Fuchs und Marderhund.

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In Japan gibt es verschiedene Dialekte und verschiedene Esskulturen. Der am allgemein bekannteste Unterschied dürfte zwischen 関西 (Kansai) und 関東 (Kantô) bestehen, zwei Regionen als deren Vertreter 東京 (Tôkyô) und 大阪 (Ôsaka) herangezogen werden. Zwischen den beiden Städten herrscht seit jeher Rivalität, die Leute sind vom Temperament anders und auch sprachlich gibt es einige Unterschiede.

Die Sprachbarriere zeigt sich auch beim Essen:

In Japan gibt きつね (Kitsune; Fuchs) und たぬき (Tanuki; Marderhund) für unsere うどん (Udon; dicke Weizennudeln) und そば (Soba; dünne Buchweizennudeln). Kitsune ist mit frittierten Tofu-Streifen (厚揚げ Atsuage oder 油揚げ Aburaage), Tanuki mit frittiertem Tempurateig (天かす Tenkasu oder 揚げ玉 Agedama). Doch nicht so schnell! Das gilt nicht im ganzen Land!

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via Nikkei

Wenn man in Osaka Kitsune Udon bestellt, bekommt man noch genau das, was man als Tokyoter erwarten würde, frittierten Tofu auf Udon. Und was passiert, wenn man Tanuki Soba bestellt? Man bekommt frittierten Tofu, nur eben mit Soba… Es gibt in Osaka zwar genau wie in Tokyo Soba und Udon mit frittiertem Tofu, aber es heißt Kitsune bzw. Tanuki. Das Problem ist, dass Kitsune Udon sich von Osaka aus im ganzen Land verbreitet hat, Tanuki Udon aus Tokyo (bzw. Edo) aber irgendwie nie in Osaka populär wurde. Dort aß man aber irgendwann Tofu mit Soba, und nannte es Tanuki, einfach so. 😉

Wenn man in Osaka Tempurateig in seinen Nudeln haben möchte, also Tokyoter Tanuki, muss man ハイカラ (Haikara) bestellen.

Und wenn man das dann einmal raus hat, und nach 京都 (Kyôto) weiterfährt, erlebt man bei der nächsten Bestellung eine böse Überraschung: Kitsune ist dort in Streifen geschnittener frittierter Tofu mit Lauch auf dünnen Nudeln – Tanuki ist Udon mit あんかけ (Ankake), einer dicken Sauce mit viel Stärke. Klar, die Leute in Kyoto brauchen ihre Extrawurst. 😉

Gibt es bei euch Lebensmittel, deren Namen immer mal Verwirrung auslösen? 🙂

4 Gedanken zu „Fuchs und Marderhund.

  1. Pfannkuchen. Wenn ich einen Pfannkuchen will stelle ich mir so ein rundes Ding drunter vor das in Fett ausgebacken wird und in Berlin bekomm ich das auch aber wenn ich Köln was will bekommt man das nicht, dann bekomm ich einen Eierkuchen. Oder Weck, das ist ein Brötchen, ein kleines Brötchen, aber schon ein paar Kilometer weiter kennen die Leute den Ausdruck garnicht und ich werd schräg angeschaut. Ich glaube da gibt es zig Sachen in Deutschland bei denen das so ist.

    • Jägerschnitzel! Immer wieder schön, Verwirrung und Entsetzen auf den westdeutsch sozialisierten Gesichtern zu sehen, die Fleisch mit Pilzsauce erwarten und panierte Jagdwurst bekommen *g*

  2. Also ganz klassisch: geh mal im ruhrpott in einen Bäcker und bestelle Pfannkuchen die gucken dich blöde an und fragen nach was du haben willst, denn hier heißen die berliner. W
    Das was die als Pfannkuchen bezeichnen nennen meine Eltern und ich Eierkuchen (komme gebürtig aus dachsen-anhalt). Gleiches gilt für Buletten die heißen hier Frikadellen und wenn ich mich nicht ganz täusche müssten die in Süddeutschland in einigen Regionen unter fleischpflanzerl bekannt sein.

  3. Melange, Cappuccino, Milchkaffee…
    Mancherorts ist ein Cappuccino ein Kaffee mit Milchschaum, in manchen Gegenden bekommt man aber Kaffee mit Schlagsahne-Haube. Sehr nett löst das die Konditorei im nächsten Ort: dort ist es Milchkaffee mit Schlagsahne 😉
    Kein Essen, aber auch sehr nett: „wischen“ und „fegen“. In der Schweiz „wischt“ man mit dem Besen und „fegt“ man nass mit Bodenlappen, Bürste oder Schrubber.
    Bekannte von mir (er Schweizer, sie aus Hamburg) hatten mal ein zehnminütiges Streitgespräch über trockenes Verschüttetes „das wischen wir schnell weg“ „wieso wischen, da reicht doch fegen?“ – bis sie darauf kamen einander zu fragen, WAS der andere unter den beiden Begriffen versteht *g*.
    Ach ja, und meine Freundin war im Wallis mal etwas überrascht, als sie eine Käseschnitte bestellte und kein belegtes kaltes Brot, sondern ein in Weisswein getränktes und mit geriebenem Käse überbackenes Brot bekam.

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