Wie man kleine Mädchen (mich) zum Weinen bringt.

Da ich über deutsche Behörden gern lästere, eine kurze Geschichte vom Anfang des Jahres.

Als ich in Japan geheiratet habe, hat sich mein Nachname nicht automatisch geändert. Dafür bin ich mit allen Dokumenten, um gleichzeitig auch die Ehe anzumelden, zum Standesamt in Deutschland gegangen. Leider war die nette Mitarbeiterin, die mein Ehefähigkeitszeugnis, das ich zum Heiraten brauchte, ausgestellt hatte, nicht da, und so geriet ich an ihre grantlige Mitarbeiterin.

Grantina: Also, den Namen kann ich Ihnen nicht ändern, und sowieso machen wir das heute gar nicht!

Ich: Warum können Sie das nicht ändern?

Grantina: Na da brauchen wir erstmal eine Apostille, dass das Ausgangsdokument authentisch ist, und Ihr Mann muss der Namensänderung zustimmen. Sonst geht das nicht.

Ich: Ich habe gelesen, dass es ein Abkommen gibt, wegen dem man keine Apostille braucht.

Grantina: Da kann ich Ihnen nicht helfen.

Ich war also gerade aus Japan wiedergekommen, wo ich auch schon Probleme mit der deutschen Botschaft hatte, denn die war einfach nach Osaka geflohen, und jetzt machte mir die grantige Frau noch zusätzlichen Stress, von dem ich wusste, dass er unnötig war. Vor dem Tisch der Beamtin schrumpfte ich auf fünf Jahre zusammen, und fühlte mich sehr hilflos – nichts, was ich sagte, konnte Grantina umstimmen, und ich musste mich beugen. Nicht einmal Tränchen konnten die harte Schale der Grantina, gestählt von dreißig Jahren im Standesamt, erweichen.

Bei einem Telefongespräch mit einer Mitarbeiterin der japanischen Botschaft wurde mir versichert, dass man das noch nie gehört habe, dass eine Apostille benötigt würde, aber da müsste jemand in Japan mit den Dokumenten zu einem japanischen Amt gehen. Also stecke ich pflichtbewusst alle Dokumente und eine Erklärung für meinen Mann zum Unterschreiben, dass bitte mein Name sofort geändert werden soll, in einen Briefumschlag.

Drei Tage später ein Anruf aus dem Standesamt, die nette Mitarbeiterin, die mir vorher schon geholfen hatte, am anderen Ende der Leitung.

Nettina: Ich bin grad erst von einer Weiterbildung zurückgekommen und habe mit der Kollegin gesprochen, und was die Ihnen erzählt hat stimmt ja sogar nicht. Natürlich können wir Ihren Namen ändern!

Ich: Eh?

Nettina: Die Apostille braucht man nur, wenn Zweifel an der Authentizität der Papiere hat, und die sind bei Ihnen absolut unnötig.

Ich: Ich habe die Dokumente jetzt schon nach Japan geschickt. Was soll ich jetzt machen?

Nettina: Lassen Sie sich das zurückschicken und machen Sie dann einen Termin bei mir und wir regeln das.

Und so dauerte es zwei Wochen länger meinen Namen zu ändern, als ich mir das gedacht hatte. Warum diese zwei Wochen so wichtig brauchte? Weil ich einen neuen Pass brauchte um mein Visum zu beantragen, und das Visum um nach Japan zu fliegen. Das Visum sollte auf meinen neuen Nachnamen ausgestellt werden, damit ich nicht in Japan auf Japanisch Probleme haben würde. In der Situation hing also sehr viel davon ab, was die gute Frau Grantina auch wusste, und sie konnte sich nicht herablassen einmal in eines der vielen Handbücher zu sehen. In denen steht so etwas nämlich.

Dieses Bittstellerdasein in Deutschland geht mir noch mehr auf den Senkel, seit ich im japanischen Bürgeramt nur gut behandelt werde. Irgendwie funktioniert alles, auch wenn es manchmal länger dauert. Niemand erzählt mir irgendetwas, nur damit mein Fall abgehakt ist, sondern es wird herumgesucht und nachgefragt. Ich weiß natürlich nicht, ob das in allen Situationen so ist, aber ich fühle mich weniger kleingemacht als in der Heimat, und das ist mir viel wert.

Ein Gedanke zu „Wie man kleine Mädchen (mich) zum Weinen bringt.

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