Ein Jahr später.

Vor etwas über einem Jahr ist mein Schwiegeropa gestorben. Über die Beerdigung schrieb ich damals schon.

Am Samstag war die 一回忌 (Ichikaiki, wird wohl auch 一周忌 (Isshûki) genannt) für ihn. Übersetzt heißt beides einfach „erster Todestag“, aber natürlich war es nicht nur das. Wir fuhren hinaus in den (buddhistischen*) Tempel, von dem wir schon den geistlichen Teil der Bestattung übernehmen lassen hatten. Bei unserer Ankunft regnete es ziemlich stark und der ganze Tempel war unglaublich kalt.

* Bei Japanern kann man einer einfachen Faustregel folgen: Alles was mit Leben (heiraten, Kinder segnen lassen, etc.) zu tun hat, wird in einem shintoistischen Schrein abgehalten, wenn jemand stirbt kümmert sich ein buddhistischer Tempel um alles.

Kurz nach unserer Ankunft wurden wir in den Hauptraum des Tempels geführt, wo ein Mönch Kontakt mit dem Totenreich aufnahm und wir für den Großvater beteten. Das war an sich recht unspektakulär, zumal der Ablauf des Betens (vor der Verwandtschaft verbeugen, vor dem Mönch verbeugen, hinsetzen und einmal die Hände zusammen und beten, dann drei Mal Asche mit den Fingern in Richtung Kopf führen und wieder ablegen, noch mal beten, aufstehen und vorm Mönch verbeugen, vor der Verwandtschaft verbeugen, setzen) genau wie bei der Beerdigung war.

Gekommen waren nur Onkel und Tante meines Mannes, meine Schwiegereltern, mein Mann und ich. Ich hätte gar nicht mitfahren müssen, aber warum nicht?

Nachdem wir uns wieder aufgewärmt hatten ging es weiter zum Familiengrab, das etwas vom Tempel entfernt liegt. Beim Tempel hatten wir zwei 卒塔婆 (Sotôba) bekommen. Das sind lange Holzbretter (wirklich mannshoch), auf dem der Name des Verstorbenen, der Name dessen, der das Sotôba bekommen hat (in unserem Fall der Name meines Schwiegervaters und seines großen Bruders) und das Jahr, in dem das Sotôba „ausgegeben“ wurde, vermerkt ist. Die beiden entsprechenden Sotôba vom letzten Jahr wurden gegen die neuen gewechselt, während natürlich die der Leute, dir nur bei der Beerdigung anwesend waren, am Platz verblieben. Neue Blumen bekam er auch ans Grab gestellt, und letztendlich nahmen wir alle nacheinander Räucherstäbchen, beteten und legten sie an einem dafür vorgesehenen Platz ab.

Der ganze Ablauf nahm nicht einmal eine Stunde in Anspruch, auch wenn es sich viel länger anfühlte.

Übernächstes Jahr wird die ganze Zeremonie nochmal anstehen, aber meine Schwiegereltern haben sich wohl dafür entschlossen, dass es dann auch gut ist.

10 Gedanken zu „Ein Jahr später.

  1. Sehr interessant!
    Danke, dass du diese Erfahrung mit uns teilst. Sowas bekomme ich natürlich nie mit, weil ich nicht in eine japanische Familie eingeheiratet habe! ^-^;

    Gehe ich richtig davon aus, dass alle Friedhöfe, die Sotoba haben, buddhistisch sind?

  2. Ja, ist eine interessante Sache. Kam auch schon in den Genuss mehrerer 御法事, wie es viele auch zu nennen scheinen.
    Interessant ist auch das Schema: Nach jeweils 2, 6, 12, 16, 22, 24, 26, 33, 36 und 49 Jahren wird ja ein Auffrischungsgebet fällig, ansonsten halt die alljährliche Grabpflege, vornehmlich im August zur O-bon-Zeit.

    • Ich habe immer das Gefühl, dass das alles unglaublich viel Geld verschluckt… Meine Schwiegereltern meinten, dass es nach drei Jahren dann auch genug ist, sie also nicht mehr die restlichen Zeremonien mitmachen werden.

      • Die Beerdigung kommt in Japan sicher auch auf einige tausend Euro, oder nicht? Immerhin kann man die Leute da gut abzocken.

      • Man kommt ja als Hinterbliebener kaum drum herum. Entweder man zahlt ordentlich oder der Tote bekommt ein Armenbegräbnis. Wer will sich sowas nachsagen lassen? Gesellschaftliche Verpflichtung. 😉

  3. Ich musste das alles auch schon durchmachen – selbst vor der Heirat!
    Die Beerdigung an sich war schon echt zermürbend. Auf diesen Jährlichen Zeremonien war ich auch schon. Noch mal möchte ich nicht 😦

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