Reden wir doch mal über eigene Kinder.

Auf Arbeit, von Freunden und von meinem Vater werde ich immer mal wieder gefragt, wann ich denn nun endlich Kinder bekomme. Die einfache Antwort: Noch nicht.

Es gibt natürlich auch eine längere. Ich hätte unglaublich gern ein Kind. Mein Mann auch. Schon vor der Heirat im März 2011 haben wir die Namen ausgesucht, Namen die sowohl in Deutschland als auch in Japan funktionieren. Derzeit feilen wir an den Kanji, vor allem, weil mein Mann 礼 (rei; Dankbarkeit) nicht verwenden möchte.* Welche Namen das sind wissen Freunde von mir, für den Rest wird’s eine Überraschung wenn ich dann wirklich schwanger werde.

* Es ist auch in seinem Namen, aber mit einer anderen Lesung.

Worauf warten wir also? Darauf, dass mein Mann genug Geld verdient. Wenn man in Japan Mutter wird, heißt das meist, dass man erst einmal für ein paar Jahre zuhause ist. Nur mit dem Geld meines Mannes könnten wir uns derzeit nicht einmal zu zweit über Wasser halten, vor allem, weil wir im Frühjahr in eine größere und teurere Wohnung umgezogen sind.

Mein Mann wartet darauf, dass er in eine Position kommt, in der er abends Zeit hätte um Zeit mit einem Kind verbringen zu können. Sein Vater hat immer viel gearbeitet und war nur am Wochenende für ihn da, und das möchte er absolut nicht. Wir reden viel darüber, was wir mit einem Kind alles unternehmen würden, und er hat so viel, was er machen und zeigen möchte.

Außerdem lieben wir Reisen, und während das natürlich auch mit einem Kind absolut möglich ist, kann mir keiner erzählen, dass es nicht viel anstrengender wäre. Wir müssen also vorher noch ganz viel reisen! Wir haben große Pläne. 🙂 Von Europa möchten wir gern mehr sehen, nach Amerika wollen wir auch noch…

Und dann muss man noch etwas anderes bedenken: Wir sind zwar inzwischen seit fast zweieinhalb Jahren verheiratet, aber ich bin erst 23 Jahre alt. Das Durchschnittsalter für die Geburt des ersten Kindes liegt in Deutschland bei ca. 29 Jahren, in Japan sogar etwas höher (29.5 Jahre im Jahr 2008). So lange möchte ich um ehrlich zu sein nicht warten, aber lasst mir doch noch etwas Zeit! 😉

19 Gedanken zu „Reden wir doch mal über eigene Kinder.

  1. Ich kann euch gut verstehen! Mein Hase und ich waren 11 Jahre zusammen als wir geheiratet haben. Vorher haben wir nach fast 4 Jahren Wochenendbeziehung erst zusammen gewohnt und ab da durften wir uns nur solche Fragen anhören, wann heiratet ihr? wann bekommen wir endlich Enkel? Auch wir wollten reisen und uns die Welt angucken, aber nach jeder Reise wieder die gleichen Fragen. Ich wollte immer mit spätestens 24 mein erstes Kind haben und jetzt. . . bin ich nach 12 Jahren Beziehung knapp ein Jahr verheiratet, im 8 Monat schwanger und 30!! ^-^
    aber ich hab nix bereut! !

    • Ich hätte schon lieber früher als später Kinder, aber an sich ist das Alter jetzt nicht sooo wichtig (und mein Mann würde nie zulassen), dass ich sagen würde „Egal ob wir kein Geld haben oder noch nicht überall waren, wo wir unbedingt hinwollten*, ich bekomme jetzt ein Kind!
      * Eine Liste, die nur 234123324 Reiseziele umfasst.

  2. Ach ja.. das nette Thema >.<
    Mein Freund und ich wohnen nicht zusammen, sind nicht verheiratet, und trotzdem stellt mein Kollege mir jeden zweiten Tag die Frage, ob ich schwanger bin.
    Auf mein Verneinen kommt immer der Spruch: Na dann müsst ihr aber bald mal..

    Ja, er hat Recht.. Ich habe fast mein Deadline-Alter erreicht (die magische 30 ^_-). Aber das wird nichts mehr, das weiß ich.. Trotzdem möchte ich eigentlich keine 5 Jahre mehr warten, ich möchte nicht, dass das Kind Oma-Opa Eltern hat.. Vor allem, weil mein Freund noch ein bisschen älter ist als ich..
    Da ist es doch irgendwie besser man macht kein Abi, fängt früh an zu arbeiten und zu sparen, reist durch die Welt und bekommt Mitte 20 das erste Kind. Ach.. ein Traum.
    Oder man angelt sich nen Kerl, der viel verdient..

    • ’nen reichen Kerl hätte ich mir echt auch mal angeln können. 😉
      Bei mir auf Arbeit geht es immer mal darum, wer von den Müttern wieder schwanger ist, und da werde ich immer mal gefragt, wann ich denn vorhabe Kinder zu haben, aber wenn mich jemand tagtäglich damit nerven würde, würde ich wahrscheinlich durchdrehen…

  3. In Deutschland wundert mich das zitierte Durschnittsalter nicht, aber in Japan schon sehr!
    Die meisten Mütter meiner Schüler sind so alt wie ich oder gar jünger und haben daher die Geburt ihres ersten Kindes zwischen 20-25 erlebt.

    Ich hätte auch gerne mal Kinder, aber ich fürchte, dass das nichts mehr wird.
    Du bist ja noch blutjung und kannst dir alle Zeit der Welt lassen, aber ich werde bald 33, habe keinen Partner in Sicht, meine biologische Uhr tickt immer lauter. 😦

    Ich will dich jetzt nicht erschrecken, aber der japanische Ehemann einer guten japanischen Freundin von mir hat mich mal im Vertrauen gefragt, ob man in Deutschland als Vater mehr Zeit für das Kind hat.
    Er war sehr traurig und erschöpft. Er arbeitet so viel, sieht sein Kind kaum – und dennoch reicht das Geld gerade so. Meine Freundin hat wieder angefangen halbtags zu arbeiten, obwohl die Kleine erst 3 Jahre alt ist.

    In Japan wird es sehr schwierig sein für deinen Mann, einen Job zu finden, der genug Geld bringt und ihm trotzdem genug Freizeit und wenig Überstunden bereitet.
    Ich hoffe aber natürlich das Beste für euch!

    Im Notfall wären andere Länder ja auch eine Option! Ich sag nur Schweden. *g* 😉

    • Ich finde halbtags arbeiten mit einem dreijährigen Kind eigentlich nicht so schlimm – allerdings schon, wenn die Mutter es eigentlich nicht machen möchte und es nur des Gelds wegen tut :/
      Vor einem Jahr hatte ich noch eine ganz andere Einstellung, aber in der letzten Zeit und als ich letzten Monat eine Freundin besuchte, die gerade Nachwuchs bekommen hat, habe ich auch schon ein bisschen an eigene Kinder gedacht… 🙂 Aber ich möchte auch noch viel mehr reisen (und erstmal zu Ende studieren und einen Job finden…) und schauen, wie sich die Beziehung eventuell verändert, und wo es überhaupt hingeht, letztendlich.
      War es für dich eigentlich immer klar, nach Japan zu ziehen, und du hast sozusagen „keine Sekunde“ gezögert?
      Irgendwie will ich meine Kinder später nicht auf eine japanische Schule schicken… v.v

      • Ich wollte erst mal nach dem Fachabi nur ein Jahr mit Working Holiday nach Japan, weil das schon immer das Land meiner Träume war und ich auch schon ewig Japanisch gelernt hatte (das war zwar echt begrenzt, aber gut). Außerdem wusste ich nicht, was ich nach dem Abschluss machen soll. Hätte ich meinen Mann nicht kennengelernt, wäre ich wahrscheinlich nicht wieder nach Japan gekommen. So mag ich Japan zwar sehr, ich könnte mir aber durchaus vorstellen mit meinem Mann in einem anderen Land zu leben. Nur eben nicht Deutschland. 🙂
        Mit japanischen Schulen habe ich nicht so das Problem. 🙂

    • Du, ich kenne doch die Problematik mit der wenigen Zeit. Genau deswegen warten wir doch. 😉 Wenn mein Mann es geschickt anstellt kommt er nämlich ins Büro und dann war’s das (größtenteils) mit „am Wochenende arbeiten“.
      Mit einem dreijährigen Kind halbtags arbeiten finde ich jetzt nicht so schlimm, das machen sehr viele Mütter bei mir auf Arbeit. Wir haben übrigens so einige, die ihre Kinder erst mit Ende dreißig oder vierzig bekommen haben, es sind also wahrscheinlich wir, die die Statistik herunterziehen. 😉

    • Kopf hoch! Meistens ergibt es sich doch, wenn man es am wenigsten erwartet..
      Ich hatte auch geplant nach Deutschland zurück zu gehen, mir eine schnuckelige kleine Wohnung zu suchen, zu arbeiten und schön viel Urlaub zu machen und das Leben zu genießen!
      Nebenbei nach einem Mann Ausschau halten und wenn sich was ergibt an die weitere Zukunft zu denken.
      Und jetzt hocke ich hier und esse seit Wochen Udon… (Ok, und selbstzusammengestellten Salat für die Vitamine..)
      Du reist doch viel, da kann sich doch was ergeben ^_-

      Nach 3 Jahren halbtags arbeiten ist für mich eigentlich normal… In Deutschland haben jetzt alle aus meinem Bekanntenkreis mit dem Kinderkriegen angefangen und jede Mutter ist nach 1 Jahr wieder arbeiten gegangen.
      Nur die Kolleginnen von der Behörde haben sich auf ihren 9 Jahren Mutterschaftsurlaub ausgeruht..

  4. Also ich finde die Denk art und weise von euch zweien sehr gut! :)…
    Zeit haben zu wollen für das Kind, wär auch mein großes Ziel :D…
    Aber das dein Japanischer Mann das auch unbedingt machen will hört sich echt gut an, man hört ja vom hören sagen, das in Japan ne recht hohe Selbstmordrate wäre, weil die Kinder sich vernachlässigt fühlen würden. (Sag ja hören sagen :P)
    Boah hast dus gut ich werde dieses Jahr schon 23 und studiere noch … mal sehn was in der Zukunft noch so alles passiert *lach* 😀

  5. Liebe Claudia,

    ich würde dich gerne etwas fragen. Woran glaubst du, liegt es, dass japanische Mütter erst mal für mehrere Jahre zuhause bleiben? In Deutschland ist es ja ganz normal, 1 Jahr nach der Geburt wieder zu arbeiten, da sich die meisten Familien den Ausfall eines Gehalts nicht leisten können und viele Frauen eben auf längere Sicht nicht „nur“ Mutter und Hausfrau bleiben möchten. Ist das in Japan so anders?
    Mein Freund ist Japaner, wir leben allerdings beide in Deutschland und haben auch vor, hier zu bleiben und eine Familie zu gründen. Er meint, die Kinderbetreuung bis zum Schulbeginn in Japan wäre einfach nicht ausreichend. Danach würden die Kinder allerdings einen Großteil ihres Tages in der Schule verbringen und mit Hausaufgaben sowie Club-Aktivitäten beschäftigt sein.

    Übrigens: dein Blog ist super! Bevor ich meinen Freund kennenlernte, habe ich mich überhaupt nicht für Japan interessiert. Das hat sich nun natürlich geändert und da ich selbst noch nie da war, versuche ich nun so viele Infos wie möglich über Land und Leute aus dem Internet aufzusaugen.

    Liebe Grüße

    • Hallo lio,

      Was ich immer wieder höre, ist, dass Kinder oft erst im Kindergarten (幼稚園, Yôchien) anfangen in irgendeine Einrichtung zu gehen. Der Kindergartenbesuch beginnt hier im Alter von 3 Jahren. Davor ist es oft gar nicht so einfach, Betreuung für die Kinder zu finden, die auch noch bezahlbar ist.
      Da ist es finanziell manchmal einfacher, wenn Mama zuhause bleibt.
      Außerdem gehen viele Kindergärten zeitlich auch nicht so lang, wie wir es in Deutschland gewöhnt sind. Wenn beide Eltern Vollzeit arbeiten ist das nicht ganz so einfach. Wir haben natürlich auch einige Kinder, die jeden Tag wirklich lange im Kindergarten sind, aber die meisten Mütter bei uns arbeiten dann doch wenn dann nur Teilzeit.
      Dann muss man natürlich auch sehen, dass das hier erwartet wird. Die Möglichkeit seinen alten Job wiederzubekommen, nachdem man ein Jahr ausgesetzt hat, ist einem soweit ich weiß auch nicht gesetzlich gesichert. Ist alles nicht ganz so einfach 🙂

  6. Pingback: Von der Arbeitswelt meines Mannes. | 8900 km. Berlin ⇔ 東京

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