Taifun Nummer 15.

Wie viele in den Nachrichten gelesen haben dürften, ist heute mal wieder Taifun-Zeit in Tokyo. Normalerweise drehen Taifuns vor der Hauptstadt instinktiv ab, denn mit uns will nicht mal eine Naturgewalt etwas zu tun haben. Diesmal ist das anders.

Während im Spiegel von Taifun „Roke“ geredet wird, nennt ihn hier keiner beim Namen – der ist einfach die Nummer 15 diesen Jahres. Daran erkennt man vielleicht auch, dass wir das öfter mal haben. Dann windet und stürmt es, ein paar Bahnen bleiben stehen und wir verkriechen uns in der Wohnung.

Heute ist das ein wenig extremer, es stürmt wirklich, fast alle Bahnen der JR (das ist der Großteil der überirdischen Linien) stehen und mein Schirm war dem Ansturm der Regentropfen nicht gewachsen. Ich bin zum Glück noch nach Hause gekommen, bei meinem Mann ist das anders, der gurkt noch in der Umgebung herum und versucht nach Hause zu kommen.

Sogar unsere Hausverwaltung macht sich scheinbar Sorgen um uns, heute lag ein Brief von ihnen im Briefkasten. Man hofft, dass wir alle gesund sind. Es könnte sein, dass die Tiefgarage vollläuft. Es könnte übrigens auch sein, dass Flüsse überlaufen.

Leider hält der Spuk nur bis Mitternacht, ist also keine Ausrede, um der Arbeit fern zu bleiben – dafür ist Freitag Feiertag (Herbstanfang) und ich kann ein langes Wochenende genießen.

Wenn es ein Problem gibt, ruf an.

Nach langer Zeit waren der Göttergatte und ich mal wieder im Kino und haben 探偵はBARにいる (Tantei ha Bar ni iru) gesehen. Der Grund ist ein ganz einfacher: Mein Mann ist ein großer Fan von 大泉 洋 (Oizumi You), der japanischen Stimme von Professor Layton und Mitglied der (inzwischen über zehn Jahre alten) Variety-Show 水曜どうでしょう (Suiyou dou deshou; How do you like Wednesday?), die mein Mann vergöttert. Auf jeden Fall, auf zum Film!

 

©東映

探偵はBARにいる Tantei ha BAR ni iru (2011) (Trailer)

 

Regisseur: Hashimoto Hajime

Darsteller: Oizumi You, Matsuda Ryuuhei, Koyuki

Oizumi spielt einen in Sapporo lebenden Detektiv, der in Verweigerung der Moderne jeden Abend in der Bar „Keller Ohata“ per Telefon zu erreichen ist. Eines Tages erhält er von einer Unbekannten den Auftrag in einer Firma nach einer bestimmten Person zu fragen. Die scheint unbekannt, doch kurz darauf findet sich der Detektiv unter einer Schneedecke wieder und erhält weitere Anrufe von der unbekannten Frau, die ihn bittet, weitere Nachforschungen anzustellen. Die Geschichte wird immer größer, bis die Fäden endlich zusammenführen.

Persönliche Meinung: Der Film macht Spaß, auch weil er die ernste und teils auch gewalttätige Handlung immer wieder mit diversen Absurditäten auflockert und einem die Charaktere ans Herz wachsen lässt. In der Darstellung erinnert der Detektiv ein wenig an Sherlock Holmes, sogar mit eigenem, schlagkräfitgen, Sidekick namens Takada. Der Detektiv trinkt und amüsiert sich, nutzt auch Methoden die nicht ganz blütenrein sind, es scheint aber immer durch, dass er herzensgut ist, während man bei anderen Figuren nie ganz sicher sein kann, auf welcher Seite sie stehen. Ein Film zum Miträtseln, der bis zum Schluss spannend bleibt. Eine Fortsetzung ist bereits angekündigt.

Glitzerglitzer, 80 Yen.

Meine Schwiegermutter hat mich wegen dem Vorfall vom Mittwoch gestern und vorgestern vom Bahnhof abgeholt und nach Hause gebracht. Zwischendurch sind wir zur Post gegangen, weil ich ein Paket aufgeben musste.

Und da waren sie, die absolut japanischsten Glitzerbriefmarken aller Zeiten, für nur 80 Yen pro Marke. Meine Schwiegermama hat sie für mich gekauft, jetzt muss ich mich nur noch überwinden, sie auch noch zu verwenden.

Freunde.

Es war damals, als ich 2008 nach Japan gekommen bin, genauso schwierig Freunde zu finden, wie jetzt. Damals hatte ich das Glück, dass eine Bekannte in Tokyo einen Sprachkurs belegt hat, und ich viele Sprachschüler kennengelernt habe. Da war ich also, in Japan, umgeben von vielen Schweden*, und sprach Englisch.

* Die Schweden haben ein Programm, bei dem sie vom Staat Geld leihen können, wenn sie im Ausland eine Schule besuchen.

Auf Arbeit wurde Deutsch und Japanisch gesprochen, und mein Japanisch verbesserte sich kaum. Japanische Freunde habe ich auch nicht gefunden, vielleicht hatte ich einfach Pech oder zu wenige Möglichkeiten jemanden kennen zu lernen. Fremde ansprechen kommt in Japan noch komischer, als in Deutschland, vor allem wenn man Ausländer ist.

Dann wechselte ich den Beruf, und plötzlich wurde zwar ausschließlich Japanisch und Chinesisch gesprochen, aber ich war von älteren japanischen Damen und marginal jüngeren Chinesinnen umgeben. Die machten sich als Freunde nicht all zu gut, und mein Japanisch verbesserte sich zwar, war aber noch immer relativ schlecht.

In diesem Jahr habe ich auch im weiteren Verlauf keine Freundschaften mit Japanern geschlossen, außer mit dem einen, mit dem ich jetzt verheiratet bin. Das Problem ist, dass man als minder qualifizierter Ausländer oft an Jobs kommt, in denen viele andere Ausländer arbeiten, was nicht besonders hilft, wenn man Japaner treffen will.

Dieses Mal habe ich im Vorfeld verschiedene Leute gefragt, ob sie nicht jemanden in Tokyo kennen, und treffe mich unregelmäßig mit diesen, mir vorgestellten, Japanern. Mit einer wird das glaube ich noch was ganz Gr0ßes, aber sie hat kaum frei. Der nächste Schritt wäre, andere Leute kennen zu lernen, über diese Leute, aber das dauert noch ein wenig. Ihr werdet sehen, in zehn Jahren, da habe ich mindestens fünf Freunde!

Zusammenfassend wäre zu sagen, dass ich es nicht leicht fand oder finde, Freunde zu finden. Das ist aber auch nicht unbedingt meine Spezialität und war es noch nie, deswegen geht es anderen da sicher ganz anders.

Horrorgeschichten am hellichten Tag.

Heute ist mein halber Hochzeitstag. Mein Mann und ich sind seit sechs Monaten verheiratet. Leider können wir aber heute nichts unternehmen. Also schon mal keine gute Voraussetzung, damit dieser Tag doch noch total super wird.

Arbeit ist anstrengend, die Kinder hören nicht (sind ja auch noch ganz klein), ich bin also total fertig, als ich endlich nach Hause fahre. In der Nähe des Heimatbahnhofes gibt es zwei Conbini (24-Stunden-Läden), ich gehe also in einen, nehme mir was zu Essen, nehme mir was zu Trinken, stelle mich vor die Zeitschriften, finde aber nichts, als mich plötzlich jemand an die Schulter tippt.

Und ich einen mir vollkommen unbekannten Typen erblicke, der aber wahrscheinlich so alt ist wie mein Mann, also zwei Jahre älter als ich.

Ich: Was?

Er zeigt mir sein iPhone, er hat geschrieben: Hilf mir.

Ich: Warum?

Er schreibt, ich warte, könnte ja sein, dass irgendwas Schlimmes ist, ich bin da sehr gutgläubig.

Sein iPhone: Ich habe kein Geld.

Ich: Du, ich habe auch kein Geld.

Und ich gehe zur Kasse, bezahle, und laufe nach Hause.

Während ich nach Hause laufe, tippe ich auf mein Handy ein, das war dann doch eine sehr komische Situation. Ich will mich grad darüber beschweren, dass er mich nicht richtig angesprochen hat, und außerdem ein iPhone 4 hatte, als ich wieder angetippt werde.

Er: Lass uns Freunde werden.

Ich: Das ist jetzt ein bisschen…

Er: Nein?

Ich: Nein.

Und laufe ganz schnell nach Hause, gucke mich aber um, bevor ich das Haus betrete. Nachher weiß der noch, wo ich wohne.

Nun frage ich mich natürlich, warum hat der ausgerechnet mich angesprochen? Ich bin Ausländerin, es könnte also sein, dass ich gar kein Japanisch verstehe. Ich hätte auch einfach so tun sollen, als ob…