Die liebe Zukunft.

Es gibt so ein paar Dinge, die mich nicht ruhig schlafen lassen. Ungewissheit gehört dazu.

Ich arbeite seit drei Jahren für eine Firma, die ich nicht mag. Angefangen bei komplett unterschiedlichen Arbeitsbedingungen für Muttersprachler und Nichtmuttersprachler*, über den absoluten Unwillen Geld zu investieren, die Unfähigkeit neue Mitarbeiter zu schulen und dann bei der Abwesenheit von Richtlinien noch immer nicht endend… Es macht keinen Spaß für diese Firma zu arbeiten.

* Muttersprachler arbeiten 8 Stunden pro Tag für ab 240,000Yen; Nichtmuttersprachler arbeiten 9 Stunden pro Tag plus einen Samstag im Monat für ab 210,000Yen und müssen für Feiertage Urlaubstage opfern. Und deswegen arbeite ich nicht Vollzeit.

Außerdem ist es nicht unbedingt meine Berufung Kindern Englisch beizubringen. Ich bin nicht gelernte Kindergärtnerin, ich habe nichts in der Richtung studiert, und langsam kristalisiert sich immer weiter heraus, dass ich etwas Anderes machen sollte. Dringend.

Der Zeitpunkt passt auch: Ich habe mein 永住権 (Eijûken; Ewiges Wohnrecht) in der Tasche, ich werde für immer hier bleiben, ich sollte also möglichst schon gestern angefangen haben nach einer Arbeit zu suchen, die ich wirklich langfristig machen möchte. Hier komme ich jetzt nicht mehr weg.

Das wäre natürlich schön und gut, wüsste ich, was das ist. Und würde es mir vor lauter unnötiger Sorge und Versagensanst nicht die Kehle zuschnüren, sobald ich im Internet nach Stellenangeboten suche. Auch wäre es hilfreich, würde ich mich nicht immer auf den Teil der Stellenausschreibung konzentrieren, auf den ich nicht zu 100 Prozent passe. Es ist für mich wirklich eine Tortur, zumal ich natürlich ganz genau weiß, wie irrational ich bin.

Mein Mann hat sich bereit erklärt mir zu helfen. Wo ich ein großes „Für diesen Job sind Sie leider nicht qualifiziert“-Schild sehe, findet er eine Möglichkeit meine bisherige Arbeitserfahrung so zu formulieren, dass es passt.

Dieses Thema beschäftigt mich derzeit auf jeden Fall ziemlich. Vielleicht schreibe ich auch über den ganzen Bewerbungszirkus. Mal schauen. 🙂

21 Gedanken zu „Die liebe Zukunft.

  1. ich schau ja manchmal neidisch auf die, mit nem festen Job und regelmäßigen Einkommen. Ich mag meinen Job sehr, aber die Kohle ist unregelmäßig und wenig. Jetzt wieder warte ich auf das Honorar von drei Redaktionen – seit Juli.
    Aber hat wohl jeder mit seinem Job zu kämpfen. Entweder es stimmt das Geld, oder es dient zur Selbsterfüllung. Beides zusammen ist dann irgendwie doch selten.

    • Ich glaube, jemanden der wirklich 100% zufrieden mit seinem Job ist, findet man eher schwer. Jeder Job hat Schattenseiten, ob nun bei der Zahlung, den Arbeitsbedingungen oder der generellen Aufgabe, aber ich hoffe mich dem Ideal etwas anzunähern. 🙂

  2. Ich denke, sich nach einer Arbeit umzusehen, die einem auch längerfristig Freude machen soll (oder zumindest nicht tödlich langweilen) ist eine echte Mammutaufgabe!
    Erst einmal muss man für sich ja herausfinden, was einem denn so liegen könnte, oder was man gerne tun würde. Das alleine herauszufinden fällt den Meisten echt schwer!
    Empfehlen könnte ich Dir dazu die Autorin Barbara Sher. Diese hat eine Reihe von Büchern geschrieben zum Thema „Wie finde ich heraus was ich eigentlich möchte“ (z.B. „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste was ich will“). Gerade wenn man viel am Grübeln ist und sich nicht sicher ist ob das angestrebte Ziel auch das Richtige ist (oder das Richtige erst gefunden werden will) ist das Buch sehr hilfreich! 🙂

    Das Dir der ganze Bewerbungsrummel zusätzlich Kopfschmerzen bereitet kann ich sehr gut nachvollziehen! Es ist sehr sehr lieb von Deinem Mann, das er Dir da beim „Eigenmarketing“ so tatkräftig hilft! 🙂

    LG,
    Viola

    • Ich habe sogar ein Buch, „Finding your Element“, habe mich aber leider noch nicht groß damit beschäftigt.
      Es gibt Dinge, die mich interessieren würden, aber das sind dann immer sehr begrenzte Stellen oder mit meinen derzeitigen Qualifikationen nicht erreichbar. :/

      • Und die fehlenden Qualifikationen erwerben? Die Stellen für ungelernte Arbeiter sind meistens nicht das allertollste. Vielleicht interessierst du dich ja für einen Studiengang…

      • In Japan zu studieren wäre finanziell eine Mammutaufgabe. Es ist aber einiges in Richtung Qualifikationen geplant, steht nur noch nicht ganz fest. 🙂

  3. Nicht aufgeben! 😀
    Und wirklich toll, dass dir dein Mann da auch so zur Seite steht und dir hilft! Das ist so viel wert! ❤
    Ich drück dir alle Daumen, dass es bald was wird mit einem neuen Job, der zu dir passt und den du auch wirklich machen willst ^^

    • Vielen Dank! 🙂
      Mein Mann hält das, was ich derzeit mache, schon seit längerem für verschwendetes Potential auf meiner Seite, von daher freut es ihn, dass ich einen neuen Job suche. 🙂

      • Nicht mehr sehr lange. Du liest ja auf LJ nicht mehr mit, oder? 😦
        Ende September raus aus meiner Wohnung und Ende Oktober raus aus Japan. :/

      • Ich habe mein LJ vor einiger Zeit gelöscht, weil ich es eh nicht mehr gelesen habe und nicht fünf Jahre Tagebucheinträge einfach irgendwo herumliegen lassen wollte.
        Was machst du ohne Wohnung? Noch mal reisen?

      • Schade. Ich versuche nach wie vor die Sachen zu lesen von Leuten, die mich interessieren, egal auf welcher Plattform sie schreiben oder ob ich dort einen Account habe oder nicht. Natürlich geht das nur wenn das „öffentliche“ Beiträge sind und wie du ja sicher gemerkt hast, sind meine LJ Einträge kaum noch öffentlich. 😦
        Falls du irgendwann einen Account hast, nur um LJs zu lese, lass es mich wissen und ich adde dich wieder. 🙂

        Ja, so war das geplant. Ich wollte noch ca. 1 Monat lang durch Japan reisen. 🙂

      • Was wie raus aus Japan, wer macht dann kuhke Bilder von Burgen, Parks etc? T.T Denkt denn hier keiner an mich!?

      • Es sind ja kaum noch Burgen übrig!!! 😦 *g*
        Naja, das ist jetzt erstmal eine „Auszeit“ von Japan. Das heißt noch nicht, dass ich für immer Japan verlassen werden. Das entscheidet sich erst noch. 😉

      • Ich bin leider sehr neugierig. Wohin verschlägt es dich jetzt? In die Heimat und hier Burgen gucken? :>

      • Geplant ist noch nichts. Es geht erstmal zurück nach Deutschland, aber vermutlich nicht für lange. Mal sehen. 😉

  4. * Muttersprachler arbeiten 8 Stunden pro Tag für ab 240,000Yen; Nichtmuttersprachler arbeiten 9 Stunden pro Tag plus einen Samstag im Monat für ab 210,000Yen und müssen für Feiertage Urlaubstage opfern. Und deswegen arbeite ich nicht Vollzeit.

    Wow, das sind ja mal beschissene Arbeitsbedingungen. In meiner alten Firma hat mich am meisten angekotzt, dass von mir Ueberstunden erwartet, sie aber nicht bezahlt wurden. In meiner neuen Firma werden Ueberstunden angemessen bezahlt 🙂

    Aber ich muss schon sagen … Vollzeit fuer 210.000 Yen mit Uni-Abschluss als Auslaender in Japan? Das ist schon unterste Kante. Aber ich habe auch nie Vollzeit im EFL-Bereich gearbeitet.

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