Einpacken, bitte.

IMG_2157Für englische und deutsche Bücher habe ich zwar mein Kindle, aber da man nicht zwei Accounts mit einem Gerät koppeln kann, kaufe ich japanische Bücher noch immer im Laden. 文庫本 (Bunkobon; Taschenbuchversionen von meist Romanen in einer einheitlichen Größe) kosten viel weniger als die englischen Bücher, die in Japan verkauft werden. Außerdem gibt es fast überall Buchläden, wir haben zwei im Bahnhof.

Wenn man dann sein Buch, aus mysteriösen Gründen oft nach Verlag geordnet, gefunden hat, wird man an der Kasse gefragt: „カバーお付けしますか?“ (Kabâ (cover) o-tsuke shimasu ka?; Soll ich es einschlagen?)

Ich fragte mich letztens, warum ich, wie ein Großteil der japanischen Käufer, eigentlich immer Ja sage. In Deutschland habe ich höchstens Schulbücher eingeschlagen.

Für’s Einschlagen sprechen eigentlich nur drei Dinge. Erstens fühlen sich viele Leute beobachtet, wenn sie in der Öffentlichkeit ein Buch lesen. Wer weiß, was die Leute denken, wenn man mit „Fifty Shades of Grey“ in der Bahn sitzt. Im Internet las ich auch, dass einige Leute einfach finden, dass die Buchauswahl zu persönlich ist um sie mit der ganzen Welt zu teilen.

Zweitens haben japanische Bücher Umschläge. Wir haben also das Buch an sich, mit einem einfarbigen Cover, dann den Umschlag mit dem farbigen Cover und dann oft nochmal ein Bändchen mit Gründen, warum das Buch gekauft werden muss („Schon über 100,000 Mal verkauft!“ oder „Wird demnächst als Fernsehserie adaptiert“ z.B.). Mit diesen Umschlägen zu hantieren ist nervig, die Umschläge vom Buchladen halten alles zusammen, weil sie auf einer Seite quasi fest verankert sind. Das Buch flutscht nicht einfach so raus.

Der dritte und wahrscheinlich größte Grund ist, dass in Japan unglaublich viele Bücher weiterverkauft werden. Gebrauchtbuchhandlungen gibt es überall, die größte Kette ist Book-Off, und man darf sich das nicht wie ein kleines Antiquariat vorstellen – die Teile sind riesig und haben eine große Auswahl. Außerdem verkaufen sie eher keine historisch wertvollen Bücher sondern Manga für 100Yen (ca. 73 Cent). Beim Verkauf ist der Zustand natürlich wichtig. Wenn das Buch noch gut aussieht, bekommt man mehr Geld dafür.

Was meint ihr? Fühlt ihr euch manchmal so beobachtet, dass ihr eure Bücher lieber einschlagen lassen würdet? 😉

13 Gedanken zu „Einpacken, bitte.

  1. Ich find’s irgendwie witzig, dass es so eine Möglichkeit in Japan überhaupt gibt ^^ Ich habe ganz ehrlich noch nie darüber nachgedacht, was Leute sich in der Bahn über meine Lektüre denken könnten. Aber das wird sich ab jetzt ändern, ich werde das mal beobachten 🙂

  2. Das Account-Länder-Problem beim Kindle ist bekannt.
    Was mich aber immer noch wundert, warum es noch Leute gibt die bei Amazon kaufen!?

    Die Technik eines eBooks ist großartig, wird jedoch von den Konzernen (nicht nur Amazon) nicht benutzerfreundlich eingesetzt.

    Wer dafür Geld bezahlt, sich von einem Konzern an die Ketten legen zu lassen, ist selbst Schuld.

  3. Lade Dir doch die Kindle App aufs Smartphone dann kannst Du dort eine anderen Account amelden und dort japanische Bücher lesen. Mir ist es egal ob jemand sehen kann was ich lese, ich steh dazu. 🙂

  4. Also bis jetzt war mir noch keine Lektüre zu peinlich zum Zeigen. (Jedenfalls nicht die, die ich mit in die Bahn nehmen würde…) 😉

    Von der Kette „Book off“ habe ich auch schon gehört, war aber (aus Zeitmangel) noch nie drin! Weißt Du zufällig, ob es dort auch Hobbybücher (Handarbeiten, Patchwork etc.) gibt? Dann wäre das auf jeden Fall etwas für meine „to-shop“-Liste! 🙂

    LG,
    Viola

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