet… :‘-)

    Der Gedanke, für Monate und unfreiwillig so weit auseinander zu sein… *grusel*
    Liebe Grüße 💙

    • Zeit für mich alleine brauch ich durchaus auch. Deswegen schätze ich manchmal doch die Abende, an denen mein Mann Überstunden macht oder mit Kollegen trinken geht. Dann kann ich mir Dokumentationen ansehen (findet mein Mann großteils langweilig, außer es geht um Tiere oder Autos) oder allein shoppen gehen oder ganz schrecklich ungesundes Zeug futtern. 😉

  6. Ich habe 8 Jahre eine Fernbeziehung Deutschland-Finnland geführt und mir hat es glaube ich nicht nachhaltig geschadet 🙂 . Auch wenn ich es irgendwann einfach nur noch lästig fand (mein Freund übrigens nicht, der hätte auch noch so weitergemacht…) und froh bin, dass wir jetzt endlich zusammen wohnen. Solche Träume wie du hatte ich übrigens noch nie… ich fürchte das ist ein nachhaltiges Trauma und wird dich noch über viele Jahre immer mal wieder einholen… (so wie ich nach 12 Jahren immer noch träume, das Abi nochmal machen zu müssen…).

  7. Ich habe leider noch nie eine FernBeziehung geführt, kann also leider nicht mit reden. Obwohl ich manchmal Sehnsucht hatte nach meine Japanerin, die ich in Tokyo kennengelernt hatte, musste ich mit auseinander leben zurecht kommen. Ich finde deinen Blog sehr interessant und hoffe, dass du weiter gute Artikel schreibst.

  8. Ich kann dich so gut verstehen. Mir ging es vor unserem Abschied in Japan auch so unglaublich schlecht, es ist irgendwie gar nicht zu vergleichen mit der Freude auf das Wiedersehen. Die ist zwar natürlich riesig groß, aber der Gedanke daran, dass quasi kurz darauf wieder dieses Gefühl am Flughafen kommen wird, liegt wie ein Schatten darauf.

    Umso schöner aber, dass du jetzt nach so einem Trauma-Traum neben deinem Mann aufwachen und dich versichern kannst, dass er ganz in deiner Nähe ist ❤

  9. Bei mir waren es ebenfalls 6 Jahre Fernbeziehung. Zwar waren es nur 200km doch jeder musste ja seinen Beruf und sonstiges unterbringen. Wir haben versucht uns jedes Wochenende zu treffen. Aber wenn man dazu bereit ist und dem Partner vertraut gibt es eigentlich keine Probleme. Vielleicht sehe Ich das auch blos als man so. Jetzt bin ich schon 10 Jahre verheiratet und habe 2 Kinder. Also Happy End 😉

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