Das Lehrbuch-Problem.

Ich liebe Lehrbücher. Die Lehrbuchabteilung ist meine Liebste in Buchläden, ich könnte jedes Mal alles mitnehmen.

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ein Teil der Koreanisch-Lehrbücher im Maruzen in Tokyo

Ich habe das Gefühl, dass es in Japan sehr viel mehr Bücher zum Spracherwerb gibt als in Deutschland und man sieht auch öfter Leute, die in der Bahn oder im Café eine Fremdsprache lernen. Am beliebtesten ist natürlich Englisch, aber auch für andere Sprachen gibt es viele Lehrbücher. Unter den asiatischen Fremdsprachen sind Koreanisch und Chinesisch derzeit am Beliebtesten. Viele Leute lernen für die Arbeit Chinesisch, aber koreanische Serien, Filme und Musik haben viele Fans und Korea ist vor allem bei Frauen ein beliebtes Reiseziel. Die 韓流 (japanisch Kanryû oder Hanryû, koreanisch Hallyu; Koreanische Welle) ist ein vorwiegend weibliches Phänomen.

Koreanisch oder Chinesisch sprechen zu können ist zwar aufgrund der Nähe zu Japan natürlich praktisch, aber viele Japaner finden sie nicht unbedingt schön oder cool.

001lEiner Studie aus dem Jahr 2012 zufolge ist Französisch nach Chinesisch und Koreanisch* die beliebteste zweite Fremdsprache der Japaner, darauf folgt schon Deutsch. Französisch lernen wirklich überraschend viele Leute, aber genau wie bei Deutsch scheinen sie es nicht als großes Hindernis zu sehen, dass die Grammatik und Aussprache unglaublich kompliziert sind. Jedes Mal wenn ich in der Bahn jemanden sehe, der Deutsch lernt, feure ich ihn mit Gedanken an, ich würde die Sprache nämlich nicht von Grund auf lernen wollen.

* Während Chinesisch bei den Männern auf dem ersten und Koreanisch auf dem vierten Platz liegt, ist Koreanisch bei den Frauen auf Platz eins und Chinesisch auf Platz drei.

20140424_081718Aber zurück zu Lehrbüchern. Weil ich Lehrbücher so sehr liebe, kaufe ich natürlich auch einige. Was ja schön und gut wäre, wenn ich auch mal in sie hineinschauen würde! Aber tatsächlich sammle ich Lehrbücher an. Als ich die Bücher für das Foto mal wieder rausgeholt habe, ist mir aufgefallen, dass ich できる韓国語初級Ⅱ (das grün-pinke Buch) bereits besitze – ich hatte zwischenzeitlich überlegt es im Buchladen zu kaufen… Es sind aber nicht nur Koreanisch-Bücher sondern auch welche für Business-Japanisch, höflisches Japanisch, Kanji* und mein liebstes Buch ビミョ〜な日本語 (Bimyô na Nihongo; fragwürdiges/subtiles Japanisch). Dort geht es um japanische Worte, die zwar gleich klingen und fast die gleiche Bedeutung haben, aber eben nur fast.

* Ich kann Kanji lesen aber nicht gut per Hand schreiben. Das ist übrigens ein Problem, das auch viele Japaner plagt, durch die digitalisierung des Alltags schreibt man einfach nicht mehr so viel mit der Hand.

Wenn man bedenkt, wie teuer Lehrbücher sind und wie viele ich habe – man das sind Werte. Das Foto oben ist übrigens nicht nur unvollständig, ich habe auch nach meinen JLPTs weiterverkauft, ebenso Lehrbücher, die ich nicht mehr brauchte. Japan ist einfach definitiv das Land, in dem man die meisten Japanisch-Lehrbücher bekommt, genau wie ich erst nach Korea reisen musste um ein anständiges für den TOPIK zu bekommen.

Eigentlich bräuchte ich einen Stundenplan für mich selbst, um die Bücher endlich mal durchzuarbeiten… Nun ja.

Häuft ihr auch Lehrbücher an? Was tut ihr dagegen? Und was für Fremdsprachen lernt ihr eigentlich?

Über Kommentare freue ich mich immer sehr. 😀

26 Gedanken zu „Das Lehrbuch-Problem.

  1. Ach, zu dem Thema habe ich auch irgendwo einen halbfertigen Artikel rumfliegen, hehe. In China habe ich auch viele Lehrbücher angehäuft – die sind vor Ort um ein Vielfaches billiger als in Deutschland. Ich schaue aber auch kaum rein, dafür sind die meisten Bücher einfach nicht gut und/oder interessant genug.

    • Hier sind Lehrbücher ziemlich teuer (1,500Yen bis 2,500yen), weswegen ich die nicht wahllos anhäufen kann – wären sie günstiger würde ich genau das tun. Wie gut sprichst du eigentlich Chinesisch? Shanghai-Chinesisch? 😉

      • Mein Chinesisch ist leider sehr schlecht. Für den Alltag und einfache Gespräche reicht es irgendwie (meine Lehrbücher sagen „intermediate“), aber sobald es ein bisschen anspruchsvoller wird, kann ich es vergessen. Oder wenn die Leute zu schnell reden. Oder mit Dialekt. Oder von den fünf Wörtern mit gleicher Bedeutung genau das eine verwenden, das ich garantiert noch nie gehört habe … (Bei Filmen geht es besser. Ich finde die Schriftzeichen einfacher als die Aussprache und wenn im Film mit chinesischen Untertiteln gesprochen wird, kann ich meistens ganz gut folgen.)
        Zu Shanghai-Chinesisch: Ist zwar nur ein Dialekt, aber wenn aus einem hochchinesischen „wan“ ein Shanghaier „ö“ wird, ist das für mich wie eine komplett andere Fremdsprache 😉 Kann ich also gar nicht … (mein Beispiel heißt „Schale“, wenn ich es richtig in Erinnerung habe)

  2. Ja, ich habe seitdem ich in Japan bin auch so einige Lehrbücher für Japanisch angesammelt – habe bestimmt schon sechs gekauft, aber auch zwei aus Deutschland mitgebracht. Die stehen nun schön in der Gegend rum und stauben ein, weil ich da auch nie reingucke – außer ab und zu in mein Grammatikbuch. Meist benutze ich die Bücher die ersten 4~5 Tage, nachdem ich sie gekauft habe, aber dann ist der Elan auch wieder verschwunden. Traurig eigentlich… Ich müsste mich wirklich mal wieder dransetzen!

  3. Oooh, das Problem kenne ich… Ich finde öfter mal Lehrbücher kostenlos im Aussortier-Stapel der Bücherei oder im Free-Books-Regal um die Ecke und immer muss das Buch mit nach Hause… Und dann noch die Lehrbücher der ganzen Sprachen, die ich mal gelernt habe… Ich habe mittlerweile Lehrbücher zu Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Norwegisch, Schwedisch, Isländisch, natürlich Japanisch, Französisch und – von meiner Schwägerin – Italienisch.
    Was ich dagegen tue? Mittlerweile habe ich eingesehen, dass ich wahrscheinlich in nächster Zeit nicht alle Sprachen lernen werde und habe begonnen, Bücher zu verkaufen oder zu verschenken. Japanisch bleibt, weil’s mehr oder weniger aktuell ist, aber Russisch und Portugiesisch ist schon zur Hälfte weg und Italienisch wird wohl bald folgen…. Und wenn ich dann doch mal wieder das dringende Bedürfnis habe, Spanisch zu lernen, kann ich mir ja immer noch ein neues Lehrbuch finden. 🙂

  4. Bisher ist es nur bei den Sprachlehrbüchern geblieben, die mich auch interessieren. Aber nach dem Kauf hapert es meist mit der Zeit und auch schonmal mit der Lust. 😉
    Was mich nicht daran hindert, mir neue Bücher zu kaufen.
    Bücher kann man eh nicht genug haben. 😉

  5. Ich schaue eigentlich im Buchladen immer nach Lehrbüchern. Auch wenn ich eigentlich genug habe. Vor allem hier in Japan ist das Angebot ja wirklich groß und es sieht alles immer so gut aus. 😉 In Deutschland habe ich nie wirklich danach geschaut, aber seit ich hier bin habe ich mir schon 6 neue Lehrbücher gekauft (dabei hatte ich schon 2 mitgebracht) und das nur für Japanisch. (Es wären wahrscheinlich mehr, wenn der Preis nicht so hoch wäre.) Ich besitze auch eins für Koreanisch, da ich das ja in der Schule gelernt habe. Rein schauen tue ich in die lieben Bücher zu Hause leider fast gar nicht, da das Internet so verlockend ist und ich mir denke mit japanischen Filme schauen lernt man auch. :’D Deshalb lerne ich meistens in der Schule in Freistunden in der „Study Hall“ oder in der Bibliothek. In einem Café ist es mir dann teils doch noch zu unruhig.

    • Die einzige Bibliothek in der direkten Nähe ist zu klein, im Café muss ich mich aber auch möglichst weit von den lauten Baba, die den letzten Tratsch austauschen, wegsetzen.
      Ich finde die Lehrbücher hier sehen hier besser aus. 😀 Weil ich im Koreanischen ein Hörproblem habe, schaue ich auch Filme, aber was die da erzählen – wer weiß. Ein Hoch auf Untertitel. 😀

  6. Habe frueher auch immer sehr viele Lehrbuecher fuer Japanisch gekauft. Ging mir wie dir: ich dachte wohl, wenn ich eines kaufe, dann habe ich den Inhalt bereits im Kopf… Inzwischen habe ich kapiert, dass man sich dazu auch hinsetzen und etwas tun muss. Jetzt kaufe ich keine mehr 😉

    • Bei Japanisch bin ich inzwischen ein wenig faul. Im Alltag komme ich problemlos mit dem was ich kann durch, dabei kann ich so viel eben nicht… Vielleicht versuche ich mir durch den Kauf der Koreanischbücher so einen kleinen Schubs zu geben, aber es klappt halt nicht so ganz. Habe aber nachdem ich den Eintrag verfasst habe tatsächlich fast zwei Stunden lang im Café vor einem Buch gesessen!

  7. Geht mir ganz genau wie dir. Ich könnte jedesmal neue Lehrbücher kaufen, wenn ich vor dem Regal stehe und es kostet mich extrem viel Überwindung mal nichts mitzunehmen. Ich hab schon einen ziemlichen Stapel zu Hause, und lerne letztendlich nie. Die Bücher machen mir nur jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn mein Blick zufällig auf sie fällt… also täglich. Dann blättere ich manchmal drin rum, mache gute Vorsätze und werfe sie am nächsten Tag wieder über den Haufen. Mein Mann ist da viel konsequenter. Er ist Musiker und bestellt auch haufenweise Bücher. Aber er arbeitet sie auch immer innerhalb von ein paar Tagen durch. Beneidenswert, soviel Selbstdisziplin. :/
    Ich glaube, mich schreckt einfach das schiere Pensum ab an Dingen, die ich gern verbessern würde: Vokabeln, Kanji, Grammatik, Giongo & Gitaigo, Keigo, Leseverständnis… Und wie du schon sagtest, schöne Kanji schreiben lernen. Dafür habe ich auch schon angefangen, mir Bücher zu kaufen…
    Es sieht jedenfalls nicht so aus, als würde ich in nächster Zeit dazu kommen, mich um andere Sprachen zu kümmern. 😉

    • Unser Bücherregal hat Türen, ich sehe sie also nicht einmal täglich. Mein Mann macht das „zum Glück“ ähnlich wie ich. 😉 Aber ansonsten ist er viel konsequenter beim Lernen!

  8. Ich lerne Japanisch (oh Wunder *A*) und hab bisher in den knapp 1,5 Jahren 6 Japanisch Lehrbücher angesammelt. Von den anderen Fremdsprachen, die ich gelernt habe, also Englsich, Französisch und Latein, kaum welche. Was aber auch daran liegt, dass ich die Sprachen in der Schule gelernt hab und man da ja die Bücher ausgeliehen bekommen hat.
    Ich glaub, wenn ich in 5 Monaten für ein Jahr nach Japan flieg, werd ich mich da aber auch erstmal mit Lehrbüchern eindecken, weil man sie hier in Deutschland einfach so schlecht oder so überteuert bekommt.

    • Sag auf jeden Fall Bescheid, wenn du da bist! 😀 Vielleicht kann man ja ein Treffen arrangieren.
      Die Lehrbücher hier sind schon toll, vor allem die für die Tests. Da kriegt man auf Deutsch ja eher nichts…

  9. Hab nur zwei für Japanisch. Die Kanas und eins für einen Kurs von der VHS. Die verstauben aber hier, weil es doch immer Sachen gibt die wichtiger sind (und ich meine nicht den Joghurt im Kühlschrank). Desweiteren habe ich noch mehrere für Englisch und sogar eins für Deutsch. Sind aber immer noch nicht genug Staubfänger, denn ich muss immer noch putzen.

    Und das für Deutsch ist (leider) kein Scherz. Weil mich damals in der Schule Deutsch nicht wirklich interessierte, weiß ich bis heute nicht was ein „Konjungiertes Superlativ-Dativ-Personalpronomen als Adverb“ ist. Meiner Meinung nach halt eine echt schlechte Grundlage wenn man eine andere Sprachen lernen will.

    Und weil es thematisch gerade so schön passt – ich hab hier ein Stöckchen für Dich. 😉
    http://blog.olivers-playground.de/mein-erstes-blogstockchen-wunschbucher/

    • Ojee, Stöckchen! Die schaffe ich immer nicht, aber ich werd’s versuchen!

      „Japanisch im Sauseschritt“? 😉 Das scheinen alle VHS‘ in Deutschland zu verwenden.

      • Nein, es war „Nihongo de dooso!“ von Langenscheidt. War auch eigentlich nicht sooo schlecht in Verbindung mit unserer Lehrerin Yuki (San), aber wie hatte es einer meiner Mitstreiter so schön am Ende formuliert „Und wie bestelle ich jetzt ein Bier?“ (Jaja, man zeigt in der Menükarte drauf) 🙂

  10. Ich sammle Japanisch Lehrbücher 🙂
    Meistens arbeite ich sie sogar Stück für Stück durch.. Wobei sie ja ab einer gewissen Stufe immer auf Japanisch sind, was mich oft an meine Grenzen bringt XD
    Allerdings vergesse ich alles grade „gelernte“ auch immer sofort wieder..

  11. Ich habe mal versucht Hindi zu lernen. Habe aber immer nur versucht Vokabeln zu lernen, keine ganzen Satzstrukturen. Nervig. Kann jetzt zwar einiges und die Inder sind begeistert, aber nach 3 Jahren etwas arm 😉

  12. Pingback: Der Krampf mit dem Keigo. | 8900 km. Berlin ⇔ 東京

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