Logik.

Wir haben in meiner Klasse ein Mädchen, das Probleme mit dem Essen hat. Um genau zu sein isst sie nicht.

Am Anfang des Schuljahres hat das Essen ewig nicht angerührt, so dass wir der Mutter mehrmals mitteilen mussten, dass ihre Tochter nichts gegessen hatte. Das Mädchen ließ sich absolut nicht zum Essen überreden, wenn wir versuchten sie zu füttern, öffnete sie den Mund nicht, und sonst wurde Essen auch einfach mal heruntergeschmissen.

Inzwischen isst sie zwar, aber nur sehr langsam. Wenn sie etwas nicht mag, versucht sie es in ihrer Suppentasse zu verstecken. Oder wirft es auf den Boden und versucht es einem anderen Kind anzuhängen. Neben ihrem eigenartigem Essverhalten lügt sie nämlich auch ohne mit der Wimper zu zucken.

Mit ihrer Mutter haben wir natürlich mehrmals gesprochen, sie hatte zwischendurch gefragt, ob wir ihrem Kind nicht einfach das Dessert geben könnten, obwohl sie nicht aufgegessen hat*. Absolut nicht, Dessert gibt es nur für Kinder, die vernünftig essen.

* Die Kinder bekommen unterschiedliche Portionen, je nachdem, wie viel sie essen können. Das wird auch immer mal angepasst. Nachschlag bekommt jeder.

Als wir dann letztens mal wieder nachfragten, kam endlich folgendes heraus: Dem Kind wird zuhause Gemüse als Brei angeboten, weil es das nicht mag. Wenn sie den Brei nicht isst, bekommt sie Süßigkeiten, weil sie die mag und ja irgendetwas essen muss.

Autsch, autsch, autsch! Die Frau sieht nicht, dass sie ihr Kind dafür belohnt nicht zu essen. Und wir haben ein Kind an der Backe, dass von zuhause kennt, dass es bekommt was es will, wenn es das Essen einfach nur genug verweigert. Großartig.

7 Gedanken zu „Logik.

  1. Solche Eltern gibt es leider immer wieder.
    Viele der Eltern meiner Schüler sind entweder so alt wie ich oder jünger.
    Es gibt nach wie vor sehr viele junge Eltern in Japan (also Anfang 20) – und viele von denen scheinen selbst noch Kinder im Kopf zu sein, wenn ich sehe, wie sie so mit ihren Kindern umgehen bzw. was sie ihren Kids alles durchgehen lassen! T___T

    • Die Mutter von dem Kind ist Anfang 40. :/ Ich habe manchmal das Gefühl, das viele junge Mütter noch eher ein Gespür dafür haben, was ein Kind braucht, während ältere Eltern alles durchgehen lassen. Vor allem wenn’s Einzelkinder sind… Wir hatten bisher nur eine einzige wirklich junge Mutter (sie hat ihre Tochter wohl mit 18 bekommen).

      • Liegt wahrscheinlich auch weniger am Alter, sondern an vielen anderen Sachen.
        Dadurch dass ich täglich mit Kindern zu tun hab, weiß ich auch, wie ich mit ihnen am besten umzugehen habe und das obwohl meines stolzen Alters von über 30.
        Wer natürlich nie was mit Kindern zu tun gehabt hat und dann erst sehr spät Mutter wird, der könnte sich eventuell schwer tun.

      • „Stolzes Alter“, ja klar. 😉
        Ich meine nur, dass Eltern die ihr erstes Kind mit über 40 bekommen haben das Kind wahrscheinlich eher auf einen kleinen Thron stellen, von dem aus es den ganzen Haushalt regieren kann. Mit über 40 steckt da glaube ich bei vielen Eltern mehr Energie hinterm Kinderkriegen, vor allem wenn man bedenkt, dass die biologische Uhr da nicht mehr nur leise tickt sondern wirklich schon fast abgelaufen ist.
        (Wir haben natürlich auch jüngere Eltern, die ihren Kindern absolut nichts beibringen, weil sie sie eher als Modeaccessoire verstehen…)

  2. Oh, das klingt ja toll… ich kenne auch einige, die den Kindern viele Suessigkeiten nicht verweigern koennen. Wuerde das Maedchen einfach mal nicht beachten, wenn es beim Essen herumspielt. Denke, es will Aufmerksamkeit erregen. Wenn es wirklich Hunger hat, wird es schon zum Essen anfangen – v.a. wenn es merkt, dass die Kinder rundherum mit Appetit essen.
    Wahrscheinlich fehlt ihr etwas anderes, Zuwendung von daheim oder so. Koennte einem Leid tun.

    • Wenn sie Essen auf den Boden schmeißt können wir das leider nicht ignorieren. Ansonsten machen wir das und lassen sie einfach sitzen bis sie fertig ist (sie hat wirklich eine winzigkleine Portion). Teilweise hat sie einfach zwei Stunden lang nicht gegessen und wurde dann abgeholt. Das passiert zwar nicht mehr, sie ist trotzdem ein Stressfaktor. Und dann schreibt sie aber anderen Kindern vor, wie sie sich zu verhalten haben… 「集中して食べなさい!」…

      • *kopfschuettel*. Nur, wenn sich die Mutter nicht aendert, wird sich das Kind auch nicht aendern. In dem Fall ist man als Erzieher wirklich nicht zu beneiden…

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s