Haut aufhellen in Japan.

Vor Ewigkeiten hatte ich einen Eintrag übers Hautaufhellen geschrieben, der noch immer recht viel angeklickt wird. Deswegen dachte ich mir, dass an der Zeit sei, einen längeren, ausführlicheren Artikel zu schreiben.

In Japan und anderen asiatischen Ländern gilt das Ideal des „schönen Weiß“, 美白 (Bihaku). In Japan gilt das eigentlich ausschließlich für Frauen, und natürlich besteht auch dort erst ab einem gewissen Alter Interesse an weißer Haut. Kleine Kinder rennen selbstverständlich braungebrannt durch die Gegend.

Japaner geben mehr acht auf Sonnenschutz, nicht nur um der Schönheit willen. Es ist einfach ein anderes Verständnis davon, was die Sonne ist: In Deutschland ist sie der fröhliche Sonnenball, der einem zwei Wochen im Jahr einen Sommer beschert, in Japan ist sie die große Todeskugel, die mindestens drei Monate im Jahr unerbittlich vom Himmelszelt aus die Erde versengt. Es hat tatsächlich auch etwas mit der Gesundheit, Stichwort Hautkrebs*, zu tun. Die Sonnenschirme, langen Armstulpen und Hüte wirken auf Ausländer sehr eigenartig, und so weit gehe ich nicht, aber dahinter steckt ein Kalkül.

* Wer sich eine Krebsstatistik für Japan mal anschauen will: Krebsstatistik 2013, auf Englisch und Japanisch. Lungenkrebs ist ganz oben.

Aber natürlich spielt die Eitelkeit auch eine Rolle, vor allem bei 美白 (Bihaku) oder ホワイトニング (Whitening) Cremes**: Übermäßige Sonneneinstrahlung beschleunigt die Hautalterung und Altersflecken, die man auch durch zu viel Zeit in der Sonne begünstigt, heißen nicht umsonst so. Mein Schwiegervater wies mich letztens an doch im Schatten zu sitzen, damit ich keine Flecken im Gesicht bekomme. Bei meiner Schwiegermutter wäre das egal, sie ist schließlich schon über 50. Aha.

** Alle Bihaku-Produkte haben einen hohen Sonnenschutzfaktor aber nicht alle Sonnencremes haben Bihaku-Wirkstoffe.

Bei Whitening- und Bihaku-Produkten geht es dann eben auch nicht primär um die Weißheit: Durch eine Verminderung der Melaninproduktion sollen dunkle Flecken vermieden und der Hautton ebenmäßiger gemacht werden. Niemand wird weißer werden, als seine Haut es im ungebräunten Zustand, also im Winter 😉 , sowieso ist. Dunkle Flecken, die man schon hat, können auch mit Cremes nicht rückgängig gemacht werden. Da müsste man dann auf invasivere Entfärbungsmethoden zurückgreifen. Einige von euch kennen sicher Horrorgeschichten von Bleichmittelschäden aus Süd-Ost-Asien.

Aber auch japanische Mittelchen sind nicht immer risikofrei, 2008 stellte die japanische Kosmetikmarke Kanebo eine Creme mit dem neuen Wirkstoff Rhododenol vor. 2013 wurde die Produktion eingestellt, nachdem in über 6000 Fällen die Haut von Anwendern fleckig weiß wurde. Die meisten Cremes auf dem Markt beinhalten übrigens Arbutin und/oder Kojisäure.

Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte kann man es natürlich wie ältere japanische Damen tun und einfach Foundation in einem mindestens fünf Stufen helleren Farbton kaufen. 😉

Nicht nur japanische Firmen, auch Kosmetikhersteller aus dem Ausland wissen natürlich, wie viel Geld auf dem asiatischen Markt mit Whitening-Produkten zu holen ist. So vertreiben viele Hersteller speziell auf Asien zugeschnittene Produkte.

MAC hat die Lightful-Serie, die Foundation mit SPF 25 statt dem üblichen SPF 15 anbietet. Und natürlich sind in der Serie Bihaku-übliche WIrkstoffe enthalten, in diesem Fall scheinbar ein Vitamin-C-Derivat.

Dior verkauft in Japan „Dior Snow“ mit hohem Lichtschutzfaktor, in Deutschland gibt es dafür die „Nude Tan“-Serie, die beim Bräunen hilft.

So geht das eigentlich quer durch sämtiche Hersteller. Ja, auch Nivea hat eine Whitening Cream (Link zur Werbung).

Und so spaltet sich die Welt zwischen denen, die sich vor der Sonne schützen und hell bleiben wollen, und denen, die sich in die Sonne stürzen um Braun zu werden. Ich bin mode- und kosmetiktechnisch soweit assimiliert, dass ich im Sommer immer zumindest Sonnenschutzcreme auftrage, ins Gesicht, auf den Nacken vor allem auf meine Füße. Ich trage oft Ballerinas oder Pumps, wodurch meine Zehen mindestens drei Farbtöne heller sind als der Rest meiner Füße. 😉 Für mich hat es wirklich etwas mit Streifenvermeidung zu tun, ich will nicht fünf verschiedene Bräunungsstadien an meinem Körper haben. Eigentlich reicht dafür aber normale Sonnencreme und ein wenig Vorsicht komplett aus.

Falls es trotzdem jemand ausprobieren möchte: Ich weiß nicht, wo man japanische Cremes im Ausland kaufen kann. 😦 In Deutschland kommt man eher schwierig dran und ich hätte um ehrlich zu sein etwas Angst, so etwas übers Internet zu kaufen. Amazon.co.jp (Link zum Suchergebnis für 美白) scheint keine Cremes ins Ausland schicken zu wollen. :/ Falls irgendjemand eine Idee hat – immer her damit, ich editiere dann.

14 Gedanken zu „Haut aufhellen in Japan.

    • Ich glaube Indien ist sehr anders als Japan, vor allem was das Gefälle von Arm und Reich angeht. Den sozialen Stand liest man hier an anderen Dingen ab, das unterscheidet sich nicht sehr von Deutschland. 🙂
      Ich habe letztens „Behind the Beautiful Forevers“ über einen Slum in Mumbai gelesen — oh man, Indien.

  1. Ich habe mir dieses Jahr erstmals Armstulpen gekauft. Haette ich auch NIE gedacht! Leider werde ich nicht schoen braun, sondern nur knallrot und in meiner Familie besteht auch ein gewisses Hautkrebsrisiko…

  2. Ich fand das so witzig mit den Hüten und den Armstulpen als ich vor 8 Jahren meinen 1. Sommer in Japan erlebt habe. Und ich hab mir damals auch aus Versehen so eine whitening creme gekauft. Grauenhaft! T__T

    Jetzt renne ich mit UV-Schirm und Armstulpen rum, v.a. wenn ich im Sommer reise – sonst hätte ich die 2 Wochen auf Okinawa im Hochsommer wohl kaum überlebt. 😉
    Ich bin durch die Aggressivität der Sonne hier in Japan viel vorsichtiger geworden.

    Und jetzt wo sich so langsam die ersten Falten durchschummeln, achtet man sowieso viel mehr drauf. ^^;; …

    • Das einzige Mal, dass wir auf Okinawa waren, hat es geregnet oder war bewölkt…. Vorletztes Jahr in Taiwan war die Sonne aber auch richtig böse, da sind wir dann unterm Schirm durch die Gegend gelaufen. Wie gesagt, im Gesicht habe ich sowieso immer etwas. War letztens bei Dior und hab mir mein Makeup machen lassen, weil ich Zeit hatte, und deren BB cream zauberte mir Fältchen ins Gesicht, die ich noch nie bemerkt hatte o_o

      • Also das finde ich jetzt interessant.
        Ich habe neulich auch das erste Mal eine BB Cream ausprobiert und hatte auf einmal Falten im Gesicht, die ich vorher noch nie bemerkt hatte. ;___;

  3. Die Sonne hier ist wirklich viel aggressiver als in Deutschland.. Hat mich auch sehr geschockt im ersten Sommer.
    Aber es hat halt einen Sinn, dass die Hautfarbe in solchen Regionen von Natur aus dunkler ist.
    Ich freue mich immer, wenn ich im Sommer braun geworden bin, denn dann gibt es nicht so leicht Sonnenbrand.
    Hut ist bei der Arbeit absolut wichtig! Ich renne immer mit einem riiiieesigen Strohut rum.
    Außerdem wird nur langärmlig gearbeitet! In der Freizeit trage ich aber kurz und da muss ich aufpassen..
    Bei zu viel Sonne hilft schon ein Regenschirm um nicht gebrutzelt zu werden, finde ich aber auch immer noch komisch. Nur im Disneyland beim Warten auf die Tanzshow hat er mir das Leben gerettet…
    Sonnencreme benutze ich zwar auch (interessant übrigens, dass man hier meist nur 50er bekommt), aber nicht übermäßig. Ich bin Offenbarung 23 geschädigt.. Wer weiß ob an der Geschichte nicht wirklich was dran ist..

  4. oh gott löscht du bitte meinen vorherigen Eintrag, der strotzt ja so voller Fehler! xD
    Soo noch einmal:

    Ein wirklich interessantes Thema!
    Ich habe gehört, dass whitening Cremes in der EU verboten sind, da sie gesundheitsschädliche Stoffe enthalten sollen. Ob das stimmt, weiß ich allerdings nicht.

    Ich denke, dass, man seinen natürlichen Teint akzeptieren sollte. Ein übertriebenes Schönheitsideal in beide Richtungen finde ich schlimm.
    Wenn man ein heller Typ ist, kann man sich zehn mal auf den Kopf stellen, man bleibt trotzdem ein heller Typ, während jemand der dunkel ist, l keine Porzellanpuppe wird, weil er sich draußen vermummt.
    Mir tun die Frauen Leid, die sich nichtsdestotrotz den Sommer über quälen. Im Wohnheim in Taiwan gab es ein taiwanesisches Mädchen, das von Natur aus eher dunkel war und sich den ganzen Tag über bei geschlossenen Vorhängen in ihem düsteren Zimmer verbarrikadiert hat. Das hatte schon etwas vampirhaftes! 😉
    Oder die Frauen, die draußen bei über 30° und 100% Luftfeuchtigkeit dick eingepackt mit Hose und Pulli durch Taipeis Hitze laufen.
    Genauso verstehe ich aber auch nicht die Frauen hierzulande, die in der Mittagshitze stundenlang vor sich hinbrutzeln.

    Na ja, so ist wohl der Mensch, will immer das haben, was er nicht hat. ^_~

    • Die Außenwahrnehmung ist leider teils ziemlich streng… Wenn alle um dich herum dem hellen Ideal hinterhereifern ist es glaube ich gar nicht so einfach zu sagen „Ich bin halt ein dunkler Hauttyp, mir doch egal was alle anderen machen.“
      Aber ja, einige Leute übertreiben es wirklich, in beide Richtungen. In Deutschland habe ich mal in einer Firma gearbeitet deren Besitzerin einen Hautton in Richtung „Ente kross“ hatte.

  5. Pingback: Nachtrag zur Sonnenvermeidung. | 8900 km. Berlin ⇔ 東京

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