Das Wort zum Mittwoch: お小遣い

mittwoch

Kurz nachdem mein Mann und ich geheiratet hatten, bat er mich, dass ich mich um das Geld kümmern solle. Quasi als Verwalterin unserer beider Einkommen.

Das ist in Japan absolut nichts Ungewöhnliches, in einer kleinen Studie wurde herausgefunden, dass in 57% der Haushalte die Frau in finanziellen Dingen das Sagen hatte.

Die Männer bekommen ein Taschengeld, oder:

お小遣い

お小遣い (Okodsukai) ist tatsächlich dasselbe Wort, dass auch für die Taschengelder von Kindern verwendet wird. Im Durchschnitt bekommen Männer natürlich mehr als Kinder, aber dennoch nur um die 31,000Yen (ca. 271€).

Wenn man dann jeden Tag irgendwo Mittagessen kaufen muss oder in der Firma ein paar 飲み会 (Nomikai; semifreiwillige Trinkveranstaltungen) stattfinden, reicht das hinten und vorne nicht.

Andererseits sind die Taschengeldbeträge natürlich nicht gewählt, um den Mann zu ärgern. Es ist das Geld, das übrig bleibt, wenn man alles andere eingerechnet hat. Kinder sind teuer, Lebensmittel sind teuer, wir können uns nicht darauf verlassen, eine anständige Rente zu bekommen, … Wenn einem dann ein Mann, der das alles viel gelassener sieht, einen Strich durch die Rechnung macht, ist das sicher oft fatal.

Mein Mann bekommt übrigens kein Taschengeld. Wir haben beide unsere Einkommen und die Dinge, die wir jeweils bezahlen*. Nun vertraue ich meinem Mann in Sachen Geld aber auch, er geht weder viel trinken, noch steht er auf Glücksspiele oder hat andere teure Hobbys. Wenn dem nicht so wäre, würde er eventuell auch nur ein bisschen Taschengeld überreicht bekommen. 😉

* Er bezahlt die Miete und Strom- , Wasser- und Gaskosten, ich zahle das Essen und unsere Handyverträge – so in etwa. 🙂

Könntet ihr euch vorstellen, die Geldverwaltung so zu machen? Und wie viel Geld würdet ihr eurem Mann zur Verfügung stellen?

 

8 Gedanken zu „Das Wort zum Mittwoch: お小遣い

  1. In meiner Ehe hatte ich auch die Verwaltung über das Geld, da ich auch das Geld verdiente. Mein Mann wollte allerdings kein Taschengeld. Fürs Einkaufen usw. hat er immer genug von mir bekommen, ohne Fragen und Diskussion. Das hat bei uns gut funktiniert.
    LG
    Ulrike

  2. Wir verdienen gleichen vielen und teilen daher alle gemeinsamen Kosten 50/50. Mit dem, was man übrig behält, kann jeder machen, was er will. Würde ich meinem Mann Taschengeld zuteilen müssen, hätte ich irgendwie das unsexy Gefühl, ein Kind geheiratet zu haben, muss ich ganz ehrlich sagen. Vielleicht ist das anders, wenn man Kinder hat und die Kosten etwas unübersichtlicher werden.

    • Mein Mann verdient ein wenig mehr (und hat Boni!!), um die großen Fixkosten kümmert er sich also. Aber ja, wenn wir Taschengelder hätten, würde ich mich auch wie ein Schulkind fühlen…

  3. ich kann mich erinnern das es in der ehe meiner eltern ähnlich war, meine mutter hat alles finazielle geregelt und mein vater bekam, ich mag das wort mit dem gedanken an meinen vater nicht, taschengeld. dad hat das geld verdient (er hatte das haupt einkommen) und mum hat sich um haushalt und familie gekümmert (aber sie ging auch arbeiten aber nur 5h am tag, was ziemlich viel war)

  4. Beziehen sich die 271 Euro auf eine Woche oder einen Monat?
    Im Japanischunterricht haben wir vor langer Zeit mal einen Text über die Taschengeldverwaltung in Japan übersetzt. „Bekommst Du Taschengeld?“ ist inzwischen zum running gag bei uns geworden.

    Ach ja, falls der Mann doch mal unvernünftig in Sachen Geld werden sollte, empfehle ich „Die Umarmung des Todes“ von Natsuo Kirino…

    Liebe Grüße
    Midori

  5. wenn einer der beiden nicht vernünftig mit geld umgehen kann, ist es sicher besser der andere verwaltet das ganze geld.

    bei uns ist das glücklicherweise nicht notwendig. wir haben ein gemeinsames konto und daher ist rechnungen bezahlen kein thema!

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