Ah, ‚Tschuldigung.

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Ich habe es gar nicht mehr geschrieben, aber nachdem wir den Taifun am Mittwoch trotz überschwemmter Straßen und generellem Chaos überlebt haben, sind wir jetzt in Kyûshû. Und dies ist ein Eintrag vom Handy, weswegen ich euch ein schönes Palmenfoto poste und dann nächste Woche mal einen Eintrag über 雨女 (ame-onna) schreibe. 😉

Origami: Geist.

Diesen süßen Geist haben wir auf Arbeit mit den Kindern gefaltet.

Die Schritte 4 und 5 waren für die Kinder nicht einfach, deswegen haben wir geholfen. Unser Gruppenzimmer sieht jetzt schon viel mehr nach Halloween aus, mit Hexen, Jack-O-Lanterns und Geistern. 🙂

Viel Spaß beim Nachfalten!

Claudia trifft die Hosts.

Meine Lieblingskollegin geht oft in Host Clubs. Ich war noch nie in einem. Weil ich aber zumindest einmal in meinem Leben hingehen wollte, sind wir am Samstag nach unserem Sportfest nach 歌舞伎町 (Kabukichô, der Rotlichtbezirk in Shinjiku) gefahren und in ihren Stammclub gegangen.

Aber was ist eigentlich ein Host Club? Ähem, ähem. Trinken mit Männern, für viel Geld. Also, die Frauen zahlen. Dafür bekommt man nette Gesellschaft und Komplimente. Mehr kann ich dazu eigentlich gar nicht sagen.

Wenn man das erste Mal geht, ist es noch recht günstig, 2,000Yen (ca. 15€) für zwei Stunden trinken. Danach wird es teuer, 7,000Yen (52,50€) für zwei Stunden, plus 3,000Yen (22,50€), damit man „seinen“ Host bei sich sitzen hat. Dazu kommen komplett überteuerte Getränke.

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So viel Photoshop…

Wenn man sich nicht vorm 初回 (Shokai; ersten Mal) für einen Host entschieden hat, hat man zwei Stunden lang eine Auswahl von Hosts, die zum Tisch kommen und sich vorstellen und sich je etwa zehn Minuten um einen bemühen. Von jedem bekommt man eine Visitenkarte, damit man zum Schluss sagen kann, welchen man am besten fand. Ich habe den neusten Host genommen, weil ich davon ausging, dass er sich drüber freut. Er durfte mich dann am Fahrstuhl verabschieden.

Ich bin kein großer Fan von Host Clubs, einfach weil mir diese ganze „Geld gegen Aufmerksamkeit“-Masche nicht gefällt, aber es hat Spaß gemacht. Noch einmal werde ich nicht hingehen, aber zwei Stunden lang von jemandem Getränke nachgeschenkt und das Glas abgewischt zu bekommen ist schon ganz nett. Einige der Typen waren aber einfach nur anstrengend und haben „lustig sein“ mit „laut sein“ verwechselt. Generell war es im Club unglaublich laut, jedes Mal, wenn eine neue Kundin hineinkam wurde sie von allen laut begrüßt, und nach den Showeinlagen zwischendurch hatte ich Probleme irgendetwas zu hören.

Was ich persönlich amüsant fand, war, dass man die Typen alles fragen kann. Es gibt Fragen, auf die sie nicht antworten**, und ich weiß natürlich nicht, wie viel stimmt, aber dass man einfach fragen und sagen kann, was einem im Kopf herumschwirrt ist lustig. Am Anfang habe ich immer noch meine Kollegin auf Englisch gefragt, ob ich etwas Bestimmtes sagen kann, aber da scheinbar alles OK ist… Ich bin einfach generell kein besonders netter ein direkter Mensch, das nicht zurückhalten zu müssen macht Spaß. Und ja, das ist deren Arbeit. Ich bezahle Geld. Auf Arbeit kann ich den Eltern auch nicht sagen, dass sie komplett bescheuert sind. Glaubt mir, manchmal ist das gar nicht so einfach. 😉

**

„Wie hoch ist euer Stundenlohn?“ „Weiß ich nicht“

Ja klar.

„Wie viele Kunden hast du?“ „Nur [deine Kollegin].“ „Nein, im Ernst.“ „Das darf ich dir nicht sagen, Anweisung von oben.“

Mit meinem Mann war die ganze Aktion natürlich abgesprochen und ich hatte auch meinen Ehering auf dem Finger. Wenn einer der Hosts versucht hat mich anzufassen, habe ich gesagt, dass ich das nicht will. Außerdem hatten meine Kollegin und ich die ganze Nacht über Spaß mit folgendem kleinen Spiel.

90% der Typen: Auf was für Männer stehst du? (どんな男はタイプ?)

Ich: Ehemann/Ehemänner. (旦那, Im Japanischen muss ich nicht zwingend „Mein Ehemann“ sagen)

Typ: Dann lass uns heiraten!

Ich: Nein, im Ernst, ich bin verheiratet. (Funkelfunkel, sieh auf meinen Ring!)

Typ: Eeeeeeeh. (Fragen über Fragen über Fragen.)

Fast die Hälfte der Hosts an dem Abend waren übrigens noch nicht einmal volljährig, sondern erst 19, und durften deswegen noch nicht trinken. Auf Nachfragen gaben die meisten auch an, dass das einfacher ist, als sich jeden Abend abfüllen lassen zu müssen. Alkohol bringt nämlich das wirkliche Geld, ungefähr die Hälfte davon geht direkt an die Hosts. Sie müssen also mittrinken.

Meine Kollegin wurde von „ihrem“ Host den ganzen Abend belagert, dass sie doch etwas trinken solle. Stelle ich mir äußerst nervig vor, aber je mehr man trinkt umso mehr zahlt man natürlich, auch weil man irgendwann nicht mehr viel nachdenkt. Sie hat dann auch Champagner bestellt, was einen Champagne Call provoziert hat. Dabei kommt der ganze Club zu einem und macht Radau, bevor die Flasche geöffnet wird. Ich fand es beängstigend…

Generell hatte ich nicht das Gefühl, dass es den normalen Kundinnen unglaublichen Spaß macht, dort zu sein. Viele sahen kaum von ihren Smartphones auf und waren eher genervt. Scheinbar wird es auch erst richtig nett für meine Kollegin, wenn sie schon ziemlich betrunken ist und sie anfängt „ihren“ Host zu umarmen. Ich habe kein Interesse an den Hosts, ich habe zuhause (kostenlos!) den besten Mann aller Zeiten, der mich nicht nur mit Komplimenten eindeckt, weil ich Geld zahle. Kuschlig ist er auch.

Aber wie gesagt, es hat Spaß gemacht, man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass es ein Geschäft ist. In normalen Clubs jemanden kennenzulernen kommt auf jeden Fall günstiger 😉

Comic Essay: Hundert Probleme.

Während in Deutschland vor allem Manga bekannt sind, gibt es in Japan auch noch andere gezeichnete Werke. Ganz besonders mag ich Comic Essays (コミックエッセイ). Das sind persönliche Geschichten, in Comic-Form. Meist sind die einzelnen Kapitel sehr kurz und leicht zu lesen, ich würde sie deswegen für jeden empfehlen, der anfangen möchte auf Japanisch zu lesen und sich von Romanen etwas eingeschüchtert fühlt.

Zu den bekanntesten gehört 日本人の知らない日本語 (Nihonjin no shiranai Nihongo; Japanisch, das Japaner nicht kennen), über eine Japanischlehrerin und ihre Schüler. Dieser Comic wurde auch fürs Fernsehen adaptiert, teilweise kann man das auf YouTube sehen. 🙂 Auf der Seite des Verlags kann man sich Auszüge ansehen.

Ein anderer Comic aus der Ecke ist ダーリンは外国人 (Darling ha Gaikokujin; Mein Schatz ist Ausländer), in dem die Autorin über ihr Leben mit ihrem Amerikanischen Ehemann erzählt. Auch dieser Comic wurde adaptiert, sogar für’s Kino.

Nachdem ich am Montag nach ハーフ Hafu aus dem Kinosaal kam, sah ich einen Comic Essay namens ニッポン存在ハーフな私の切実で笑える100のモンダイ (Nippon-sonzai Hāfu no watashi no setsujitsu de waraeru 100 no mondai; 100 Probleme, über die man ernsthaft lachen kann, die ich als in Japan lebende Halbjapanerin habe) im angeschlossenen Laden und habe ihn mitgenommen.

hon-mangaGeschrieben wurde das Buch von Sandra Häfelin, Tochter eines Deutschen und einer Japanerin, aufgewachsen in Deutschland und später nach Japan übergesiedelt.

Im Buch beleuchtet sie die Probleme, die sie als Halbjapanerin hat, und zeigt, dass nicht alle Halbjapaner schön, extrovertiert und zweisprachig sind. Die kurzen Geschichten sind wirklich lustig und interessant und nach jeder gibt es eine kleine Kolumne, in der Sandra noch einmal tiefer auf die Thematiken eingeht und teils auch Japan und Deutschland einander gegenüberstellt. Es geht aber nicht nur um Halbdeutsche, sondern es kommen auch viele gemischte Japaner mit anderen Wurzeln vor.

Auch hier gibt es auf der Seite des Verlags Leseproben.

Weil ich natürlich immer alles auf mich beziehen muss, sind mir so einige Parallelen aufgefallen. Genau wie Sandra im Buch werde ich bei Trinkveranstaltungen mit Japanern immer gefragt, ob ich kein Bier trinken möchte (nein!). Außerdem ist „Kannst du Nattō essen?“ (nein!!!) eigentlich immer unter den ersten drei Fragen, die mir gestellt werden. 😉

Auf Amazon Japan ist übrigens die einzige Bewertung (ein Stern) folgende: „Die Autorin schreibt zwar über sich, dass sie ein Ausländer-Gesicht hat, aber für mich sieht sie nur aus wie eine Japanerin. Vielleicht sieht sie mehr wie Halbjapanerin aus, wenn man sie wirklich sieht?“ Aha. Ich liebe solche hilfreichen Amazon-Kommentare ja.

Von der Arbeitswelt meines Mannes.

(Dieser Beitrag ist nicht für alle in Japan arbeitenden gültig, sondern bezieht sich nur auf die Erfahrungen meines Mannes.)

Mein Mann hasst seine Arbeit. Jedes Mal, wenn wieder etwas schief läuft, wenn er sich wieder unglaubliche Überstunden gefallen lassen muss, wenn einfach nicht genug Leute da sind für die ganze Arbeit, fragt er mich, ob wir nicht einfach nach Deutschland ziehen könnten.

Bei ihm ist das immer eine Welle: Wenn ein neues Projekt beginnt ist erstmal alles gut, er kommt früh nach Hause und hat sogar das ganze Wochenende frei. Das läuft so lang gut, bis es nicht mehr gut läuft. Dann arbeitet er plötzlich von einem Tag auf den anderen 14 Stunden am Tag und kommt abends total geschafft nach Hause oder übernachtet gleich in einem Hotel. Wochenenden gibt es dann entweder gar nicht mehr, oder er hat nur einen Tag in der Woche frei.

An normales Familienleben ist dann eigentlich nicht mehr zu denken. Wir versuchen natürlich so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen, aber letztendlich sind diese Tage und Wochen einsam. Es ist wie damals, als ich keine Arbeit hatte, und den ganzen Tag nur damit verbracht habe, auf ihn zu warten.

Derzeit heißt es, dass wir vielleicht doch nicht nach Kagoshima fahren können, weil es auf der Baustelle zu langsam voran geht. Das heißt, dass mein Mann seit Neujahr keinen Urlaub mehr hatte. Klar, mal hier einen Tag frei und mal dort, aber keinen, in dem man sich wirklich erholen könnte. Die Reise nach Kagoshima wäre eigentlich sein Sommerurlaub. Sommerurlaub im Oktober, oder vielleicht auch gar nicht. Dann wird getrickst, so getan als hätte er Urlaub gemacht und die gearbeiteten Tage als Überstunden abgerechnet, damit es bloß keinen Stress von der Gewerkschaft gibt.

Selbst bei mir auf Arbeit wird mit den Japanern ganz anders umgesprungen als mit den Ausländern. Wenn wir freinehmen wollen oder müssen, gibt es damit meist kein Problem. Wahrscheinlich auch, weil Nicht-Japaner im Notfall auch einfach freimachen würden. Wenn die japanischen Mitarbeiter freinehmen wollen, ist das nur selten möglich, obwohl natürlich auch sie einen Urlaubsanspruch haben.

Das geht mir, gelinde gesagt, komplett auf den Zeiger. Ich hoffe natürlich, dass es vor allem bei meinem Mann besser wird, er will jetzt aber vorsorglich Deutsch lernen. Das wäre auch nicht ganz schlecht wenn wir in Japan bleiben, schließlich möchten wir irgendwann ein Kind haben, das zweisprachig erzogen werden soll. Aber ohne mehr Freizeit für meinen Mann wird das erstmal auch nichts mit einem Kind und so befinden wir uns derzeit in einem Schwebezustand. Warten wir, dass sich etwas ändert? Siedeln wir über? Eigentlich habe ich keine Lust auf Deutschland… Also doch mal über die Gründung der Republik Teutschland nachdenken.