Nein, es sind Yen.

Ich unterbreche die Stille kurzzeitig für einen kleinen Eintrag über etwas, was mich stört. Meckern kann ich total gut, ob es nun gerechtfertigt ist oder nicht.

By Avij (talk · contribs) (Own work) [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

Nun rechne ich hier im Blog natürlich die meisten Preise von Yen in Euro um, in der Realität milchmädchenrechne ich manchmal (100Yen = 1€, was absolut nicht stimmt), aber eigentlich habe ich mich dran gewöhnt, dass das Preisniveau hier für uns einfach anders ist. Das hat natürlich nicht nur etwas damit zu tun, dass Dinge in Japan teurer sind, sondern auch damit, dass ich verheiratet bin und wir zwei Einkommen zur Verfügung haben. Der Geschmack ändert sich mit dem Gehalt.*

* Außer man ist so ein unglaublicher Mensch, der tatsächlich eisern sparen kann.

Was ich aber nicht mache, ist in Japan von Euro zu sprechen. Wenn mich jemand fragt, wie hoch die Miete ist, sage ich nicht 1300€. Wenn jemand wissen will, wie viel mein Kleid gekostet hat, sage ich nicht 240€. Denn erstens ist es natürlich gemilchmädchenrechnet, zweitens kann ich nicht davon ausgehen, dass meinem Gegenüber Euro irgendetwas sagen und drittens leben wir in Japan, wir holen Yen von der Bank und geben Yen aus. Mir ist klar, dass es manchmal nervig ist die großen Zahlen zu sagen, aber wir sind nicht nur erwachsen und sollten keine Angst vor Zahlen haben, viele Ausländer, die ich kenne, geben Preise einfach auf Japanisch an, auch wenn die Unterhaltung nicht auf Japanisch geführt wurde. Im Japanischen kommt nach 千 (sen), 1.000, 万 (man), 10.000. Es ist einfacher 4万 (yon-man) zu sagen als Vierzigtausend. Wirklich, wenn man sich einmal dran gewöhnt.

Aber immer wieder treffe ich auf Arbeit englischsprachige Ausländer, die es nicht hinkriegen. Wenn ich dann erzähle, dass wir in einer anderen Schule für irgendetwas 40.000Yen hatten, kommt nur:

So that’s 400 bucks?

Wahrscheinlich? Was weiß ich, wie viel 40.000Yen in der Heimatwährung eines anderen Menschen sind. Natürlich ignoriere ich es und ich halte niemandem wegen so etwas einen Vortrag, dennoch nervt mich fast mehr, als wenn mein Vater in D-Mark umrechnet. 🙂

Immer diese ganzen anderen Ausländer, über die rege ich mich eh viel mehr auf als über Japaner. Viele sind echt total nett, aber nur weil man zusammen in einem fremden Land ist, mag man nicht plötzlich Leute, die man in Deutschland nicht mögen würde. Nur die Auswahl ist kleiner. Demnächst vielleicht mehr darüber.

Kurze Meckerei, Ende. 😀

14 Gedanken zu „Nein, es sind Yen.

    • Das ist mir schon klar, aber warum sind Bucks relevant, wenn wir Yen bekommen und Yen ausgeben? Zumal er der einzige Kanadier bei uns ist, ansonsten kommen die ausländischen Lehrer aus Thailand, Schweden und eben Deutschland.

      • Zugegeben, ich war noch nie längere Zeit im Ausland. Aber ich kann mir in der eigenen Währung besser vorstellen welchen Gegenwert etwas hat.

  1. Wie kommen wir denn von Geld plötzlich auf andere Ausländer?? 😄
    Aber, ich kann die letzten paar Sätze genau so unterschreiben.
    Ich erinnere mich noch an Forendiskussionen, wo es darum ging, ob man nun jeden Ausländer, den man auf der Straße trifft, grüßen solle.
    Warum denn? Nur weil man zufällig im gleichen Land lebt? Und wer sagt mir denn, dass mein Gegenüber tatsächlich ein Ausländer ist?

    Und ja, die Auswahl ist wirklich viel geringer. :/

    • Morgens um 8 ist alles möglich! Auch von Geld auf die anderen Ausländer zu kommen. Eigentlich wäre mein Verhältnis zu anderen Ausländern natürlich auch mal einen Blogeintrag wert, er macht nur angreifbar 😉 (Mit den meisten habe ich keine Probleme, nur mit denen, die das Image beschmutzen. „Ich kann machen was ich will, weil ich Ausländer bin“-Typen.)

  2. Heute rechnet Dein Vater ja nur noch in D-Mark um, damit er dann in Mark der DDR weiterrechnen kann. Beispiel: eine ganz normale Schrippe (berlinerisch für Brötchen) kostet inzwischen 25 Eurocent, da sind ungefähr 50 D-Mark-Pfennige. Nach durchschnittlichem inoffiziellem Umtauschkurs (also dem DDR-Straßenpreis der D-Mark) von 1:5 sind das 2 Mark und 50 Pfennige der DDR. Und dafür konnte man sich 50 Brötchen kaufen. Der Wahnsinn! Hätte ich nur mal in der DDR Brötchen gehortet!

  3. Der letzte Absatz ist ja so wahr 😀

    Auf meinem Blog schreibe ich Beträge manchmal in Euro hin – viele Leser können wahrscheinlich mit RMB nichts anfangen. Aber im echten Leben spreche ich auch lieber von Yuan, ist nun mal die Währung hier und ich kaufe in China schließlich nicht mit Euro ein … Und nach zwei Jahren sollte man sich schon irgendwann mal an die „neue“ Währung gewöhnt haben …

    • Eben! Ich verstehe bei großen Dingen, die man nicht ständig kauft, um ein Verständnis für die Summe zu bekommen, aber im täglichen Leben dann doch lieber in der Währung, die man tatsächlich verwendet.

  4. Schoen gesagt *lach* . Ich habe hier mit Auslaedern viele schlechte Erfahrungen gemacht und hinter her gedacht das ich dann doch lieber alleine bin als mit Solchen lol

    • Ich habe viele tolle Freunde, die Ausländer sind, aber es gibt manche, die mich echt nur nerven, vor allem weil ich weiß, dass ich aufgrund des Aussehens und der Tatsache, dass wir nicht alle eine Flagge unseres Herkunftslandes auf unserer Kleidung tragen, mit denen in einen Topf geschmissen werde…

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