Herr Detektiv.

Am Tag vor der Hochzeit komme ich um sieben ins Haus der Schwiegereltern, in dem mein Mann und ich derzeit übernachten. Keiner ist da. Um halb neun kommt meine Schwiegermutter nach Hause. Sie war mit dem Göttergatten essen, jetzt möchte dieser allein noch etwas trinken. Nach einer Stunde ruft er an.

Er: Wo bist du?

Ich: Zuhause.

Er: Warum hast du nicht angerufen?

Ich: Deine Mutter sagte du machst einen auf Detektiv, da wollte ich nicht stören.

Er: Ja, na dann… Ich trinke noch ein wenig.

Um halb elf ist es mir zu bunt, morgen muss ich früh aufstehen. Ich schreibe eine E-Mail.

Ich: Wo bist du?

Er: In einer Bar.

Ich: Ist es ok, wenn ich schlafen gehe?

Er: Gute Nacht!

Um zwei Uhr Nachts geht plötzlich das Licht an. Der Göttergatte ist wieder zuhause.

Ich: Wo warst du?

Er: Trinken.

Ich: Du bist doch blöd. Gute Nacht.

Am nächsten Tag hat der Göttergatte Kopfschmerzen und Aua, ein typischer Kater. An seinem Hochzeitstag. Das hält ihn übrigens nicht davon ab, total aufgeregt zu sein. Später erzählen mir seine Eltern, dass das nicht das erste Mal ist, dass er vor einem großen Event zu lange wegbleibt.

Na das kann ja heiter werden.

Hochzeitsnachlese.

Meine Eltern sind wieder in Deutschland, das Wochenende ist verbracht, da kann ich mal wieder einen Eintrag verfassen.

Am Hochzeitstag sind wir alle ganz früh aufgestanden, um zum Friseur zu gehen und uns die Haare hochstecken zu lassen. Weil wir gleichzeitig noch geschminkt wurden, dauerte die ganze Prozedur über drei Stunden. Dafür sahen wir aber auch ziemlich gut aus. Dann weiter zum Schrein und umziehen lassen. Einen Kimono kriegt man als ungeübte Person nicht allein angezogen, weswegen wir zwei sehr nette Damen hatten, die uns dabei geholfen haben. Eine hat uns auch die ganze Zeit begleitet, damit nichts verrutscht, und damit ich anständig laufen kann.

Nun sieht so ein Hochzeitskimono natürlich sehr sehr schön aus, tut aber leider auch sehr sehr weh. Anfangs dachte ich, ich würde ersticken, weil verschiedene Lagen so eng um meinen Brustkorb geschlungen waren, dass mir das Atmen sehr schwer fiel. Aber wozu atmen, wenn man schön aussieht? Nach einiger Zeit tat es nicht mehr ganz so weh, beziehungsweise war es mir einfach egal. Der Göttergatte war auch ziemlich eingeschnürt, vor allem am Bauch, ertrug das aber viel gefasster als ich.

Die Zeremonie verlief wie geplant, mit nur einem kurzen Leseproblem von Seiten meines Mannes, und nach ca. fünf Stunden durften wir uns wieder in überlebensfreundliche Gewandung werfen um zum großen Festgelage aufzubrechen. Das dauerte dann nicht so lang wie erwartet, und so konnten wir relativ früh ins Bettchen fallen – nachdem ich (nicht erfolgreich) versuchte die toupierten Haare wieder schön zu bekommen. Das hat dann am nächsten Tag die Friseurin erledigt…

Insgesamt war es eine sehr schöne Erfahrung, auch weil meine ganze Familie Kimono oder Hakama getragen hat und wenn ich schon einen Japaner heirate, kann ich doch bitte auch eine traditionelle Hochzeit haben. Eine Hochzeitsfeier mit Kleid gibt’s nächsten März in Deutschland, mal schauen wie eng ich da eingewickelt werde. Vielleicht brechen ja nächstes Mal die Rippen, die dieses Mal nur wehgetan haben.

Das große Aufräumen.

Morgen kommen meine Eltern und meine Schwester nach Japan. Also hoffentlich, denn sie fliegen mit Aeroflot. удача! (Danke Google-Übersetzer.)

Die eineinhalb Wochen werden die drei in meiner Wohnung übernachten, während mein Mann und ich in sein Elternhaus umziehen. Das ist praktischer und vor allem günstiger, als ein Hotel zu buchen.

Am Samstag ist unsere Hochzeitszeremonie und am Montag fahren wir mit allen für drei Tage nach Kyoto und Nara. In beiden Städten war ich schon einmal mit meinem Mann, in Kyoto im Frühjahr 2009 für zwei Tage und in Nara im März diesen Jahres, auf dem Weg zurück von Osaka.

Kyoto war recht anstrengend, weil wir in zwei Tagen sehr viele Tempel gesehen haben. Trotzdem finde ich die Stadt recht schön, und hey – Weltkulturerbe. In Nara gibt es hauptsächlich Rehe. Die sind heilig und leben schon länger in dem Gebiet, als es die Stadt gibt, sind zahm und wollen essen. Sie sind natürlich auch so fluffig, und betteln dermaßen, dass man ihnen was gibt. Schnorrer-Rehe!

Wir fahren übrigens mit dem Shinkansen, dem japanischen ICE. Der Shinkansen ist notorisch schnell und pünktlich. Die über 450 Kilometer werden wir innerhalb von zweieinhalb Stunden hinter uns lassen. Mein Vater ist ein großer Fan des Shinkansen, ich bin schon mehrmals damit gefahren und verbringe die Zeit am liebsten schlafend. Schlimmer sind nur Flugzeug und Schiff.

Dennoch, ich freu mich drauf. Mal wieder mit der Familie zusammen sein und Tokyo hinter sich lassen, wenn auch nur für drei Tage.

In der Zwischenzeit wird es hier wenn, dann nur vorbereitete Beiträge geben. Bis denne!

Adidas CP80S MTA.

Der Göttergatte ist ziemlich speziell in seinem Schuhgeschmack. Erstens trägt er (in seiner Freizeit) nur Adidasschuhe. Zweitens nur zwei verschiedene Modelle, Campus und Samba (bzw. die alten Universals). Sein Paar blauer Campus 2 ist inzwischen grau, dreckig und nicht mehr zu gebrauchen, weswegen wir die letzten Wochen sporadisch auf der Suche nach neuen Schuhen waren. Vorgestern fanden wir Schuhe, die ihm gefielen, und die es nur bei Mita Sneakers zu kaufen gab (gibt).

Mita Sneakers ist ein (1) Sneaker-Laden in Ueno (Tokyo), der aus irgendeinem Grund arg bekannt zu sein scheint und immer wieder Spezialversionen von Sneakern in Kollaboration mit bekannten Firmen herausbringt, die dann nur in diesem einen Laden (oder im Internet per Vorbestellung) zu haben sind. In Berlin gibt es wohl auch einen Adidas Concept-Store, der die Schuhe bekommt, was dann nicht mehr ganz so „Japan Exclusive“ ist. Aber man kann ja nicht alles haben.

Der Verkauf der Adidas CP80S MTA begann am 1.10., also genau dem Tag, an dem wir die Schuhe zum ersten Mal sahen. Auf nach Ueno, Schuhe anprobieren, Schuhe kaufen, glücklich sein. Am liebsten hätte der Göttergatte noch die graue Version im Regal stehen, aber die gibt es nur bis zu einer Größe von 29 cm, das ist zu klein. Er braucht mindestens 29.5 cm, damit seine Riesenmonsterfüße sich wohl fühlen und frei atmen können, alles andere kommt Freiheitsberaubung gleich.

Aber egal, ein Paar Schuhe mehr muss reichen. Leider hat er jetzt eigentlich kein Paar Schuhe mehr, dass er einfach so anzieht. Wenn sie kaputt gehen, ist der Ersatz einfach zu schwer zu beschaffen. Demnächst suchen wir also ein absolut generisches Paar Sneaker, das dem Mann gefällt, man aber an jeder Straßenecke kaufen kann.

(Falls jemand Paralellen zu kleinen Kindern sieht, denen man, wenn ein Spielzeug kaputt geht, genau dasselbe noch mal kaufen muss, weil sie sonst weinen – mein Mann ist natürlich absolut gar nicht so. Niemals.)