Sprachkuddelmuddel.

spracheWas immer ganz viele Leute interessiert ist, welche Sprache mein Mann und ich denn zuhause sprächen. Manche internationale Paare würden ja ihre ganz eigene Sprache erfinden, eine Mischung der Herkunftssprachen, eventuell noch mit einer Drittsprache.

Wir sprechen Japanisch. Von Anfang an, und seitdem. Wir können beide auch Englisch sprechen, und wenn mein Mann in der Öffentlichkeit einen Lästeranfall bekommt machen wir das auch, aber ansonsten ist das lupenreines Japanisch.* Das hat mir zwar beim Japanischlernen unglaublich geholfen, aber inzwischen fände ich es schon ganz nett, würde mein Mann auch Deutsch sprechen.

* Mit japanischen Anglizismen. 😉

Wo es tatsächlich ein Sprachkuddelmuddel gibt ist mit Freunden und auf der Arbeit. In meiner Abteilung sprechen alle Englisch und Japanisch. Entweder beides sehr gut, oder eines viel besser als das andere. Einige Worte kommen bei uns in englischen Sätzen leichter auf Japanisch raus, und manchmal haben wir englische Worte in unserem Japanisch. Das ist bei zweisprachigen Freunden nicht anders.

それの10 percentでもいい (Mir reichen auch 10 Prozent davon)

Did we get the 見積書 for this? (Haben wir den Kostenvoranschlag für das schon bekommen?)

Manche Worte sind auf Japanisch auch super kurz, während man im Englischen oder Deutschen einen längeren Begriff bräuchte.

daibiki

代休 (Daikyû) nennt sich auf Deutsch z.B. „Freizeitausgleich“, was ich noch nie jemanden sagen gehört habe. Normalerweise würde man wahrscheinlich einen ganzen Satz formen, á la „Ich habe am Sonntag gearbeitet, deswegen habe ich morgen frei“.

チャラい (charai) ist jemand, der grell und auffällig ist, ohne wirklich Klasse zu haben. 懐かしい (natsukashî) ist, wenn etwas einen positiv an die Vergangenheit erinnert, also Nostalgie hervorruft – aber nicht erst nach zehn Jahren, sondern gern auch nach zwei Wochen.

Auch behördliche und medizinische Sachen laufen in Japan natürlich auf Japanisch ab, weswegen die zugehörigen Worte für uns präsenter sind: 区役所 (Kuyakusho; Bezirksverwaltungsamt), 年金手帳 (Nenkintechô; Rentenheftchen), 戸籍謄本 (Kosekitôhon; Abschrift des Familienregisters), 血液検査 (Ketsuekikensa; Bluttest) usw.

Wenn alle zwei Sprachen sprechen ist es oft einfacher zumindest etwas zu mischen. 🙂 Nur mit meinem Mann passiert das nicht. 😉

Wie läuft das bei euch? Vermischt ihr Sprachen? 🙂

In den Sprechblasen:
バイト (Baito) – Jobben, meist Teilzeit, immer ohne Festanstellung
派遣社員 (Hakenshain) – Zeitarbeiter
代引き (Daibiki) – Kurzform von 代金引換 (Daikin-Hikikae), Bezahlung per Nachnahme

Sprechblasen: Vintage vector designed by Freepik

27 Gedanken zu „Sprachkuddelmuddel.

  1. Wir sprechen generell Englisch zu Hause, aber manche Wörter sind auf Deutsch kürzer – deswegen reden wir immer von „Stau“, auch wenn wir Englisch sprechen. Mittlerweile kommt Schwedisch dazu, bei Sachen, die es nur hier gibt, aber auch wenn das Wort schöner oder kürzer ist. Ansonsten kommt es auch auf die Gäste drauf an. Wenn schwedische Kinder da sind, reden wir mit unseren Kindern auch Schwedisch, wenn deutsche Erwachsene da sind, reden wir auch untereinander Deutsch. Unfreiwilliges Kuddelmuddel gibt es zum Glück sehr selten, aber eine absichtliche Sprachenmischung zum Wohle der Konversation. 🙂

    • Ich finde nichts schlimmer als eine Sprache zu sprechen obwohl eine Person da ist, die diese Sprache eben nicht spricht. Bei uns wird ganz selbstverständlich auf Englisch gewechselt sobald jemand da ist, der z.B. kein Japanisch spricht. 🙂 Das einzige deutsche Wort, das mein Mann immer mal bringt ist „Bier“… 😉

  2. Ist das „sprächen“ im ersten Satz bewusst so plaziert? 😉

    Weil ich zweisprachig aufgewachsen bin, wurden früher viel und oft die Sprachen vermischt. Jetzt eher weniger. Jeder spricht die Spache, die ihm am ehesten liegt. Vermischungen sind aber völlig normal und in meinem Umfeld alltäglich. Eigentlich ein klarer Vorteil, denn so hat man kulturelle Vielfalt. Wobei ich der Meinung bin, dass man spätestens ein bis zwei Jahre nach dem man in ein Land eingewandert ist, auch die Landessprache sprechen sollte. Zwar nicht unbeding perfekt, aber eine Grundverständigung ist einfach notwendig.

    • „Sprächen“ ist mit Absicht aber eventuell falsch. 😉
      Wenn man bedenkt wie viel Müll Einwanderer in Deutschland an den Kopf geschmissen bekommen wenn sie kein gutes Deutsch sprechen, kann man über deutsche Einwanderer in bestimmte Länder (Spanien, Thailand, …) nur den Kopf schütteln. Ich denke, wenn man als Expat auf begrenzte Zeit in einem Land ist, ist es okay wenn man keine großen Gespräche führen kann. Aber wenn man, wie ich, vorhat für immer in einem Land zu leben ist es einfach unhöflich (und ich denke auch super anstrengend) wenn man die Sprache nicht spricht. Ich kenne da auch so einige Pappenheimer, obwohl das dann eher die Englischsprachigen sind.

      • „Spraechen“ ist schlichtweg der Konjunktiv von sprechen und sehr viel schoener als „sprechen wuerden“, was normalerweise in diesem Fall benutzt wird.

  3. Ein recht verbreitetes Konzept ist es wohl, feste Sprachtage einzuführen. z.B. Montag ist Deutsch-Tag und Donnerstag ist XYZ (aka Japanisch)-Tag. Mit jeweils 100% für beide, egal wie falsch, man muss sich halt durchlavieren. Den Rest der Zeit kommuniziert man, wie es halt am effizientesten ist. Habe ich selbst so gemacht und auch von vielen 2-sprachigen Paaren gehört.

    • Leider muss man für dieses Konzept zumindest einen Grundwortschatz haben – mein Mann spricht drei Worte Deutsch. 😦 Das würde wohl in einem Tag voller Grunzlaute enden. Er wird sich aber wirklich mal dransetzen müssen, wenn wir Kinder haben sollen die nämlich Deutsch lernen.

  4. sprachmischmasch lässt sich wohl nicht vermeiden. vorallem die „fachwörter“ verwendet man halt gerne in der umgebungssprache. so werden die dinge präzise be- und müssen nicht um-schrieben werden!

    da ich 2 töchter im kindergartenalter habe, versuche ich aber so korrekt wie möglich mit ihnen auf deutsch zu reden. da wringe ich mir dann ein „hast du dein buch-täschchen auch eingepackt?“ ab, statt einfach „hon-bukuro“ zu verwenden.

    von meinen töchtern selbst wird aber erbarmungslos gemischt! 😉 und das finde ich auch ok so!

    • Die Sprachen zu mischen zeigt bei Kindern, dass sie die grammatischen Regeln der Sprachen verstehen und spielerisch damit umgehen können – also absolut positiv! 🙂 Sobald bei uns Nachwuchs da ist, wird das auch nochmal eine Prüfung da ich hier ja die einzige bin, die Deutsch spricht…

  5. Bei uns ist es nicht ganz so vergleichbar, weil wir einfach sehr verschiedenes Deutsch sprechen. Ich spreche süddeutsch geprägtes deutsches Deutsch mit meinem Mann, mit Deutschen, deutschsprechenden Ausländern und denke auch so. Im Alltag spreche ich Schweizerdeutsch, allerdings auch da keinen reinen Dialekt, sondern ein Gemisch. Mein Mann ist Wiener und benutzt auch heute noch öfter rmal Austriazismen, gern gemischt mittlerweile mit Helvetismen *g*.
    Ich „switche“, ich kann nicht mit jemandem Schweizerdeutsch sprechen, der selber Hochdeutsch (oder etwas ähnliches ;-)) spricht.
    Dank meiner österreichischen Mutter, deutschem Vater, Aufwachsen und Leben in der Schweiz und mehrjährigem Lernen von Afrikaans verstehe ich ausser Kölsch fast alles zwischen Waterkant und Südtirol.
    Lustig finde ich, wenn mein Mann voll in Wiener Tonfall verfällt im Gespräch mit Österreichern und mittendrin plötzlich typische Schweizer Wörter verwendet 🙂
    Also: bei uns wird nur in Einzelbegriffen gemischt, nicht in der „Sprache“. (Ich muss allerdings betonen, dass Schweizer Dialekte teilweise komplett andere Grammatik haben als Hochdeutsch, für Schweizer Kinder kann der Deutschunterricht wie das Erlernen einer Fremdsprache sein).

    • Das glaube ich gern! Als Berlinerin tue ich mich mit anderen Dialekten eh schwer, und bei Schweizern verstehe ich oft nur Bahnhof. Österreichisches Deutsch finde ich aber süß. 😀

  6. Ich: Muttersprache Deutsch, ziemlich gutes Englisch, etwas Japanisch (N5~N4 Niveau)
    Er: Muttersprache Japanisch, gutes Englisch, wenige Worte Deutsch

    Wir mischen inzwischen extrem viel, weil ich einfach noch nicht gut genug Japanisch kann, um einen ganzen Kontext wieder zu geben. Also landen zwischen dem Japanisch bei mir auch oft dann englische Sätze. Und mein Freund ist dann auch lieber dabei mir etwas auf Englisch zu sagen, um der Gefahr zu entgehen, dass ich es auf Japanisch nicht verstehe. Aber vor allem gerade bei Begriffen für bestimmte Dokumente, ist es arg lustig mit dem Sprachkauderwelsch.

    Wobei ich, um Japanisch endlich besser zu lernen, auch mehr Japanisch mit meinem Freund sprechen müsste…

    • Ich finde Mischmasch absolut nicht schlimm, aber es ist halt doch wichtig die Sprache des Landes ordentlich zu sprechen. 🙂 Aber wenn du erst einmal wieder hier bist wird das sicher besser!

    • Mach dir keine Sorgen, ich habe am Anfang auch nur Deutsch gesprochen weil mein Japanisch nicht ausreichte. Ab einem gewissen Level habe ich ganz natürlich angefangen zu Hause Japanisch zu sprechen.

  7. Was du beschreibst, kenne ich auch sehr gut von mir und meiner Freundin (deutsch, englisch, japanisch) und meinen deutschen Freunden in Mexiko, wo ich die letzten beiden Jahre gelebt habe (deutsch, englisch, spanisch). Das Konzept ist in der Linguistik übrigens als „code switching“ bekannt, gibt da eine Vielzahl an interessanter Literatur dazu.

    Liebe Grüße, cheers, saludos, またね,
    Fabian

    • Ich las letztens, dass Kinder schon viel früher als bisher angenommen Code Switching betreiben. Wenn ein Kind z.B. mit dem chinesischen Vater brabbelt macht es ganz andere Laut als mit der deutschen Mutter. Super spannend, wie das funktioniert (und zeigt auch, dass Kinder eben nicht von zwei Sprachen komplett verwirrt sind). 🙂

  8. In Österreich ist der Begriff „Zeitausgleich“ („Ich nehme mir morgen einen Tag Zeitausgleich.“) geläufig. Keine Ahnung, ob das ein Austriazismus ist.
    Sprachtechnisch: größtenteils Mandarin, mittlerweile aber auch mehr und mehr Deutsch.

  9. Wir sprechen zu Hause auch nur japanisch, was meinem japanisch sehr geholfen hat. Meine Frau kann aber auch nur japanisch. Und wenn unser Baby da ist, darf ich mit ihr täglich deutsch sprechen. 懐かしい :D
    Wir sagen hier übrigens 着払い für Nachnahme, aber das liegt vielleicht daran, dass wir in der Kansai Region wohnen.

    • Sobald sich bei uns Nachwuchs anmelden sollte, wird man auch bei uns zuhause wieder mehr ä, ü, ö hören. 😉
      Ich kenne 着払い eher für die Versandkosten. Wenn wir auf Arbeit irgendetwas zurücksenden (Smartphones, Computer, etc. ist alles geleast) geht das immer mit 着払い damit wir nicht auf den Versandkosten sitzenbleiben. Gegensatz dazu ist dann 元払い. 代引き bezieht sich glaube ich direkt auf die Produkte. 🙂

  10. aber auch im reinen deutschen gibt es gemische. meine vater stammte ans sachsen-anhalt und sprach dem entsprechend. meine mutter gehörte zu den evakuierten und sprach entwerder das deutsch das in der hohen tatra gesprochen wurde oder sehr reines hochdeutsch. wir hingegen nutzen begriffe aus allen drei deutschen „sprachen“ und der region angepasst aus der wir stammen bei manchen wörtern muß ich echt manchmal überlegen wie die in hochdeutsch heißen 😀

  11. Ich lese sonst immer nur mit aber jetzt wollte ich auch mal was schreiben ^^
    Mein Freund kommt aus England und wohnt jetzt seit über einem Jahr in Deutschland. Wir sprechen mittlerweile auch so ein Mischmasch zwischen englisch und deutsch. Durch seine Arbeit ist sein deutsch aber mittlerweile recht gut geworden, sodass er sich auf deutsch unterhalten könnte. Aber das mixen der Sprachen ist bei uns jetzt einfach so drin.
    Die Kinder sollen aber später auf jeden Fall gleich beide Sprachen lernen. Finde ich einfach schöner.
    PS: Finde den Blog echt super und lese immer gerne mal die Einträge 🙂

  12. Interessantes Thema, mit dem Du Dich hier befasst.
    Also bei uns hat es sich je nach Lebenssituation sehr geändert.
    Beim Kennenlernen vor nunmehr über 15 Jahren mussten wir beide notgedrunden via Englisch kommunizieren, ich konnte viel zu wenig Japanisch, meine Freundin nur ein paar Worte Deutsch.
    Englisch als gemeinsame Sprache ist auch etwa 4 Jahre erhalten geblieben, bis wir uns entschlossen, dauerhaft in Deutschland zusammen zu wohnen. In unserem gemeinsamen Haushalt war es dann in der Tat ein ziemliches Durcheinander, denn jeder hatte angefangen, die (Fremd-)Sprache des anderen zu lernen, und wir haben eigentlich Englisch, Deutsch und Japanisch in einer Mischung gesprochen, wie sie wohl nur wir verstehen konnten.
    Seitdem wir allerdings Nachwuchs haben, haben wir die Sprache getrennt.
    Meine Frau spricht ausschliesslich Japanisch und ich ausschliesslich Deutsch mit unserem Sohn. Die jeweils andere Sprache „verstehen wir nicht mehr“, sodass er immer beide Sprachen abhängig davon benutzen muss, mit wem er gerade sprechen möchte. Wenn man dies über die Jahre konsequent durchhält, funktioniert es prima, unser Sohn spricht (und schreibt/liest) beide Sprachen sehr gut.
    Sind wir beide heutzutage mal unter uns [was bei 8-10 jährigen Kindern und deren Freunden selten vorkommt ;-( ], dann landen wir allerdings wieder bei unserem „Durcheinander“ , wobei ich sagen muss, meinem Japanisch hat es sehr geschadet, denn neben dem Job und der Familie fehlt der tägliche Zwang zur Übung des Japanischen — vieles konnte ich früher schon deutlich besser (oder liegt es daran, dass ich älter werde ???).

    • Fremdsprachen vergisst man leider recht schnell wieder, vor allem wenn sie nicht die Umgebungssprache sind. Liegt glaube ich nicht am Alter. 😉
      Wir haben auch vor „eine Person, eine Sprache“ zu praktiziren, auch wenn mein Mann sich aus unerfindlichen Gründen Sorgen macht, dass unser Kind kein Japanisch können wird – mit japanischem Papa, japanischer Oma und japanischem Opa in Japan…

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