Projekt Haus: Modellhäuser.

Wie ich letzte Woche schrieb, planen wir, ein Haus zu bauen.

Nun hat mein Mann zwar Architektur studiert, aber tatsächlich arbeiten weder er noch einer seiner Freunde in einem Architekturbüro. Mein Mann arbeitet immerhin noch an Häusern. Einen Architekten mit unserem Haus zu beauftragen und dann eine andere Firma zu finden, die das ausführt, übersteigt um ehrlich zu sein unser Budget.

Unser Budget liegt übrigens bei ca. 40,000,000Yen. Vierzig Millionen! Das sind etwa 300.000€, was natürlich erst einmal nach viel Geld klingt, aber wenn man beim Hausgucken irgendetwas schnell lernt, dann das: Deine Vorstellung davon, wie viel so eine Wand kostet, ist lächerlich. Außer du willst in einem Pappkarton leben.

Wir werden uns von einem Häuslebauer ein 注文住宅 (Chûmon Jûtaku, Bestell-Wohnhaus) basteln lassen. Das hat den Vorteil, dass das Projekt günstiger wird und man sich keine großen Sorgen um Qualität machen muss*.

* Ansonsten habe ich immer noch die Argusaugen meines Mannes, die jeden Fehler sehen. Solche „Berufskrankheiten“ sind manchmal nützlich. 😉

Am Samstag Nachmittag fuhren wir also nach 西新宿 (Nishi-Shinjuku), dort haben nämlich erst vor kurzem viele Firmen ihre Modellhäuser aufgebaut. Zwei standen noch nicht einmal, obwohl ich mir so ein PanaHome (Hausbausparte von Panasonic) echt gern angesehen hätte.

Unser Hauptziel war 大和ハウス (Daiwa House). Nicht nur wohnen wir derzeit in einem Daiwa House und sind durchaus zufrieden, die Website mit ihren Fallbeispielen hat uns auch gut gefallen. Das Modellhaus war wirklich sehr hübsch, auf Nachfrage teilte man uns mit, dass dieses Objekt ungefähr 1,5Mio.€ gekostet hat. Oooookay.

Das Besondere bei Daiwa ist, dass es keine Besonderheiten gibt. Man kann sich alles zusammenbasteln wie man möchte, viel oder wenig Geld ausgeben, und bekommt wahrscheinlich kein Haus, dass einen irgendwie ärgert. Außerdem sind Daiwa-Häuser scheinbar sehr erdbebensicher. Ein weiteres Plus war für mich, dass es in 飯田橋 (Iidabashi) ein Gebäude gibt, in dem man sich alle Optionen einmal in echt ansehen kann, man kauft also nicht blind und außerdem bekommt man einen Architekten an die Seite. Etwas negativ fand ich den Verkäufer, der uns im Ernstfall durch das gesamte Prozedere führen würde. Wir wurden zu Event eingeladen, werden dort auch hingehen, und uns danach einen anderen Verkäufer suchen.

Als nächstes zog es uns zum direkten Konkurenten, 積水ハウス (Sekisui House). Deren Modellhaus sah noch opulenter aus, mit Ausparungen, die fünfmeterhohe Decken zuließen, etc., aber irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, dort lange wohnen zu wollen. Das Problem bei Opulenz und komplizierten Spielereien ist nämlich immer, dass es nach kurzer Zeit nicht mehr aktuell aussieht. Der Verkäufer dort hatte scheinbar auch nicht so richtig Lust auf uns, hat kaum etwas erklärt und generell sind wir mit dem Konsens, unser Haus nicht dort zu kaufen, rausgegangen.

Unser letzter Anlaufpunkt war ヘーベルハウス (Hebel Haus; ja, so heißen die). Vor ihrer Tür hatten sie mit einem „Wohnzimmer, das alle entzückt“ geworben und tatsächlich: das Haus war wunderschön. Sehr hell, mit abgesenkten Fußböden, die den Raum aufteilen und größer wirken lassen, einem total tollen Balkon mit Garten und: unglaublich sicher. Weil sie Porenbeton verwenden, sind die Häuser wirklich brandsicher** und durch Schockabsorber und bewegliche Teile überstehen sie auch ein Erdbeben gut. Außerdem bieten sie bis zu 60 Jahre Garantie an, es fallen also keine Instandhaltungskosten an. Leider würde so ein Hebel Haus unsere finanziellen Mittel komplett überschreiten. Sie bieten nur ein Produkt an, eben diese Häuser mit den Porenbetonwänden, da gibt es finanziell wenig Spielraum. Außerdem hat mein Mann recherchiert, dass Porenbeton, in der Verbauweise, wie Hebel Haus sie verwendet, eine dämmungstechnische Katastrophe ist. Dabei war der Verkäufer so, so nett. 😦 Wir werden aber auf jeden Fall Hebel Haus und Daiwa House einmal durchrechnen.

** Andere Hausbauer werben mit 防火性 (Bôkasei; Brandschutz). Das heißt, dass die Wände lang genug einem Feuer standhalten, bis die Feuerwehr eintrifft, das Haus ist danach hin. Hebel Haus wirbt mit 耐火性 (Taikasei; Feuerfestigkeit), bei dem man lediglich die Verkleidung erneuern muss.

Bei allen drei Häusern gab es übrigens auffällige Gemeinsamkeiten, um nicht zu sagen Trends:  ① Personenaufzüge, was angesichts der alternden japanischen Gesellschaft nicht unklug ist; ② offene Küchen; ③ riesige Fenster, bis zu fünf Meter Fensterfront; ④ fest verbaute Schränke und Regale***; ⑥ Arbeitstische, die eher wie Counter gegen eine Wand wirkten. Schwer zu beschreiben, aber scheinbar haben Studien ergeben, dass es für Kinder besser ist, im Wohnzimmer zu lernen, und deswegen waren in wirklich jedem Haus schmale, lange Tische in die Wand verbaut. ⑦ Durchbrüche (?), so dass man entweder in einem Raum eine höhere Decke hat oder in andere Stockwerke sehen kann.

*** Wenn man bedenkt, dass wir hier in Erdbebenland leben, ist das durchaus schlau.

Die Häuser hier werden nicht für die Ewigkeit gebaut. „Unsere Materialien rosten mindestens 75 Jahre nicht“ ist ein Qualitätsmerkmal, länger braucht man so ein Haus schließlich nicht. Die Bauweise hier ist dank der Erdbeben einfach ganz anders, man findet auch kaum verputzte Wände. Würde im Zweifelsfall eh durch die ständigen Erdbeben rissig werden.

Wir haben jetzt auf jeden Fall einen vollen Zeitplan, denn übernächstes Jahr wird die Merhwertsteuer schon wieder erhöht, diesmal auf 10%. Diese 2% Unterschied machen bei unserem Budget dann doch 800,000Yen (etwa 6.000€) aus, mit dem Geld würden wir lieber verreisen. 🙂 Der Vertrag muss also vorher abgeschlossen werden. Spaß und Freude. 😀

10 Gedanken zu „Projekt Haus: Modellhäuser.

  1. Ich sehe schon, die Prozedur war aehnlich wie bei uns. Mir persoenlich hatte das Hebel Haus (bzw das Wohnzimmer…) am besten gefallen, aber tatsaechlich etwas ueberteuert. Mir wurde damals aber von irgendwo gesagt das sich bei Hebel doch auf Dauer gewisse Instandhaltungskosten ergeben, die einem nur geschickt verschwiegen werden.

    Im Endeffekt war damals nicht mal sicher wie das mit dem Kredit laufen wuerde, daher hatten wir die 注文自宅 Sache ganz abgehakt und rein aus Spass mal in dem schoensten (=gerauemigsten, von der Zimmeranordnung am angenehmsten…) 建売 in der Gegend nachgefragt… und ueberraschenderweise hat es dann doch mit dem Kredit geklappt. (Haett ich das mal vorher gewusst…)

    Im Endeffekt nicht unzufrieden (von der Daemmung mal abgesehen), aber 注文 waere natuerlich nochmal n Stueck geiler gewesen.

    Viel Glueck, das es bei Dir damit klappt.

    P.S. Das mit dem Lernen im Wohnzimmer wurde heute morgen auch im Fernsehen gebracht. Schmale, lange Tische find ich persoenlich fuer’n Eimer…

    • Das Wohnzimmer im Hebel Haus war soooo schön, ich hätte es mir am liebsten in die Tasche gepackt und mitgenommen. Beim Kredit werden wir keine Probleme haben, sowohl mein Mann als auch mein Schwiegervater arbeiten bei riesigen (japanischen) Firmen. 🙂

      Danke!

      • Bei mir war nur doof das ich Auslaender ohne 永住権 bin und da wollten die meisten nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Bis wir dann auf einen sehr faehigen Verkaeufer trafen, der gleich zwei Banken (Sumitomo und Yokohama Ginko) ueberzeugen konnte ueberhaupt mal mit dem Screening anzufangen ^^

        Als ich dann den Kredit bewilligt bekommen habe kam der Vater meiner Frau auch auf den glorreichen Gedanken, das man da auch das Geld haette zusammenlegen und n luxurioeses 2世帯 Haus haette bauen koennen (wohnen jetzt 5min. fussweg entfernt). Immerhin gut, das ihr das schon vorher geklaert habt 😉

      • Habe ich auch schon gehört, dass es ohne 永住権 manchmal nicht so einfach ist. Wir werden das wohl so aufteilen, dass wir das Haus bezahlen und die Schwiegereltern das Grundstück kaufen. 🙂

  2. Wusste gar nicht, dass Hebel-Haus auch in Japan baut. Hoffentlich mit einheimischen Baustoffen. Die haben natürlich den Vorteil, dass sie nicht gegen die Gewohnheit, in Japan (zumindest in Euren Breiten) ohne Dämmung zu bauen, ankämpfen müssen. Denn der Gasbeton (Porenbeton, wie auch immer) hat von sich aus die erforderlichen Dämmwerte. Ganz klar zu empfehlen wäre ein Massivdach, wofür Hebel immer wirbt, weil es einen viel besseren sommerlichen Wärmeschutz hat als andere Bauweisen. Außerdem ist der Gasbeton auch Bauklimatisch ganz gut, weil er ein sehr guter Feuchtigkeitspuffer ist. Also mal hier schauen: http://www.hebel-haus.de/start.html

  3. Bei zu großen Glasfronten kann es ohne guten Sonnenschutz ganz schön heiß werden im Sommer! Unsere Wohnung hatte solche, war immer sehr unangenehm. Jetzt haben wir unser eigenes Haus mit Glasfronten aber mit Rollladen ! : -)

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