Taipei, Tag 2: Do all the things!

Taifun-Karte im Hotel.

Taifun-Karte im Hotel.

Am Morgen des zweiten Tages in Taipei, weckte mein Mann mich vor sechs Uhr. Seine Begründung? In Japan sei es schließlich schon eine Stunde später.

Nach diversen Flüchen und der Drohung, dass ihn nächstes Mal meine gesammelte Frustration treffen würde, musste aber auch er eingestehen, dass es wenig bringt in Taipei zu früh aufzuwachen.

Die meisten Läden machen erst um 11 auf, wir suchten also nach Dingen, die man davor unternehmen könnte und liefen zum 龍山寺 (Long Shan Si, Drachenbergtempel! 😀 Ich mag es ja, Sachen wörtlich zu übersetzen*).

* Deswegen ist meine Lieblingsstation in Tokyo auch 御茶ノ水 (Ocha-no-Mizu) – Teewasser. 😀 Dahinter gibt es natürlich eine Geschichte.

IMGP1500Auf unserem Weg stießen wir überraschenderweise aber auf viele Frühaufsteher, die entweder auswärts frühstückten, Obst verkauften oder einfach in der verhältnismäßig angenehm nicht lebensbedrohlich heißen Sonne entspannten.

Generell wirkte es wirklich nicht, als würde am nächsten Tag ein Taifun auf die Stadt treffen, obwohl der Süden des Landes schon unter Überschwemmungen litt.

IMGP1514Im Tempel, der derzeit durch Bauarbeiten leider etwas verschandelt ist, hörte man dann auch gleich die Gebete**, von Besuchern intoniert. Diesmal habe ich ein sehr kurzes Video gemacht, das ihr euch hier ansehen könnt.

Da ich leider kein Wort Chinesisch verstehe, weiß ich natürlich nicht, worum es ging, aber schön war’s. 🙂 Japanische Tempel sind meist sehr still, was natürlich auch nett ist, aber die taiwanesischen bieten einen guten Kontrast.

** Genau wie schon vor zwei Jahren weiß ich noch immer nicht, ob es nun Gebete sind oder nicht.

Von dort aus fuhren wir mit der Bahn zum Hauptbahnhof, aßen Frühstück und waren von der schieren Anzahl japanischer Läden überwältigt. Nicht nur, dass es an jeder Ecke den Conbini Family Mart gibt, man findet auch den Gyûdon-Laden Yoshinoya, Mister Donut, den Brotladen Yamazaki, MOS Burger, CoCo Ichiban, die Billigkette Saizeriya und alles, was man sich wünschen könnte.

IMGP1550Unser nächster Stopp war das 國父史蹟館 (Dr. Sun Yat-Sen Memorial House) mit dem angrenzenden Garten. Das Haus ist das 梅屋敷 (Ume-Yashiki; Pflaumenhaus), ein japanisches Hotel, welches Sun Yat-Sen, Gründer der chinesischen Volkspartei und Landesvater der Republik China, gern besuchte.

Im Inneren kann man sich Fotos und Dokumente ansehen, und es gibt sogar eine Klimaanlage.

Die Klimaanlagen in Taiwan sind eh ein Kapitel für sich, während man sich in der Hitze eigentlich immer sehnlich eine herbeiwünscht, sind sie dermaßen niedrig eingestellt, dass man zittert.

IMGP1570So auch in der Bahn nach 公館 (Gongguan), um Tee zu trinken.

Das taten wir in einem älteren und etwas schäbigen Laden, was aber keine Auswirkung auf den Geschmack hatte. 🙂 Wir hatten noch nie vorher gesehen, wie chinesischer Tee richtig zubereitet wird. Das heiße Wasser wird durch die Gegend geschwurbelt und über die Teekanne gegossen, bevor der Tee eingegossen wird – aber nicht in die Gefäße, aus denen man trinkt. Dorthin wird er erst später umgegossen. Dank des Tees bekamen wir etwas Energie zurück, die uns durch die Hitze abhanden gekommen war.

IMGP1618Auf dem Weg zum Teeladen hatten wir das Gelände der 國立臺灣大學 (Nationaluniversität Taiwan) gesehen und mussten es uns einfach noch einmal anschauen.

Von den japanischen Besatzern 1928 gegründet, ist sie heute eine Elite-Universität, ähnlich der 東京大学 (Tôkyô Daigaku; Universität Tokyo) für Japan.

IMGP1615Der Campus ist dermaßen weitläufig und schön, dass ich sofort dort studieren würde. Vielleicht lerne ich ja doch noch Chinesisch 😉

Riesige Palmen auf dem Campus! Schöne alte Gebäude! Breite Gehwege!

Kein Wunder, dass am Samstag haufenweise Besucher dort waren. 🙂 Es ist einfach ein schöner Ort zum Entspannen.

Für ein spätes Mittagessen fuhren wir nach 中山 (Zhongshan), um im 新光三越 (Shinkong Mitsukoshi) taiwanesisch zu essen. Das war leider so lecker, dass ich es komplett verplant habe, Fotos zu schießen. :/ Dummerweise war es auch ziemlich teuer, aber im Mitsukoshi hatte ich kaum etwas anderes erwartet.

IMGP1651Nach einer Pause im Hotel machten wir uns auf, um in 東門 (Dongmen) zu Abend zu essen. Muss ich erwähnen, dass ich eigentlich gar keinen Hunger hatte? Mein Mann kann aber unendlich viel essen. Nach einer kleinen Suche fanden wir den Daoxiaomian (刀削麺; jap. Tôshômen)-Laden von unserem letzten Besuch, bestellten zwei kleine Portionen und von meiner musste mein Mann das meiste essen.

Die Gegend um den Bahnhof Dongmen ist seit unserem letzten Urlaub in Taiwan ziemlich aufgeblüht, wahrscheinlich auch bedingt durch die bessere Verkehrsanbindung.

Jetzt sind dort sehr viel mehr Touristen unterwegs und die Läden sind hübscher geworden.

IMGP1654Wir aßen unser Mango-Eis in einem anderen Laden, aber im selben Ort, als beim letzten Mal.

Während ich nach drei Happen Nudeln nicht mehr essen konnte, war in meinem 別腹 (Betsubara; dem Extramagen für Süßkrams) noch viel Platz. Taiwanesisches geschabtes Eis schmeckt einfach viel besser als japanisches. Wie mein Mann sagte: Man fühlt sich nicht, als müsste man das Eis erst mit Sauce schmackhaft machen, es schmeckt auch allein.

Auf Taipeis Straßen war vor allem Abends unglaublich viel los, vielleicht weil man sich tagsüber vor der Hitze zuhause verstecken musste. Spät abends tummelten sich noch Kinder auf den Spielplätzen. 🙂

IMGP1658Um den Abend ausklingen zu lassen fuhren wir zum 行天宮 (Xingtian Gong; Xingtian Tempel), der Guan Yu, dem Schutzpatron der Händler gewidmet ist.

Mein Mann hätte danach noch lustig weiter durch die Gegend rennen können, ich war aber erschöpft und wollte zurück ins Hotel. Dort stellten wir fest, dass der Taifun, wegen dem wir den ganzen Tag herumgerannt waren, sich viel langsamer voran bewegte als vorhergesagt war. Es würde erst am Samstag Nachmittag anfangen zu regnen…

15 Gedanken zu „Taipei, Tag 2: Do all the things!

  1. Schöne Eindrücke!

    Betsubara, was für ein sinnvolles Wort! Muss ich gleich mal nachforschen, ob man das im Chinesischen auch so benutzt …

    Die meisten japanischen Läden, die du genannt hast, gibt es auch in Shanghai. Family Mart zum Beispiel. Ich dachte früher immer, das sei eine taiwanesische Kette, weil der in den taiwanesischen Serien so oft vorkommt 😉

    Und Saizeriya? Das geeeht ja noch, wenn man einmal im Jahr Heißhunger auf Pizza hat, aber insgesamt finde ich die Angebote schon sehr dürftig.

      • Schade, Betsubara ist ein rein japanisches Wort, der Sinn wird in China nicht verstanden 😦 (Ich werd’s mir trotzdem merken)

      • Toller Bericht! 🙂 Wie sieht’s eigentlich mit der Kommunikation in Taiwan aus? Mein Eindruck war immer, dass viele Taiwaner sehr an Japan interessiert sind und auch häufig Japanisch lernen. Habt ihr beide euch vor allem auf Englisch verständigt oder ist Japanisch tatsächlich so weit verbreitet, dass man damit als Tourist ohne gröbere Probleme durchkommt?

        PS (@Shaoshi): den Ausdruck 「別腹」 gibt’s auf Chinesisch auch, probier es mal mit 「(甜點是)另一個胃」

      • Dieses Mal haben wir uns hauptsächlich auf Englisch verständigt, aber ich denke man würde auch mit nur Japanisch sehr weit kommen. Die Menüs sind z.B. oft auf Chinesisch, Englisch und Japanisch geschrieben.
        Wir werden einfach nicht oft auf Japanisch angesprochen, weil mein Mann nicht eindeutig Japanisch aussieht (in Korea wird er auf koreanisch angesprochen, in Taiwan auf taiwanesisch) und ich einfach „generischer Westler“ bin, auch wenn wir untereinander Japanisch reden. Als ich mit meiner Schwiegermutter in Korea war, haben uns alle auf Japanisch angesprochen, ich denke in Taiwan wäre das ähnlich. Sie hat eine Japaner-Aura, die alle im Umkreis von 200m direkt über ihre Nationalität in Kenntnis setzt. 😉

  2. Die 刀削麺 sehen gut aus. Bin ein großer Fan davon. In Yūrakuchō gibt es einen Xi’an-Chinesisches Restaurant, die können das auch gut.

    Ich hoffe, Ihr schafft es irgendwann auch mal weiter Richtung Süden – Taroko & Lishan sind zum Beispiel absolut empfehlenswert!

  3. Pingback: Der obligatorische Jahresrückblick. Teil 2. | 8900 km. Berlin ⇔ 東京

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