Von Göttern und Wäldern.

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Letztens fuhren wir im Auto mit den Schwiegereltern zurück nach Hause, an einem alten shintoistischen Schrein vorbei. Dieser Schrein ist gegenüber unseres Bürgeramtes, ich habe ihn also schon oft gesehen.

不知森神社 (Shirazumori-Jinja; wörtlich in etwa Schrein des unbekannten Waldes) heißt er, und ist tatsächlich von einem Bambuswald umgeben, weswegen er immer im Schatten liegt. Der Wald, 八幡の薮知らず (Yawata no Yabu-shirazu) darf nicht betreten werden – weil gesagt wird, dass man, wenn man hineingeht, den Weg nicht mehr zurückfindet.

Es gibt verschiedene Geschichten über ihn und darüber, warum er gefährlich ist. Eine besagt, dass sich das Tor des Todes, eines von acht Toren in einer alten Form der Wahrsagerei aus China, im Wald befindet. Eine andere, aus der Edo-Zeit (1603-1868), dass im Wald der Geist einer Weberin spukt. Des Nachts leiht sie sich die Webstühle und Garne aus den umliegenden Webereien und gibt sie am Morgen zurück – von Blut befleckt. Außerdem gibt es im Wald angeblich nicht nur einen Sumpf ohne Boden, sondern es steigen auch giftige Gase aus dem tiefsten Punkt des Waldes hinauf. So sagen zumindest die Legenden.

Was man nie vergessen darf: In Japan leben in allem 神 (kami; Götter). In jedem Wald und auf jedem Stück Land. Wer diese Götter erzürnt wird Opfer von 神隠し (Kamikakushi) – man verschwindet oder verstirbt auf mysteriöse Art und Weise.* Deswegen werden z.B. vorm Hausbau shintoistische Zeremonien durchgeführt, damit kein Unglück geschieht. Übrigens nicht nur auf dem Lande, sondern überall. Japan hat keine Staatsreligion, aber die Menschen haben Respekt vor ihren vielen Göttern. Ich passe mich an.

Vielleicht ist der Kami dieses Waldes einfach kein besonders freundlicher Geselle.

* „Chihiros Reise ins Zauberland“ heißt auf Japanisch „千と千尋の神隠し“ (Sen to Chihiro no Kamikakushi; Sen und Chihiros Kamikakushi). Von wegen Reise.

Man hat versucht den Wald einzudämmen oder gleich ganz dem Erdboden gleich zu machen. Will jemand raten, was passiert ist? Ungeklärte Unfälle mit Todesfolge. Seitdem lässt man den Wald einfach in Ruhe. Den Tempel kann man zwar betreten, aber ich habe noch nie jemanden dort gesehen.

Und eigentlich glaube ich solchen Quatsch ja nicht, bin total rational und belächle jeglichen Aberglauben – aber in den Wald bekommen mich trotzdem keine zehn Pferde.

Ein Gedanke zu „Von Göttern und Wäldern.

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