Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten.

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Hände hoch, wer von euch nimmt sein Smartphone mit auf die Toilette?

Ich persönlich ja nicht, aber es scheint durchaus weit verbreitet zu sein. Was macht also eine Toilettenfirma, die immer neue Innovationen für Toiletten erfinden und an den Mann bringen muss?

Die Toilettenfirma LIXIL hat eine App entwickelt. Eine Toiletten-App. Für iPhone und Android. Weil Japan.

Nun kann man mit modernen japanischen Toiletten sowieso mehr anstellen als mit deutschen: Nach dem Geschäft kann man sich diverse Körperteile mit Wasser säubern lassen, einige Toiletten föhnen dann auch gleich noch, und Musik/Wassergeräusche um die Geräusche des Geschäfts zu übertönen kann man auch oftmals anstellen.

スクリーンショット 0027-02-23 6.40.22Nun gibt es natürlich zu jeder dieser Funktionen, die ich nie nutze, Einstellungen. Wie warm soll das Wasser sein, dass meinen Hintern abspritzt? Wo muss der Strahlkopf positioniert sein, um perfekt zu treffen? Wie breit muss dieser Strahl sein? Wie hoch der Wasserdruck? Fragen, die einen Nachts nicht schlafen lassen.

Und dann, wenn man nach schlaflosen Nächten endlich die perfekte Einstellung gefunden hat, kommt jemand und verstellt es. Damit das nicht mehr passiert, kann man mit der LIXIL App ein Profil für jeden erstellen. Damit jeder das perfekte Toilettenerlebnis hat.

Außerdem berechnet einem die App, wie teuer die Benutzung der Toilette ist. Nicht, dass man im Armenhaus landet, weil man die Toilette zu oft besucht.

スクリーンショット 0027-02-23 6.40.06Mein liebstes Feature ist aber das トイレ日記 (Toire Nikki; Toiletten-Tagebuch) mit seinem うんちカレンダー (Unchi Calendar; Kack-Kalender*). Damit kann man seine Ausscheidungsgeschichte ganz präzise nachverfolgen. Mit niedlichen Illustrationen von Kackhaufen. Warum? Warum nicht!

Wir werden wahrscheinlich keine tolle Toilette mit Bluetooth kaufen. Erstens möchten wir keine 2.000€ für eine Toilette ausgeben und zweitens – ist es wirklich technischer Fortschritt sein Handy mit seiner Toilette zu verbinden?

* Unchi ist Kindersprache, wird aber auch von Erwachsenen verwendet. Für alle, die 便 (ben; Stuhl) zu förmlich finden.

25 Gedanken zu „Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten.

  1. Ich dachte es geht nicht mehr, sie haben es geschafft mich zu verwundern. Das mit dem Kalender ist schon sehr kurios… Ö_Ö
    Wie du schon sagst, weil Japan.
    Demnächst hast du auf der Toilette noch einen Freizeitpark.

  2. Ich hör schon das Datenschutzgeschrei, falls das mal nach Deutschland kommen sollte, hahaha.

    Welche Bedeutung haben die Kackhaufen im Kalender? Markieren sie die Tage, an denen ein großes Geschäft besonders günstig ist? (Sorry, war natürlich erst im Toiletten-Restaurant und seitdem ein bisschen auf das Thema fixiert ;-))

    • Das gleiche Geschrei wie immer. 😉
      Aber „interessanter“ sind dann die Möglichkeiten, wenn jemand sind in das Smartphone hackt und die Einstellungen auf kochend heiß und maximaler Druck stellt. Oder was da sonst noch an spannenden Optionen möglich sind.
      Das findet man dann 100% unter diesen „Fail“ Videos bei YT. Sinnfrei ist es, wenn ein modernes Haus immer mehr mit Technik vollgestopft wird. Die wenigsten wissen, was diese Fernwartungsoptionen jemandem ermöglichen.

      • Ich glaube da wird weniger gehackt (so viel Aufwand, du weißt nicht, wer so eine Toilette hat, …) als dass jemand aus der Familie da einfach was umstellt. Außerdem bezweifle ich, dass man das so kochend heiß einstellen kann, dass jemand Verbrennungen davonträgt.

  3. Mir ist nur immer ein Rätsel, warum komischerweise solcherley Fortschritt nicht in Europa ankommt. Wahrscheinlich ist das ganze Thema zu sehr schambesetzt. Denn ansonsten könnten ja unsere Sanitärunternehmen wieder einen schönen Ersatzkaufrummel ingang setzten.

    • Diesen Fortschritt gibt es in Europa auch!
      Wir haben in Österreich ein Dusch-WC von der Firma Spannring (In Deutschland vertreiben sie das Produkt unter „Montafon“), das war eine relativ preiswerte Variante im Vergleich zu Dusch-WCs von Gerberit. http://www.dusch-wc.com

      Außerdem gibt es noch eine einfache Variante, die Bidetta aus Finnland (vulgo „Poposchlauch“).

      In Finnland befindet sich im WC-Kabinett üblicherweise ein Waschbecken mit 3-Wegehahn. Wenn man mittels Einhand-Mischbatterie das Wasser für das Waschbecken eingestellt hat, führt man die Bidetta zur Kloschüssel und drückt auf die Freigabetaste (wie bei einer Gardena-Blumenspritze). Dann läuft das Wasser statt ins Waschbecken an den Hintern. Sehr einfach und preiswert!

      Man findet diese Eirichtung auch auf öffentlichen Toiletten und in Restaurants (so fern sie nicht amerikanisch geführt sind.)

  4. Ich habe mich schon schwer getan, mich daran zu gewöhnen, dass die Spülung nicht mehr hinten an der Toilette ist, sondern an der Wand und ich dafür auch 小 und 大 unterscheiden muss… Mich daran zu erinnern bei dringenden Geschäften das Handy mitzunehmen… Ich hoffe ich Krieg das hin! Es lebe der Fortschritt!

    • Was ich immer ganz gemein finde ist, wenn man nach der Spülung suchen muss. Inzwischen kenne ich alle Verstecke, aber als ich vor sechs Jahren das erste Mal nach Japan gekommen bin war das ein ernsthaftes Problem. 😉

      • Ja! Denn es ist ja auch nicht so als ob man das groß irgendwo hinschreiben würde, damit jeder es gleich findet, sondern ganz klein, oben auf dem Rahmen, kaum sichtbar, damit man auf jedenfall nach dem Geschäft fragen muss wo die Spülung ist! Und das in Japan… Sehr 恥ずかしい!

  5. Pingback: Wiedermal zehn …. « Schreiben und lesen lassen

  6. Boah Göddin – es gibt ja wirklich für _alles_ ne App. Buchstäblich für jeden Sch… *gg* Wie wärs noch mit ner App, um die eigenen Klogeräusche aufzunehmen & zu dokumentieren? Das fehlt jetzt irgendwie noch… *gacker* Danke für diesen Beitrag! *grins*

  7. Pingback: Kurz eingeschoben: Die wahren japanischen Toiletten. | 8900 km. Berlin ⇔ 東京

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