Auf Japanisch fluchen.

名称未設定

Baka – Idiot.

Wegen großer Nachfrage, und weil es sicher hilft meinen Blog als so familienfreundlich darzustellen, wie er ist: Schimpfwörter. Kurz vorweg: Ich habe vier Jahre lang ich einem Kindergarten gearbeitet. Ich arbeite jetzt in einer großen Firma. Ich fluche im Alltag nicht wirklich. Aber ich kann zumindest versuchen ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Also, wie flucht man auf Japanisch?

Das ist natürlich eine Frage, die man ganz einfach googlen kann, es gibt haufenweise Listen. Aber wie exakt die sind und ob nun wirklich so geflucht wird – naja. Schauen wir uns doch einmal eine der Listen, die im Internet herumschwirren, an.

Arschloch, Motherfucker und co.

In japanischen Beleidigungen haben Mütter und Arschlöcher wenig zu suchen. 貴様 (Kisama) und 手前 (Temê) sind sehr sehr unhöfliche Arten „Du“ zu sagen. Das lässt sich natürlich nicht ins Englische übertragen.

Es gibt in Japan etwa fünfzig Millionen Versionen von „Du“, die alle in ihrem Höflichkeitsgrad unterschiedlich sind. Während man Kisama und Temê eigentlich zu niemandem ungestraft sagen kann, sind andere „Du“s davon abhängig, wer man ist und mit wem man spricht. Ich werde kaum zu jemandem お前 (omae) sagen ohne ihn zu beleidigen, aber wenn mein Schwiegervater mit meinem Mann redet ist es komplett normal – und oft auch wenn ein Mann mit seiner Frau redet. Omae ist bei uns zuhause übrigens verboten. 😉

アホか?! (Aho ka?!), als „What the fuck?“ aufgeführt heißt einfach nur „Bist du ein Idiot/bescheuert?!“.

Der Ton macht die Musik

しつけーんだよ (Shitsukên da yo), im Bild als „Leave me the fuck alone“ übersetzt, ist letztendlich nur eine unfreundliche Art um „du bist aufdringlich“ zu sagen. Die „ei“, „ai“, „oi“ und „ui“-Laute eines Wortes werden vor allem von jungen Männern oft mit „ee“ ersetzt. Das klingt super unhöflich, aber die Worte selbst sind letztendlich absolut harmlos. しつけー (Shitsukê) ist しつこい (Shitsukoi; aufdringlich)), うっせんだよ (Ussen da yo; als „Shut the fuck up“ übersetzt) kommt von うるさい (urusai; laut). Es ist jedem selbst überlassen, wie krass man es übersetzt. Man kann es von „Du bist laut.“ bis „Halt deine verfickte Fresse.“ als alles übersetzen, weil es eben so unspezifisch ist. So kann man alles ganz einfach unhöflich klingen lassen. イチゴケーキ食べたい!(Ichigo-kêki tabetai!; Ich will Erdbeerkuchen essen!) klingt gleich ganz anders, wenn man イチゴケーキ食べてーんだよ!(Ichigo-kêki tabetên da yo!) sagt. „Shitsukên da yo“ und Konsorten sind tatsächlich beleidigend, aber nicht wegen bestimmter Worte sondern wegen des Tons.

Fäkalien

Im Deutschen ist man den Fäkalien zugeneigt, wenn’s ums Fluchen geht. Alles Scheiße. くそくらえ (Kuso Kurae; Friss Scheiße) ist tatsächlich komplett korrekt übersetzt, nur höre ich くそ (kuso; scheiße) sehr selten und wenn dann eher zu sich selbst geflüstert. „あっ、くそ!“ (Ah, kuso!; Ach scheiße!)

Aber wie fluchen Japaner (= mein Mann) denn nun wirklich?

Generell höre ich im Alltag viel weniger Schimpfworte als in Deutschland. Mein Mann hat natürlich trotzdem Frustrationen. Was macht er dann? Er wünscht Leuten den Tod. 死ね (shine; stirb) ist auf der Liste als „Go to hell“ aufgeführt. ああいう人、死んだほうがいい (Â iu hito, shinda hô ga ii; Es wäre besser wenn solche Leute sterben würden) oder auch das handliche 死ねばいいのに (Shineba ii no ni; Dabei wäre es gut, wenn er/sie/es sterben würde), oder noch handlicher 死んじまえ (Shinjimae; Stirb), sind die Standardsprüche meines liebevollen Ehemanns. Wenn alle Leute, denen er den Tod wünscht, sterben würden, hätte Japan ein noch weitaus größeres Bevölkerungsschwundproblem als sowieso.

Ansonsten gibt es natürlich noch den やろう (oder 野郎 Yarô; Kerl). Wobei „Kerl“ zu nett ist, Yarô ist der Catch-All-Begriff für Arschlöcher, Bastarde und Hurensöhne. くそやろう (Kusoyarô; Scheißkerl), バカやろう (Bakayarô; Idiot-Kerl bzw. Volltrottel) oder auch einfach こんなやろう (konna Yarô; so ein Bastard). Nur die Implikatonen, die man im Deutschen oder Englischen hat, fallen weg.

Aber ganz ehrlich: Wie oft höre ich jemanden fluchen? Unglaublich selten. Ich habe noch nie jemandem im echten Leben 貴様 (Kisama) oder くそ食らえ (Kuso kurae) sagen gehört. Es gibt wirklich nur unglaublich wenige öffentliche lautstarke Auseinandersetzungen*, und es wird einen auch niemand im Alltag mit Schimpfworten bewerfen. Das machen die Japaner alles ganz fein in ihren Köpfen. 😉 Wenn ich im Deutschen einen Satz mit Schimpfworten sprenkeln würde, lasse ich das im Japanischen. Es würde einfach bescheuert klingen. Außerdem: Ohne Schimpfworte zu beleidigen ist eh eine viel höhere Kunst. 😀

* Tagsüber. Vielleicht ist das nachts anders.

Zusammenfassend: Insgesamt hat die japanisch Sprache selbst viel weniger designierte Schimpfworte als die deutsche Sprache. Es werden oft an sich recht harmlose Worte, die man durchaus auch vor kleinen Kindern sagen könnte, einfach unhöflich ausgesprochen. Ansonsten wünscht zumindest mein Mann anderen gern den Tod. Anime und Filme stellen mal wieder nicht die ganze Realität dar. 😉

(Übrigens ist generell ist es ziemlich uncool mit Schimpfworten um sich zu schmeißen, wenn man die Sprache nicht beherrscht. Wirklich.)

Für die Blogleser in Japan: Fallen euch sonst noch Ausdrücke ein, die im Alltag tatsächlich verwendet werden?

43 Gedanken zu „Auf Japanisch fluchen.

  1. Hm, mehr Schimpfwörter fallen mir da auch nicht ein.
    Ich finde es recht angenehm dass man im normalen Alltag nicht so viele Schimpfwörter und ausfällige Sprache hört. Beleidigungen im Japanischen sind deutlich subtiler als im Deutschen, durch das einfache Weglassen des „-san“ oder eine unangebrachte Höflichkeitsstufe kann man schon sehr deutlich zeigen was man vom anderen hält. (Auch wenn wir Japanisch-lernenden das ganze oft zustande bringen ohne dass es uns selbst bewusst ist ^^“)

  2. Manchmal habe ich das Gefuehl, du spielst Maeuschen bei mir 😄
    Ich habe mich vor 2 Tagen erst mit einem Freund darueber unterhalten, wie man eigentlich auf japanisch Flucht und dass ich trotz Japanisch-Studium kaum japanische Schimpfwoerter kenne (seine Aussage war, dass das doch das erste ist, was man eigentlich lernt.).

    Letztens hattest du in deinem Blog auch ein Thema aufgegriffen, dass ich grad mit Freunden diskutiert hatte (weiss grad nicht mehr genau, welches XD)

    Ich benutze Schimpfwoerter recht selten. Japanische kenn ich eh keine ausser Baka 😄 Und im deutschen versuche ich mich auch eher zurueckzuhalten.

    Aber dass dein Mann allen den Tod wuenscht, finde ich schon interessant 😄

  3. Äußerst spannendes Thema, danke für den Diskussionsanstoß! Mein japanischer Partner hat mir in letzter Zeit einige Suffixe, die man an Namen anhängt erklärt:
    -suke (ich bin dann: Sabisuke 😉
    -me
    die wohl auch eine leicht negative Konnotation in sich tragen. In diesem Fall wohl eher spielerisch/neckisch, wie bspw. „Du Dummerchen“ oder „Du kleines Trottelchen“, oder so.

  4. Hallo Claudia,

    der Eintrag kommt passend zu einer Unterhaltung, die ich erst kürzlich mit meinem Freund hatte. Bisher ist es mir nicht gelungen, ihm wirklich krasse japanische Schimpfwörter zu entlocken. Er meint dann immer, dass Japanerinnen nicht fluchen würden. Mir als Deutsche fällt es trotzdem weiterhin schwer, Schimpfwörter aus meinem alltäglichen Sprachgebrauch zu verbannen, was ihn tatsächlich zu belasten scheint. Hier wird ja überall geflucht. Gerade auf Arbeit und selbst vom Chef (der ist der Schlimmste).

    Was ich erstaunlich finde: mein Freund empfindet es sogar als beleidigend, wenn ich „stupid“ (unsere gemeinsame Sprache ist Englisch) ihm gegenüber benutze (wenn er mal wieder rumalbert), obwohl es von mir nie böse gemeint ist, sondern eher neckend…Macht man so etwas in Japan nicht unter Partnern/Freunden/Familie ?

      • Memeshii heißt „weibisch“. Auch wenn ich nicht weiß was am Verhalten seines Freundes weibisch/unmännlich sein soll…

      • Dankeschön für die Erklärung 🙂
        Ja, war mir bisher auch nicht bekannt, dass sich Männlichkeit über den Gebrauch von Schimpfwörtern definiert.

      • Man soltle memeshii eher als „weinerlich“ oder „verzagt“ uebersetzen. Man koennte sich sogar zur Heulsuse hinreissen lassen 🙂
        Das scheint mir schon recht angemessen,

      • 女々しい mit gleich zweimal Frau klingt dann doch eher nach weibisch…
        Ich weiß jetzt auch nicht, was daran sehr heulsusig ist, wenn man es nicht mag dumm genannt zu werden. Ich lasse mich auch nicht gerne fett nennen obwohl ich weiß, dass ich es nicht bin. Wenn ihr Freund es nicht witzig findet, wird sie damit leben müssen, es entweder nicht zu sagen oder ihn jedes Mal zu verletzen. (Außerdem finde ich es dann doch etwas eigenartig aufgrund einer Aussage den Freund einer Kommentatorin als Heulsuse zu bezeichnen…)

    • Meine Schwiegerfamilie neckt sich untereinander schon mal mit baka und Co., aber so was ist ja auch von Person zu Person unterschiedlich. Dass ihm das „stupid“ etwas aufstößt, kann auch daran liegen, mit welcher Konnotation er es damals gelernt hat 😉

      • Ausserdem ist es schwer den genauen Ton zu deuten, wenn man nicht in einer gemeinsamen Muttersprache spricht.
        Passiert uns auch alle naslang mal, dass einer von uns sich angegriffen fuehlt ohne dass der andere es eigentlich im Sinn hatte.
        Hat uebrigens etwa 2 Jahre gedauert bevor mein Mann ohne Hemmungen vor mir geflucht hat und er brauchte auch einige Zeit um zu verdauen, dass ich eine gerne fluchende Deutsche bin.
        Wobei sich das inzwischen fast nur noch aufs Autofahren beschraenkt, da ich in Japan sonst kaum das Beduerfnis verspuere zu fluchen.. Ausser bei den Langsamlatschern und im Weg-rum-stehern…

      • Du vergisst „Leute die am Ende der Rolltreppe einfach stehenbleiben“ und „Leute die nicht wissen wie viel Geld auf ihrer Suica ist und alle anderen aufhalten weil die blöde Schranke immer erst mal etwas Zeit braucht um wieder benutzt werden zu können“.

      • Das mag sein. Er spricht zwar sehr gutes Englisch, hat aber viel weniger kulturelle Verbindung / Überschneidung mit z.B. UK oder US als ich. Außerdem kommt es ja auch darauf an, wie man erzogen wurde. In seiner Familie wurden zumindest untereinander nie Schimpfwörter benutzt.
        Aber gut zu hören, dass es auch Leute gibt, die sich ab und zu mal mit ursprüglich „unnetten“ Worten necken.
        Ihm ist dieses Verhalten, sowie übrigens auch Ironie, fremd.

      • Mein Mann hat sich inzwischen an Ironie gewöhnt, ist sich manchmal aber trotzdem noch unsicher, ob ich etwas ironisch oder ernst gemeint habe 😄 Tja, was Hans nicht lernt … 😛

  5. Wenn wuetend auf jemanden
    ボケ
    まじかよ
    消えろ
    だらしない
    なにやってるの
    でぶ
    給料泥棒
    はげ
    おっさん
    ブス
    口だけの
    頭おかしい

    Wenn 悪口
    くちくさい
    うそくさい
    うそっぽい
    うざい
    上から目線OO
    えらそうに
    こんじょうなし
    こしぬけ
    ふけてる
    非人
    おひとよし
    八方美人
    役に立ったない
    大人げない
    ヒモ

    Sexuell anzueglich
    あばずれ
    やりまん
    やりちん
    おんなたらし
    どうてい
    いそうろう
    ホモ、レズ、おかま
    スケベ
    変態おやじ
    早漏

    Rassistisch
    チョン

    … und mein persoenlicher Favorit
    ばかばかしい

    Am Haeufigsten sind wohl:
    バカ
    OOやろう
    死ね (und Variationen)
    うるさい・邪魔

    Der Grad der „Boesheit“ variiert. Wer Fehler findet, darf sie behalten. Ich hab das jetzt nur mal so ‚runtergeschrieben. Die Einteilung der Gruppierungen ist zum Teil willkuerlich.

      • Hmm, das ist tatsächlich eine recht vollständige Liste, von Dingen, die ich selbst auch sage (bis auf die sexuell anzüglichen). Aber an sich sind das ja oft weniger Schimpfwörter im eigentlichen Sinne als… Beschreibungen von Menschen. *hust* Bakabakashii ist übrigens auch mein liebstes Wort in allen Situationen.

      • Nur für dich: Boke, Maji ka yo, Kiero, Darashinai, Nani yatteru no, Debu, Kyûryôdorobô, Hage, Ossan, Busu, Kuchi dake no, Atama okashii // Kuchikusai, Usokusai (in der Verbindung würde ich noch Usankusai anmerken), Usoppoi, Uzai, Ue kara Mesen, Erasô ni, Konjô nashi, Koshinuke, Fuketeru, Hinin, Ohitoyoshi, Happôbijin, Yaku ni tatanai, Otonagenai, Himo // Abazure, Yariman, Yarichin, Onnatarashi, Dôtei, Isôrô, Homo, Rezu, Okama, Sukebe, Hentai-oyaji, Sôrô // Chon // Bakabakashii // Baka, xx-Yarô, Shine, Urusai, Jama.
        Zweiter Kommentar: Atama dekkachi, Narikin, Binbôkusai, Jibun-Katte, Kûki Yomenai
        Wobei die dann doch von der Bösartigkeit stark varriieren.

  6. Ich weiss nicht genau wie man es auf Japanisch schreibt, aber, shiksho für scheiße. Was man ja auch eher zu sich selbst sagt…
    Ansonsten höre ich am meisten Aho für asshole..
    Das mit dem Sterben scheint wohl übrigens Ort abhängig zu sein.. Das Thema hatten wir auf der letzten Betriebsparty. Leute in bestimmten Regionen fallen angeblich vor Schock um wenn man das sagt. Leider habe ich das Gespräch nur halb mitbekommen und weiß nicht wo das der Fall sein soll^^;;

  7. Man beachte da noch die Regionen – アホ vs. バカ in Kansai und Kanto! アホ ist in Kansai völlig ok, in Tokyo nicht. Und andersrum.
    自分勝手 ist übrigens ein Wort, dass es sehr schön auf den Punkt bringt. So sehr, dass ich es nicht mal unbedingt als Schimpfwort bezeichnen würde. Es ist einfach nur eine Feststellung.

    • Ich empfinde 自分勝手 oder auch 偉そうに jetzt auch weniger als Schimpfwort als mehr Feststellung. Vielleicht schreibe ich noch einmal einen „auf Japanisch meckern“-Eintrag.

      • Ich habe gestern mal darueber nachgedacht.

        Praemisse: Japaner sagen ja gern, sie haetten keine „boesen“ Woerter“
        Dazu: Es stimmt schon, Japanisch benutzt weniger Kraftausdruecke. „Schwanzgesicht“, „Hurensohn“, „Fotze“ etc. gibt es so im Japanischen schlicht nicht. (Es ist auch nicht ueblich, jemanden als „manko“ zu beschimpfen.)

        Das bedeutet aber eben nicht, dass Japaner alles Heilige waeren, die nie etwas Boeses ueber andere sagen wuerden, auch wenn viele Japaner sich da gerne moralisch ueberlegen fuehlen („holier-than-thou“-Attituede). Im Japanischen gibt es auch eine beachtliche Palette von Ausdrucksweisen um Missfallen auszudruecken, sei es direkt oder indirekt.

        In meiner kleinen Liste oben stehen ja nur einfache Vokabeln. Ich glaube, du hast es in deinem urspruenglichen Text auch ganz gut beschrieben: Es gibt einen regelrechten „Mecker/Fluch“ -Modus im Japanischen bei dem vor allem die Wortendungen sich aendern. Typisch waere z.B.
        „Nanda omae! Doke! Korosuzo!“ hier sind dann nicht nur die reinen Vokabeln bedeutend sondern eben auch die Imperativ / Expletiv-endungen.

        Oder, auf einer „Meta“-ebene gesagt: Letzten Endes sind die Unterschiede der Kulturen nur Details. Die menschlichen Gefuehle von Frustration und Aerger finden immer ein sprachliches Ventil, ob das nun Kraftausdruecke wie im Westen sind oder deren nicht-Kraftausdruck-Entsprechungen im Japanischen.

        Es ist aber auch interessant, wie Japaner oft stark peinlich berueht reagieren, wenn sie Westler fluchen hoeren. Speziell die Englischen Kraftausdruecke „Shit“ und „Fuck“ haben ja eine starke Wirkung.

        Interessant in diesem Zusammenhang auch ein Gespraech, das ich letztens mit meiner Frau hatte (sorry lange Geschichte):

        Ich war mit einer Kollegin in der Bahn auf dem Heimweg. Wir unterhielten uns ganz normal. Direkt vor mir stand ein Oyaji (so um die 60) und fuehlte sich wohl von unserer Unterhaltung gestoert. Also habe ich ihm ein gutgelauntes „存在してすみません“ entgegengeworfen (was natuerlich ein Fehler war, da Tokyoter und speziell Tokoyoter Oyaji keine Ironie verstehen). Naja, am Ende hat er sich beruhigt und ist ausgestiegen. Ich glaube, als er sich umdrehte und sah, dass ich ein grosser, boeser Auslaender bin, hat er sich es dann anders ueberlegt ….

        Ich erzaehlte diese Geschichte also meiner Frau und meinte ich haette besser mein Yakuza-Speak auspacken sollen a la „なに?このくそジジ!じゃまするな!“.
        Aber da meinte meine Frau lachend, dass das nicht zu mir passen wuerde und ich darin nicht „gut“ weil ungeuebt sei. Ich frage mich, ob ernsthaft fluchen in Japanisch fuer Auslaender nicht vorgesehen ist. (Naja, es gibt auch nicht viele Auslaender, die formvollendet auf Japanisch fluchen koennen.)

      • Klar gibt es diese Ausdrucksweisen, und Japaner sind nicht nur lieb, aber schau mal, wo Japaner am meisten fluchen: weit weg vom Auslöser ihres Unmutes. Ich habe das Gefühl dass in Deutschland viel öfter einfach angepöbelt wird. Aus deiner Geschichte geht irgendwie nicht ganz hervor, was der Herr denn nun getan hat. Hat er nur blöd geguckt? Zurückstarren. Später Zuhause über den Typen meckern. Das hat nichts mit Ausländer-sein zu tun, sondern mit japanischen Verhaltensregeln. Deeskalation usw.

  8. Gerade diesen Blog entdeckt und ich dachte ich gebe auch mal meinen Senf dazu.

    Ich mag es, wie man hier in Japan schon viel von seinem Unmut durch kleine Gesten zum Ausdruck bringen kann.
    Ein gut gesetzets 舌打ち, Schnalzlaut mit der Zunge, kann das Gegenueber schonmal aus der Bahn werfen.
    Auf der Arbeit, wenn ich mit den Kollegen meist spasseshalber) streite, reicht oft schon das Weglassen der Suffixe und ein simples Anpassen der Tonart.
    Man braucht hier einfach oft gar nicht diese ganzen heftigen Ausdruecke, die es in anderen Sprachen gibt und kann trotzdem wunderbar „herumfluchen“.

    Die meisten „heftigeren“ japanischen Ausdruecke kenne ich persoenlich wirklich nur aus Filmen/Anime und wenn wir Kollegen uns mal gegenseitig uebertrieben anpflaumen, ohne es ernst zu meinen.
    Unter realen Umstaenden habe ich bis auf ein obligatorisches „nanda omae?!“ von betrunkenen Ossans im Zug kaum etwas gehoert.

    • Absolut. Der ganze Humor von Schimpfwörtern funktioniert in Japan auch irgendwie oft nicht so richtig.
      Ich merke, wie ich in Deutschland immer sensibler werde. Wenn Leute um mich herum laut sind oder mit Schimpfwörtern um sich werfen versuche ich so schnell wie möglich zu verschwinden.
      舌打ち mache ich manchmal ohne groß darüber nachzudenken und werde dann von meinem Mann angemeckert – zu extrem. 😉

  9. Hallo. 🙂
    Ich habe mal eine Frage bezüglich einer Überstzung. Unser Junior hat gehört, das man wie folgt auf japanisch fluchen kann:
    Und zwar geht es um die Aussprache: shimatá.

    Jetzt hätte ich gern gewusst, ob dies ein japanisches Wort, oder mehr noch ein japanischer Fluch ist. ^^

    Vielen Dank im Voraus.

    • Shimatta! Ist kein Fluch. 🙂 Verb+shimau (shimatta ist die Vergangenheitsform) bedeutet, dass man a) etwas beendet hat oder b) etwas bereut. Z.B.: 結婚記念日を忘れてしまった! (Kekkonkinenbi wo wasurete-shimatta!) – Ich habe unseren Hochzeitstag vergessen (und bereue es). Shimatta selbst ist etwas wie „Was ich da wieder angestellt habe…“. 🙂

  10. Pingback: Mein YouTube-Debut und wer bin ich überhaupt? | 8900 km. Berlin ⇔ 東京

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s