Die tokyoter Tierwelt.

Während es in Tokyo natürlich Zoos gibt, in denen man sich unter anderem Pandas anschauen kann, kreucht und fleucht so einiges an exotischem Getier auch außerhalb von Käfigen durch die Hauptstadt.

Marderhunde (Tanuki), Waschbären, Larvenroller (Hakubishin), Eisvögel (Kawasemi), Japanische Haus-Fledermäuse, Japanmakaken (Nihonzaru), Marder, Japanische Riesengleithörnchen (Musasabi), Japanische Seraue (Nihonkamoshika), Kragenbären und Wildschweine kann man im Großraum Tokyo antreffen.

via Animaltown

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Kragenbären heißen übrigens auf Japanisch ツキノワグマ (Tsuki-no-Wa-Guma) , Mondkreis-Bären.

Es gibt in Tokyo die 23区 (23-ku; 23 Bezirke), die an sich sind, was oft als Tokyo bezeichnet wird. 新宿区 (Shinjuku-ku; Bezirk Shinjuku), 渋谷区 (Shibuya-ku; Bezirk Shibuya) und so weiter. Innerhalb der Präfekturgrenzen befinden sich aber im Westen auch einige Städte, dort ist es etwas ländlicher. Ihr werdet nicht vor’m 109 auf einen Kragenbären stoßen – außer ihr spielt Tokyo Jungle.

Tatsächlich habe ich bisher in Tokyo hauptsächlich die Bekanntschaft mit Straßenkatzen und Raben gemacht. Vor allem mit Raben*. Als ich noch jeden Donnerstag zur Frühschicht zur Arbeit musste, hatte ich jedes Mal die große Freude an aufgerissenen Müllbeuteln vorbei zum Arbeitsplatz zu gehen – Donnerstag war in der Gegend 燃えるゴミ (moeru gomi; brennbarer Müll, also auch Essensreste)-Tag. Zwar werden die Müllsäcke oft mit einem Netz „gesichert“, aber die Raben kommen trotzdem irgendwie ran, hacken die Plastiksäcke auf und suchen nach Essbarem. Für unseren Müll haben wir zum Glück eine Metallbox vorm Haus.

* Wusstet ihr, dass der Unterschied zwischen Krähen und Raben lediglich in der Größe besteht? In Tokyo sind die Viecher riesig.

Aber warum gibt es eigentlich so überdurchschnittlich viele Raben?

Erstens natürlich wegen dem ganzen Müll. Wo Müll ist, finden Raben sehr leicht Futter. Abgesehen vom Müll gibt es in Tokyo genug, vor allem ältere, Leute, die Tauben oder streunende Katzen füttern – davon profitieren auch die Raben. Außerdem schlafen sie in Gruppen, wodurch sie weniger Opfer anderer Tiere werden. Ihre Lebensdauer ist auch recht lang, zehn bis 20 Jahre lebt so ein schwarzer Horror und ab drei Jahren sind sie fortpflanzungsfähig. 17 lange Jahre um viele kleine Raben zu produzieren, die dann wiederum…

Seit 2001 versucht man die Rabenpopulation in den Griff zu bekommen, indem man wilde Tiere einfängt und ihre Lebensmittelversorgung abschneidet. Das Problem ist, dass sich an den schlecht gesicherten Müllsäcken und den alten Damen und Herren, die Futter für andere Tiere auslegen, nichts geändert hat.

諸岡熊野神社 (Moro-Oka Kumano-Jinja) via

諸岡熊野神社 (Moro-Oka Kumano-Jinja) via

So werden wir wahrscheinlich weiterhin jeden Morgen dem sanften Rabengesang vor unserem Fenster lauschen dürfen. Immerhin ist es kein Problem der Neuzeit, es gibt folgendes 都々逸 (Dodoitsu; eine Gedichtform aus der späten Edo-Zeit (1804-1852), ähnlich wie ein Haiku nur mit 7-7-7-5 Silben statt 5-7-5 und oft mehr Humor):

三千世界の 鴉を殺し 主と朝寝が してみたい (Youtube)
sanzensekai no / karasu wo koroshi / nushi to asane ga / shite-mitai
„Ich möchte alle Raben töten und morgens neben dir schlafen (statt aufgeweckt zu werden)“

KRAH! KRAH! KRAH!

14 Gedanken zu „Die tokyoter Tierwelt.

  1. Als ich vor Jahren das erste Mal im Yoyogi Park war, haben mir diese Monsterviecher solche Angst eingeflößt. Und sie waren einfach nur laut und gruselig, weil sie so riesig sind (x_x)“
    Wir haben hier leider auch einige in unserer Wohngegend und die aufgerissenen Müllbeutel gibt es auch öfters zu sehen…

    • Wo ich wohne hat zum Glück jeder entweder ein Netz oder ein Metalldings, deswegen sehe ich eher selten verstreuten Müll auf der Straße. Ich finde Raben auch gruselig, weil die so verdammt schlau sind (mein Mann behauptet sie wären so schlau wie ein dreijähriges Kind?!).

  2. Woah, Krähen und Raben unterscheiden sich echt nur in der Größe! Ich wollte dir nicht glauben und habs nachgeschlagen. Wer hätte das gedacht! Ich meinte immer, das wäre völlig verschiedene Vögel! Ich hab in einem Vogelpark auch mal einen Raben gesehen, der war riesig und konnte einzelne Worte sprechen. Dafür scheint mir ne Krähe doch zu dumm zu sein. 😀
    Aber wenn die so im Schwarm auftreten und krah-krah machen, wird einem doch schon ganz anders zumute…
    Und du hast noch keinen Tanuki gesehen? Das wär doch mal was. 🙂

    • Dachte ich auch immer und als ich dann für den Eintrag nachgeschaut habe: TADAH! Raben sind auch unglaublich schlau, wenn sie Nüsse nicht knacken können, werfen sie die auf die Straße und warten darauf, dass ein Auto drüberfährt.

  3. warum mögen alle keine raben, gut ich kann verstehen wenn sie unordungmachen das sie nicht so bliebt sind, aber angst vor ihnen zu haben nur weil sie groß sind finde ich schade. wenn ich könnte wie ich wölllte hätte ich schon längste einen raben als haustier. (in meinem heimatort sind die raben das wappentier und werden von uns gagen genannt und die meisten stehen ihnen positiv gegen über. der schwarm der hier lebt wird sogar gefüttert das er nicht weg zieht)

  4. Ich LIEBE japanische Raben! Sie sind so schön groß und pechschwarz *.* Ich habe Malefiz ja immer sehr um ihr Haustier beneidet XD ABER ich hab auch noch keine nervigen Erlebnisse mit ihnen. Von aufgerissenen Müllbeuteln usw. lese ich viel, aber wir haben bei uns auch einen dieser Metallcontainer, da kommen sie nicht ran 😉

    • Na dann. 😀 Ich gehe halt immer etwas auf Abstand, weil ich gehört habe, dass Raben teils Menschen angreifen (wenn auch nur um ihr Nest zu beschützen, aber man weiß ja nie).

      • Einge der stark zerrupften Katzen in Tōkyō sollen ja auch auf das Konto von Raben gehen, Respekt darf und sollte man vor ihnen also schon haben ^^;

  5. Ich fand die Raben in Japan immer unheimlich. Ein Freund hatte mir erzählt, dass er gesehen hat wie 2 Raben andere kleinere Tiere angegriffen haben, weil diese an den Müllcontainern waren.
    Vor allem kannte ich vor Japan ja nur die deutschen Krähen… und diese großen Schnäbel der Raben… Folglich habe ich immer einen großen Bogen um sie gemacht. Sie sind mir einfach unheimlich, vielleicht auch eben weil sie so schlau sind. 😉

  6. Als ich das erste Mal in Japan war, waren die Raben so präsent, das es fast schwierig war andere Vögel wahrzunehmen!
    Aber irgendwie gehört das „KrahKrah“ der Raben jetzt für mich zu Japan wie das „PiiuPiiu“ der Ampeln! :-))

    LG,
    Viola

  7. Das schreit nach einem Insekten- und anderes Gewürm-Special. In meinem Garten tümmeln sich zum Beispiel mukade (Hundertfüßer). Ein Nachbar wurde neulich von einer solchen in die Hand gebissen. Folge: Riesenpranke, Notaufnahme, Hand aufschneiden und mit zahlreichen Stichen wieder zunähen. Respekt.

    • Wuahh!
      Und da dachte ich, diese riesigen Wespen (?Waren es überhaupt welche? Sahen danach aus…) waren schon gruselig! O_O
      Das Viech anzufassen kommt definitiv auf meine Liste von Dingen, die ich NICHT im nächsten Urlaub testen möchte…

      LG,
      Viola

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