Wenn ihr im Urlaub zu viel einkauft: Von Japan aus nach Deutschland versenden.

Wer kennt das nicht? Ihr habt ewig lange auf euren Japanurlaub hingespart. Innerhalb weniger Minuten in 原宿 (Harajuku), 秋葉原 (Akihabara), 浅草 (Asakusa), oder wo sich sonst das Mekka eurer Obsession befindet, habt ihr so viel gekauft, dass ihr euch kaum mehr vorwärtsbewegen könnt. Und in eure Koffer passt das jetzt auch nicht mehr.

Wie kriegt ihr jetzt also das Garados-Plüschtier in Originalgröße nach Hause? Mit der Post natürlich. Es gibt bei der japanischen Post (日本郵便 Nihon Yûbin) im großen und ganzen vier Versandarten für Pakete ins Ausland.

Einen superpraktischen Rechner für die Versandkosten gibt es auf der Seite der Post, sogar auf Englisch. 🙂 Aber was erwartet einen eigentlich bei den verschiedenen Versandarten?

Per Schiff: Langsam und günstig.

船便 (Funabin; Versand per Schiff) ist vor allem dann zu empfehlen, wenn man die Sachen für einige Zeit nicht mehr braucht. Es kann eins bis drei Monate dauern, bis das Paket angekommt. Dafür ist der Preis absolut bezahlbar. Auf Englisch wird es Surface Mail genannt.

Per Luft (Economy SAL): Etwas schneller, etwas teurer.

エコノミー航空便 (Economy Kôkûbin; Economy Luftfracht) heißt nicht etwa, dass euer Paket im Flugzeug die Beine anziehen muss, sondern dass es versendet wird, wenn irgendwo noch Platz frei ist. Es kann also sein, dass euer Paket innerhalb weniger Tage ankommt, durchschnittlich dauert es aber zwei Wochen. Vielleicht ganz gut, wenn ihr am Anfang eures Urlaubs etwas kauft, dann kommt es vielleicht mit euch zusammen in Deutschland an. 😉 Für Pakete unter zwei Kilo schreibt ihr „Small Package“ drauf, und es wird günstiger.

Per Luft (Airmail): Schnell, aber zweieinhalb Mal so teuer wie per Schiff.

航空便 (Kôkûbin; Luftfracht) ist eigentlich perfekt: Das Paket ist in unter einer Woche da, und an sich ist es noch bezahlbar. Wieder wird es bei einem Gewicht von unter zwei Kilo und „Small Package“ auf der Verpackung günstiger. Leider muss man für Versicherung und Sendungsverfolgung, wie auch bei den beiden oberen Versandoptionen, extra zahlen. Das ist in der Königsklasse des Versands, zumindest dessen der japanischen Post, etwas anders:

EMS: Wenn das Paket vor euch ankommen soll.

Ich weiß, wann meine Familie Geburtstag hat. Aber irgendwie schaffe ich es trotzdem nie, rechtzeitig Geschenke einzukaufen. Und am Wochenende, wenn ich Zeit zum Einkaufen habe, ist die Post geschlossen. EMS rettet mir immer mal wieder das werte Hinterteil: Es ist nämlich zwar teuer, aber innerhalb von etwa zwei bis vier Tagen ist es dann auch da. Versichert und mit Sendungsverfolgung, die panisch immer wieder aufrufen kann.

Als ich damals 2009 vorrübergehend wieder nach Deutschland ging, schickte ich mir alles per EMS zu, mit dem Effekt, dass die Pakete teils tatsächlich vor mir zuhause ankamen! Für EMS gibt es spezielle Adressformulare, die man ausfüllt und aufs Paket klebt. Gibt es in jeder Postfiliale, steht groß EMS drauf.

Dank des deutschen Zolls muss man beim Versand leider immer eine Zollerklärung ausfüllen. Ist etwas nervig, aber lässt sich scheinbar nicht umgehen*. Außerdem sprechen die meisten Leute am Postschalter kein Englisch, aber „EMS“ oder „Airmail“ funktionieren wunderbar.

* Außer die Postbeamten vergessen es. Dann ist es dem deutschen Zoll scheinbar wurscht.

Aber wie soll ich das denn alles verpacken?

Was Verpackungsmaterial angeht, ist man in Japan recht frei. Es reicht z.B. durchaus einfach seine Einkaufstüte zuzukleben und die deutsche Adresse draufzuschreiben. Etwas haltbarere Tüten und Päckchen gibt es in der Postfiliale auch zu kaufen. 🙂 Richtig große Kisten habe ich damals von クロネコヤマト (Kuroneko Yamato) bekommen, die verschicken zwar auch ins Ausland, sind aber viel teurer.

Nachtrag: Und der Zoll?

Die Zollfreigrenze für Geschenke beträgt 40€, derzeit ca. 5450Yen. Nun kann ich euch natürlich nicht zu irgendetwas anstiften aber – manchmal werden Dinge kurz vor Versand eben spontan ein wenig günstiger. Der Zoll war bei mir damals auch sehr nachsichtig, als ich mir selbst Sachen schickte. Ich schrieb „Umzug“ drauf, zog beim Zoll einen offensichtlich benutzten Schuh aus dem Gepäck und das Problem hatte sich erledigt. Das ist natürlich keine Garantie dafür, dass ihr keinen Zoll zahlen müsst, aber die Zollerklärung, die ihr in Japan bei der Post abgebt, sollte euch zumindest vor der Tortur im Zollamt bewahren.

Am einfachsten ist es wahrscheinlich, wenn ihr einfach auf dem Hinflug im Koffer genug Platz für eure Einkäufe lässt. Aber ich verstehe, manchmal ist das schwer… 😉 Frohes Shoppen, unterstützt die japanische Wirtschaft!

6 Gedanken zu „Wenn ihr im Urlaub zu viel einkauft: Von Japan aus nach Deutschland versenden.

    • Ojee, den Zoll habe ich ganz übersehen. Wenn man es als Geschenk kennzeichnet sind es wohl 40€. Ganz schöner Brocken, aber ich habe mein Zeug damals als „Used Clothes“ oder auch einfach „Umzug“ verschifft. Ob die das immer noch so durchgehen lassen, weiß ich leider nicht.

  1. Wichtiger Hinweis für „Umzug“. Wir haben tatäschlich einen Umzug von J nach D mit der Post gemacht. Ca. 20 kleine bis mittlere Umzugskartons per Schiff.
    Was wir nicht wussten, aber (a.G. netter Hinweise des Zolls) nachträglich arrangiert haben, ist die vollständige Deklaration als Umzug.

    Man füllt wie gehabt die Zollerklärungen aus. Dann meldet man mit diesen Zollerklärungen alle Pakete beim deutschen Zoll als Umzug an. In dem Fall werden die Pakete recht schnell durch den Zoll durchgewunken und landen wirklich bei euch zu Hause.

    Ein Kreuz bei „Umzug“ auf der Zollerklärung alleine reicht hier nicht aus.

    Sowas geht sicherlich auch für kleinere Sachen. Wenn man eigenen Kram (z.B. Kleidung, Technik) von J nach D schickt ist das ja eigentlich auch wie ein Umzug. 😉

    • Das hab ich auch so gemacht.
      Allerdings hab ich davor mit dem deutschen Zoll telefoniert und mir das genau erklären lassen.
      Ich musste dann die Formulare für jedes Paket doppelt ausfüllen und das waren glaub ich ca. 6 x 2 Seiten pro 18 Pakete ….. das war extrem nervig.
      Vor allem weil ich damals schon alles eingepackt hatte, aber ich für die Liste genau auflisten musste, wie viele Socken da drin waren, wie viel die wiegen und wie viel die wert sind etc. … DAS WAR GANZ SCHÖN VIEL ARBEIT!
      Dafür hab ich eine Menge Geld gespart. 🙂

      Ich habe damals glaub ich ca. 80.000 yen gezahlt. Bei Kuroneko hätte das schon 170.000 yen gekostet und alles andere wäre noch teurer gewesen. Dafür musste man halt alles selber machen ….
      (*Preise haben sich seit letztem Jahr evtl. geändert.)

  2. Vielen lieben Dank für den Artikel!
    Ich habe mir zwar „schlauerweise“ eine Fluglinie herausgesucht, bei der ich zwei Koffer in der Economy mitnehmen kann, aber man weiß ja nie! 😉
    Sollte mich aber der totale Shoppingwahn treffen, habe ich jetzt dank Dir ja einen „Plan B“! 🙂

    LG,
    Viola

    P.S. Bei den Mengen die ich das letzte Mal eingekauft habe, wäre die Deklaration „Umzug“ auch ganz treffend gewesen! Und ich war da nur drei Wochen in Japan! 😉

  3. Ich hab von Japan aus sehr oft, sehr viel verschickt.
    Natürlich zu Weihnachten an die Familie in Deutschland. Ich hab aber auch sehr viel verkauft und daher von Japan aus in alle möglichen Länder verschickt.

    Und schließlich habe ich mein ganzes Hab und Gut nach 7 Jahren Japan nach Hause verschickt.
    Dabei habe ich IMMER die japanische Post benutzt. Ich hab mir auch andere Angebote angeschaut, aber das war die billigste Lösung.
    Selbst die ganzen Sachen, die ich mit dem Schiff verschickt hatte waren nach 2-3 Monate in einem Topzustand in Deutschland! 🙂

    Am meisten hab ich SAL verwendet, wenn ich was verschickt habe.
    Hatte noch nie Probleme.

    Die Post hat auch einen Onlinerechner, wo man ausrechnen kann wie viel die jeweilige Versandtmethode kostet und wie lange es ungefähr dauern wird in das jeweilige Land.
    Das ist sehr krass nach Gewicht aufgeteilt, aber deshalb ist es auch um einiges billiger als in Deutschland, wo es viel gröber zugeht (z.B. 2kg, 5kg, 10kg). Wenn ich also ein Paket habe, das knapp über 5kg wiegt, muss ich schon die Preis für das 10kg-Paket zahlen.
    Das hat Japan meiner Meinung nach besser gelöst. 🙂

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