Ortsnamen.

ortsnamen

Im Deutschen ist manchmal unklar, woher ein Ortsname ursprünglich kommt. Nach Jahrhunderten ist einfach nicht mehr auf den ersten Blick erkennbar, was „München“ wohl mal bedeutet hat.

In Japan haben wir Kanji, es hat also jedes Schriftzeichen in einem Ortsnamen eine Bedeutung. Wenn man das Zeichen für Zeichen übersetzt, kommen manchmal Märchennamen raus:

秋葉原 (Akihabara) ist zum Beispiel „Herbstlaubfeld“ und 千葉 (Chiba) „Tausendblatt“. 😀 „Die Königin von Tausendblatt machte sich auf den Weg nach Herbstlaubfeld um um die Hand des Drachen anzuhalten.“*

* Ich sollte Kinderbuchautorin werden…

Und dann gibt es ein paar Orte in Tokyo, die irgendwie eigenartig sind… Auch nach Jahren ist meine liebste Bahnstation 御茶ノ水 (Ochanomizu) – „Teewasser“. 😀 Ob jemand das Wasser aus dem Fluss, an dem die Station liegt, trinken möchte, wage ich zu bezweifeln. 😉

Als ich meinen Mann fragte, welchen Ortsnamen er in Tokyo am schönsten findet, antwortete er mit 三軒茶屋 (Sangenjaya), „Drei Teehäuser“.

Er: Drei Teehäuser? Genau drei? Nur?

Immerhin beeindruckender als 六本木 (Roppongi), wo ich arbeite. Dort gibt es dem Namen nach nur „Sechs Bäume“. Ortsnamen zu übersetzen macht riesigen Spaß, man merkt sich die Kanji mit ihren Lesungen so auch recht gut. 🙂

In Gegenden, in denen ursprünglich eine andere Sprache gesprochen wurde, funktioniert das übrigens nicht so gut. Für die Ortsnamen in 北海道 (Hokkaidô; der Präfektur Hokkaido) wurden oft einfach Kanji festgelegt, die wie die alten Namen der Ureinwohner, der Ainu, ausgesprochen werden. In den Namen dort fndet man oft die Kanji 幌 (Horo; u.A. Abdeckhaube), 別 (Betsu; seperat) und 内 (Nai; Innen), welche aber von den Ainu-Worten für „weitläufig“, „großer Fluss“ und „Sumpf“ kommen.

Immerhin funktioniert es in in der östlichen Hauptstadt, in „Gottes Tür„, „Glückshügel“ und… „Goldsumpf„?!

Was sind eure liebsten eigenartigen Ortsnamen? 🙂 Und was ist eigentlich an „Onkel Toms Hütte“ in Berlin?

21 Gedanken zu „Ortsnamen.

  1. Haha, bei „Onkel Toms Hütte“ hab ich mich auch immer gewundert und bin extra dahin gefahren. Nix mit Hütte.

    Super Artikel. Da geht es also nicht nur mir so mit den Ortsnamen. Ich habe Kanjis gelernt, indem ich mit den Regionalzügen durchs Land gefahren bin, alle aufgeschrieben und gelernt habe in der Zeit bis zum nächsten Ort.
    青森 – Aomori – der blaue Wald hat es mir angetan. Und natürlich mein altes Zuhause 福島 – Fukushima – die glückliche Insel, die gar keine Insel ist.

    Liebe Grüße aus dem Herzen vom kleinen Wäldchen des alten Friedrichs in Berlin 😉

    • Nach der am ehemaligen Riemeistersee gelegenen Gaststätte „Onkel Toms Hütte“ benannt, erbaut um 1885, deren erster Wirt Thomas hieß.
      © Edition Luisenstadt, kaupert media gmbh

      😉

  2. Ich fand den Namen „ochanomizu“ auch cool und hab auf Nachfrage von einem Freund erfahren, dass es dort wohl früher eine Quelle gab, wo irgendein wichtiger Mann (leider vergessen wer) hingegangen ist und sich Wasser geholt und damit seinen Tee gekocht hat. Daher der Name… Die Frage ist, ob’s stimmt 😀

    Zurück aus Japan wohne ich in Berlin wieder auf der Roten Insel. Hab schon mehrere Geschichten gehört, wieso die Ecke so heißt. Welche davon ich glaube, darf ich mir wohl selbst aussuchen 😀

  3. Ich finde es in Hokkaido gar nicht so schlimm. In Okinawa ist es richtig extrem, das weißt du ja auch. Aber macht umso mehr Spaß, weil man dort viel Neues lernen kann. ^___^

    Hab noch gar nie über meinen Lieblingsnamen nachgedacht.

  4. Ich hab keinen Lieblingsnamen, aber mein Hotel war in ningyouchou, das heisst doch Puppenviertel? Ich hab aber keine Puppen gesehen ^^;

  5. „Die Siedlung Onkel Toms Hütte, oft auch als Onkel-Tom-Siedlung oder Papageiensiedlung bezeichnet, liegt im Berliner Ortsteil Zehlendorf am Rande des Grunewaldes. Namensgebend war das 1885 eröffnete benachbarte Ausflugslokal, dessen Besitzer Thomas seine Gaststätte in Anlehnung an Harriet Beecher Stowes Roman Onkel Toms Hütte benannt hatte. Die Architekten Bruno Taut, Hugo Häring, und Otto Rudolf Salvisberg planten 1100 Geschosswohnungen und 800 Einfamilienhäuser.“ (Wikipedia) – Und ich war noch nie da ….schlimm, schlimm

  6. Ich liebe das, bedeutungsvolle oder lustige Ortsnamen. Das Lustige kommt oft wegen Missverständnissen oder weil sich die Sprache geändert hat… oder so. Ich bin kein Linguist 😉

    In Nordfriesland gibt es viele (für uns) witzige Ortsnamen: Platz 1 belegt da Kotzenbüll, ein Dorf mit wunderhübscher Kirche. Aber auch in England, Welt, Witzwort und Krempel kann man dort wohnen… und in Itzehoe gibt es eine Straße „blauer Lappen“ . 😄 wenn man reinsieht, gibt es logische Erklärungen.

    Grad merk ich, dass ich weniger poetische oder „schöne“ Namen in meiner Sammlung habe…

    Liebe Grüße
    Moni von fingertip gallery 🙂

      • Mindestens! Obwohl, ich denke, dass das wohl etwas ganz unschuldiges heißen könnte … oder?

        Ich würde mich übrigens auch über eine ausgearbeitete Version deines Märchens freuen… obwohl deine Ein-Satz -Fortsetzung hat schon was… 🙂
        Grüßle aus dem küüühlen Berlin! 🙂

  7. Wer mehr über Tokyos Ortsnamen wissen möchte, kann den Blog „Japan This!“ suchen. Äußerst interessant^_-
    In Tokyo haut es nämlich auch nicht immer so leicht hin 🙂
    Ochanomizu war so ziemlich der erste Name, den ich übersetzen konnte..
    Und Kanji lerne ich auch mit Bahnhofsnamen. Da bekommt man oft gleich mehrere Lesungen mit!
    Ikebukuro ist uebrigens auch witzig.. Wenn man es nicht soo genau nimmt, kommt Seesack dabei raus 😄

  8. Auf dem Weg zum Flughafen Narita freue ich mich immer, wenn ich mit der Bahn durch Shisui (酒々井) fahre. Ob es da mal wirklich Sake-Sake-Brunnen gab?

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