Ding Dong, the Witch is Dead.

Im Blog habt ihr es entweder gemerkt oder auch nicht so, aber ich bin im Moment ziemlich angespannt. Der Grund der Anspannung hat natürlich einen Namen, hier nenne ich ihn einfach Jeremy.

Jeremy ist Kanadier, lebt seit vier Jahren in Japan und war der Lehrer für die 4-bis-6-Jährigen* und durch eine unglückliche Folge von Geschehnissen auch Manager des Kindergartens in dem ich arbeite. „War“, weil er gefeuert wurde. Dazu muss man vielleicht wissen, dass meine Firma niemanden feuert. Ich arbeite seit vier Jahren dort und habe einige Lehrer gesehen, die wirklich mit Null Lust bei der Sache waren und nur Ärger verursacht haben, aber es wurde nie jemand gefeuert.

* Wir haben in der neuen Schule so wenige Kinder, dass diese eigentlich zwei Altersgruppen zusammen unterrichtet werden.

Letztendlich hat mich an Jeremy eigentlich alles aufgeregt, aber es fing damit an, dass er Manager wurde. Jeremy spricht kein Wort Japanisch, was sehr unpraktisch ist, wenn man japanische Mitarbeitern managen und außerdem auf die Probleme japanischer Eltern eingehen soll. Jeremy hat eine dermaßen herablassende und unfreundliche Art, dass er sehr schnell jeden vergraulte, der ihm hätte helfen können. Da fühlte er sich dann plötzlich betrogen, von der großen bösen Firma, die ihn quasi gezwungen hatte Manager zu werden, und von den bösen Mitarbeitern, die einfach nicht mithelfen wollten.

Als Manager komplett unbrauchbar hatte er aber ein riesiges Selbstbewusstsein, wenn es um den Englischunterricht ging. Da könne ihm keiner was, er wäre so toll, blablabla – die Kinder sprechen im Vergleich zu anderen Kindergärten derselben Kette weniger Englisch, halten sich nicht an Regeln und sind generell anstrengend. Sein großes ungerechtfertigtes Selbstbewusstsein ließ er natürlich bei jeder Gelegenheit raushängen, er sei schließlich ein total toller Hengst und wenn er nicht die Schule gerettet hätte…

Er fühlte sich also nicht genug gewertschätzt, was sich irgendwann darin ausdrückte, dass er einfach nicht zur Arbeit kam. Anfangs gab es noch eine halbherzige E-Mail, zum Schluss hin gar nichts mehr. Das fing letzten Monat an wirklich schlimm zu werden, als er zur Golden Week einfach zwei Tage nicht zur Arbeit kam um dann am dritten Tag ohne Erklärung oder Entschuldigung auftauchte. Wisst ihr was passiert, wenn ein Lehrer nicht kommt? Alle anderen müssen für ihn einspringen. Während Jeremy also zuhause faulenzt habe ich plötzlich zwei Klassen an der Backe und muss im Schulbus** mitfahren. Oftmals wurde ich auch Morgens angerufen, ob ich nicht früher zur Arbeit kommen könnte, weil ich am nächsten dran wohne. Wenn dann nicht einmal eine Entschuldigung oder irgendetwas kommt, ist das schon hart.

** Schulbusse für Kindergärten sind hier recht normal.

Im Mai hatte ich im Durchschnitt einmal die Woche das Vergnügen seine Kinder zu unterrichten, abgesehen davon, dass die lieber bei mir Unterricht hatten als bei ihm, war es einfach nur doof. Ich habe einen eigenen Lehrplan und Dinge die ich erledigen muss, es hat mir regelmäßig den Tag torpediert. Einen Freitag im Juni kam er dann mal wieder komplett ohne Anruf nicht zur Arbeit und als ich am nächsten Montag fragte, was da denn losgewesen sei kam nur „I had a bad day.“ – Schechte Tage habe ich auch, aber ohne anzurufen einfach freizunehmen geht gar nicht. Sagte ich ihm so, aber am Freitag ist Sportunterricht, deswegen „honestly, I don’t think it’s a big deal“. Am Freitag war er schon von der Firma gewarnt worden, dass er bei der nächsten Abwesenheit oder Verspätung gefeuert werden würde, und das geschah dann auch, zum Monatsende hin.

Nun kam er aber einige Male einfach nicht, weil er anscheinend unfähig ist Bewerbungsgespräche auf eine Uhrzeit nach der Arbeit zu legen. Diese Woche war er am Montag und Dienstag auf Arbeit, am Mittwoch dann nach einem Bewerbungsgespräch für drei Stunden, doch weder gestern noch heute schaffte er es in den Kindergarten. Gestern Nachmittag kam eine E-Mail, er habe hohes Fieber und hätte versucht um halb acht anzurufen, aber niemand sei rangegangen. Erstens können wir jeden eingegangenen Anruf im Nachhinein nachvollziehen und dort war kein verpasster Anruf verzeichnet und zweitens war ich an dem Tag ab sieben Uhr 20 auf Arbeit. Das Telefon hat an dem Morgen nicht ein einziges Mal geklingelt. Abgesehen davon sollte man vielleicht einfach noch einmal später anrufen, wenn’s das erste Mal nicht klappt.

So bekam er heute laut der Firma eine E-Mail, dass er bitte nicht mehr kommen solle. Wir haben einen neuen Lehrer, soweit scheint der wirklich gut zu sein, und eigentlich wollen alle nur mit dem Kapitel Jeremy abschließen. Ein bisschen Bammel habe ich, dass er am Montag vorbeischaut und so tut als wäre nichts gewesen, aber ich freue mich auch schon auf die Zeit ohne ihn. Sämtliche Änderungen hat er nämlich von vornherein torpediert nur um dann einfach selbst ohne Rücksprache Dinge zu ändern. Das wird jetzt anders werden und vielleicht können wir uns dann endlich mal zurücklehnen und einfach nur unterrichten…

25 Gedanken zu „Ding Dong, the Witch is Dead.

  1. Hallo Claudia, habe heute deine Seite entdeckt und ich muss sagen ich finde sie SUPERRR!!! 🙂
    Am 8. September fliege ich für 2 Wochen nach Tokyo, kann man dich als City Guide buchen? 😉

  2. *Uff*! Das hört sich ja nach einer Menge „Spaß“ an, die ihr da hattet!
    Hoffentlich ist das Kapitel jetzt abgeschlossen und ihr habt nicht noch Ärger mit dem Knilch! :-/

    LG (und „Daumendrück“),
    Viola

    • Ich glaub’s ja erst wirklich wenn der Monat vorbei ist, aber am Montag haben wir schon mal ein Meeting um zu planen, was sich jetzt alles verändern wird. 😀

  3. Das tut mir echt leid.
    Aber wie du vielleicht weißt (oder auch nicht) ist mir das schon sehr oft passiert. In fast 7 Jahren ist da viel zusammengekommen.
    Wir hatten leider auch sehr viele Lehrer wie euren Jeremy, einer verrückter als der andere.
    Nicht zur Arbeit zu kommen, wieder autauchen ohne Erklärung. Mal lustig den Fuji barfuß besteigen, danach im Krankenhaus liegen, ständig vor dem PC private Mails checken anstatt den Unterricht vorbereiten und es dann die Kollegen ausbaden lassen USW.

    Wenigstens seid ihr „das Problem“ jetzt endlich los! 😀

    • Wie die das mit ihrem Gewissen vereinbaren können ist mir absolut schleierhaft. Wenn ich krank bin rufe ich doch direkt auf Arbeit an, damit die sich nicht ewig fragen müssen wo ich bleibe und eventuell noch Ersatz besorgen können.
      E-Mails kann man doch auch vom Handy aus anschauen, das verstehe ich gar nicht warum man dafür den Arbeits-PC belegen muss…

      • Damals waren Smartphones noch nicht sehr verbreitet, aber man sollte ja generell während der Arbeitszeit ARBEITEN und sich nicht mit privaten Dingen beschäftigen. Das kann man nach Feierabend machen.

        Verstehe ich auch nicht. Manchmal frage ich mich, ob die in Übersee (v.a. Amerika und Australien) einfach so erzogen werden …..

  4. Wow, das klingt ja furchbar! Und erinnert mich sehr an eine gewisse Person aus meinem Praktikum *kotz* Mit solchen Windbeuteln zusammenzuarbeiten ist echt eine Zumutung, gut, dass du ihn (bald) los bist!

    • Das sind dann auch echt die Leute, die alles auf andere schieben. Wir hatten früher nur zwei Schlüssel für den Kindergarten, also mussten sie immer herumgereicht werden. Als er seinen Schlüssel einmal nicht weitergab, deswegen abends nicht abgeschlossen werden konnte und er telefonisch nicht zu erreichen war, machte er riesiges Theater, dass das ja wohl nicht seine Schuld sei, wenn nicht genug Schlüssel im Umlauf seien…

  5. Arrogante Menschen haben in der Regel nur ein geringes bis nicht vorhandenes Selbstwertgefühl und verspüren dann den Drang das zu kompensieren, eben durch solches Verhalten! Der hatte also bestimmt einen gaaaannnnzzz kleinen :-D. Schön das du ihn los bist. So was kenne ich von meiner Arbeit auch zu genüge in allen möglichen Formen!

  6. Das Schlimme daran ist, dass dieser Typus Mensch in der Regel besser durchs Leben kommt als eine ehrliche Haut. Ergo werden die auch nicht aussterben und man bekommt es immer wieder mit so einem A**** zu tun.

    • Absolut. Ich hatte eigentlich erwartet, dass er einfach in eine andere Zweigstelle weggelobt wird, wie es sonst immer passiert, deswegen war ich echt überrascht als sie mir sagten, dass er gefeuert wird. Ich hoffe einfach, dass das Team wie’s jetzt ist gut miteinander klarkommt und wir statt uns mit solchem Müll aufzuhalten einfach anständig arbeiten können.

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