Der Feind lauert vorm Fenster.

Es ist, noch immer, Sommer. Über den japanischen Sommer habe ich ja bereits gemeckert, aber über das fast Schlimmste habe ich noch gar nicht berichtet: Singzikaden.

Das fette Viech auf dem Foto saß übrigens auf meinem Balkon, aber die verirren sich auch gern in meine Wäsche (und sind dann unfähig sich aus den Maschen der Handtücher zu befreien).

Ich habe den Wikipedia-Beitrag nicht gelesen, deswegen weiß ich nicht, warum die einen dermaßenen Krach veranstalten, aber ich gehe einfach davon aus, dass es um Sex geht. Alles nur stumpfe Angeberei auf meinen Kosten. Ich habe sogar versucht, das Geräusch für euch aufzunehmen, aber meine Kamera hat die Töne aus Selbstschutz nicht ordentlich aufgenommen. Hier ist mein Versuch, die Geräusche sind übrigens fast ausschließlich durch die kleinen Biester entstanden, denn unsere Wohnung liegt sehr ruhig. Mit Fenster zu einigen Bäumen, wo die Zikaden wohl bis zum bitteren Ende ausharren werden.

Nachts sind sie übrigens ruhig, so dass man schlafen kann, aber ansonsten habe ich hier ständige Lärmbelästigung. Wären sie wenigstens hübsch anzusehen….

Asakusa.

Der Göttergatte und ich waren vor einigen Wochen in Asakusa. Das ist quasi um die Ecke, von unserer Wohnung aus braucht man nicht mehr als eine halbe Stunde um zu diesem Touristenmagneten zu gelangen.

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Mit dem Sensō-ji (浅草寺) steht der älteste buddhistische Tempel Tokyos in Asakusa, inklusive einer langen Einkaufsstraße mit allerlei Souvenirs für allerlei Touristen, deren Dichte dort um einiges höher ist als im Rest der Stadt. Auf den Omikuji (おみくじ) wird einem das Schicksal sogar auf Englisch erläutert. Wir hatten dieses Mal Glück, und werden auf immer glücklich sein. Und ja, es gibt auch Orakelzettel mit schlechten Vorhersagen.

Um den Tempel herum finden sich auch viele Läden für Yukata und Kimono, in denen man mehr oder weniger erschwinglich solch ein Stück Stoff erwerben kann. Außerdem: Japanische Süßgikeiten, ein Thema, zu dem ich irgendwann einen sehr ausführlichen Eintrag schreiben muss.

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Was viele Leute fasziniert, wenn sie das erste Mal nach Japan kommen, sind die Repliken in Restaurantauslagen, durch die man sich ein Bild vom angebotenen Essen machen kann. In Asakusa gibt es die Läden, die diese Samples verkaufen. Täuschend echt, und auch zum Mitnehmen als Schlüsselanhänger und Magnet.

SAMSUNGDie Plastikgerichte, die von Ladeninhabern gekauft werden, sind übrigens meist handgefertigt, um auch wirklich das Essen des Geschäfts zu reflektieren, und kosten teils über 200€.

Wir waren übrigens in Asakusa, weil wir von den Großeltern meines Mannes eine Übernachtung in einem schönen Hotel geschenkt bekommen hatten, und so übernachteten wir in einem Hotel mit Blick auf den Skytree, den neuen Funkturm, der sich derzeit im Bau befindet.

Derzeit werden noch Arbeiten am Interieur vorgenommen, und ab dem kommenden Frühjahr sollte man hochfahren können. Mit 634 Metern Höhe, wogegen der Tokyo Tower mit 333 Metern recht klein dasteht, dürfte man von dort einen schönen Ausblick genießen können. Vielleicht sieht man sogar den Göttergatten und mich winken, wenn wir am Edogawa-Fluss sitzen, aber das ist eher unwahrscheinlich, denn wenn man dabei erwischt wird, wie man in eine unbestimmte Richtung winkt, wird man meist für bescheuert erklärt. Schade.

Die finale Entscheidung.

Wir waren gestern beim Kimono-Verleih. Verleihe gibt es in sehr teuer und sehr günstig, wir waren bei einem günstigen, der von einer versicherungsähnlichen Gesellschaft betrieben wird. Während man normalerweise gern 150 000 Yen (1 360€) Ausleihgebühr für den Kimono der Braut zahlen muss, liegt der Betrag für uns bei ca. 40 000 Yen (360€). Ich habe keine Ahnung was bei einem teuren Verleih anders ist, ich habe mich auf jeden Fall nicht gefühlt, als würde ich minderwertigen Service oder eine sehr kleine Auswahl bekommen. Leider sind wir etwas spät dran mit dem Reservieren, deswegen war einiges schon weg, aber damit kann ich leben.

Ich hatte vor einigen Wochen schon einmal über die japanische Hochzeit und 打掛 (Uchikake)-Kimonos geschrieben, den Eintrag findet man hier. Nun ist das ja wunderschön und alles, aber als ich gelesen habe, dass man auch 引き振り袖 (Hikifurisode) tragen kann, war für mich eigentlich schon klar, dass es das werden würde.

Anders als beim Uchikake wird der farbige Kimono nicht wie ein Mantel über dem weißen Kimono getragen, sondern der Obi (quasi der Gürtel des Ganzen) wird über dem farbigen Kimono gebunden, wodurch, finde ich, ein schöneres Bild entsteht, da die ganze Chose in sich geschlossen ist.

Die ganze Chose besteht aus einem Untergewand, das am ehesten an Krankenhauskleidung erinnert, einem weißen Unterkimono mit verstärktem weißen Kragen (was ich auf dem Foto trage ist nur zum Anprobieren gedacht, sonst würde man nie fertig werden), dem farbigen Kimono und diversen Obi-Zutaten, von denen ich nicht die geringste Ahnung habe. Auch hier wurde fürs Anprobieren ein vorgefertigter Klettverschlussobi mit Ansteckschleife verwendet, da das Obifalten und -binden an sich den schwersten Teil des Ganzen darstellen dürfte. In Wirklichkeit hält übrigens nicht der Obi die Form des Kimonos, sondern zwei Stoffbänder, die darunter versteckt werden. Vom Gefühl her darf man sich das auch gern ein wenig wie Korsettschnüren vorstellen, weswegen ich vorm Festessen in ein normales Kleid wechseln werde.

Beim Verleih habe ich mir drei Kimonos aus dem Katalog ausgesucht, um sie anzuprobieren.. Ursprünglich wollte ich unbedingt einen roten Kimono ausleihen, weil das Glück symbolisiert, aber die Farbe gab es fast nur bei den Uchikake-Kimonos, und die zwei roten Hikifurisode-Kimonos verblassten (verbließen?) zwischen den anderen, weswegen ich mir zwei weiße Modelle und ein schwarzes aussuchte. Die Mitarbeiterin des Verleihs war übrigens absolut hilfreich und freundlich, und hat für jeden Kimono extra nachgeguckt, ob der für den fraglichen Zeitraum schon verliehen ist – auf ellenlangen, handgeschrieben Listen.

Den weißen Kimono, den man auf dem Foto sieht, finde ich übrigens unglaublich schön, mit den vielen bunten Blumen wirkt er recht jugendlich und fröhlich. Mein rechtes Pfötchen hät übrigens den Kimono fest, was man auf dem Foto sieht ist der Modus, in dem man sich tatsächlich bewegen kann. Lässt man den Stoff zu Boden sinken kann man als Laubfeger doublen, denn die Kimonos sind lang und nur zum schön aussehen gedacht. Für den Sommer sind sie auch nicht geeignet, denn trotz Klimaanlage war mir nach einiger Zeit sehr warm. Da muss man dann wohl durch, zum Glück findet die Zeremonie im Oktober statt.

Wenn der Kimono nicht angehoben wird, kann ich mich darin nicht einmal selbstständig umdrehen, ohne Angst um den Stoff zu haben. Der schwarze Kimono ist übrigens der, für den ich mich letztendlich entschieden habe, nicht zuletzt weil eine penetrante Stimme neben mir meinte „Ja klar, den schwarzen nehmen wir! Schau doch mal, der ist total toll!“. Der Göttergatte hatte sich um einiges schneller als ich festgelegt. Zwar werden auch die Mütter schwarze Kimonos (mit Muster) tragen, aber das ist nur am unteren Rand und daher vom Eindruck sehr anders.

Was man auf dem Foto vielleicht nicht ganz so gut sieht, ist der Hase in der unteren Mitte. Dieses Jahr ist das Jahr des Hasen. Das ist vielleicht einer der schlechteren Gründe, warum ich mich letztendlich wirklich für diesen Kimono entschieden habe, ein anderer wäre auch noch, dass er auf Fotos wirklich gut aussieht. Denn was bleibt letztendlich übrig, außer Erinnerungen, die eh immer ungenauer werden? Fotos! Viele Fotos!

Batallion F-2, bereitmachen zum Stürmen!

Nein, es geht jetzt nicht um die japanische Armee. Ich war heute auf der Comiket. Das ist eine Großveranstaltung im Tokyo Big Site, bei der es hauptsächlich darum geht, selbstgezeichnete Manga an den Mann und die Frau zu bringen – aber meist an den Mann. Die ganze Aktion läuft mehrere Tage, mit wechselndem Angebot, das in riesigen Hallen an Ständen feilgeboten wird. Wer sich nun gemütliches Schlendern vorstellt, liegt falsch.

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Was dort auf dem Foto zu sehen ist, ist ein winzigkleiner Ausschnitt, und es sieht auf dem gesamten Gelände so aus. Am Freitag waren 160.000 Besucher auf der Comiket. Um da noch an die wichtigen Werke zu kommen, muss man früh aufstehen.

Zum Beispiel um fünf Uhr morgens, damit man sich ab sieben anstellen kann. Am Bahnhof angekommen gibt es ein ausgeklügeltes Leitsystem, mit dem man an verschiedene Orte geleitet wird, an denen man dann der Eröffnung der Comiket harren darf. Da das Gelände erst um zehn Uhr öffnet, hat man viel Zeit um sich zu langweilen und sich den Nacken zu verbrennen – ab vormittags  haben wir derzeit 32°C, ohne Wolken und mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Wie viel man schwitzen kann ohne zu sterben ist auch gut zu wissen… Die freiwilligen Helfer haben aber immer wieder nachgefragt, ob es allen gut geht (und uns gebeten doch bitte nicht auf dem Gelände umzufallen, das wäre zu viel Aufwand) und uns dann in Abteilungen angewiesen aufzustehen und, nach einer weiteren halben Stunde, uns auf den Eingang zu zu bewegen. Leider waren im Big Site nur noch mehr Menschen, da hat sich der halbe Dauerlauf nicht so ganz gelohnt.

Unser Problem war, dass wir eigentlich keinen Plan hatten. Es gibt jedes Jahr einen Katalog für 2000 Yen (18€), der einem den Weg durchs Getümmel weist, aber keiner von uns hatte einen gekauft. Dieses Jahr haben übrigens 34932 Zirkel ihr Glück versucht. Einige wenige produzieren ellenlange Schlangen, in denen man mindestens eine Stunde steht, viele sind von der Qualität einfach eher ungenügend. Ein Großteil der Dōjinshi (Manga, die unabhängig erscheinen) beschäftigt sich bekannten Charakteren etablierter Manga und Anime in eher ungewöhnlichen Situationen, um es freundlich zu umschreiben.

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Normalerweise hätte ich wahrscheinlich mehr in diesen Gefilden gefischt, aber meine Begleiterinnen waren davon nicht so begeistert, weswegen wir etwas ziellos durch die Hallen irrten. Gekauft habe ich letztendlich ein Kinderbuch über einen Pinguin, zusammen mit Briefpapier und Folie (um Blätter abzulegen) und ein Heftchen und Postkarten von Illustratoren.

Außerdem ein Heft mit zweifelhaftem Inhalt, den ich nicht weiter ausführen will, denn dieser Blog soll schmutzfrei bleiben. Ich werde mich jetzt auch einfach damit rausreden, dass ich den Storyboard-Schreiber des Zirkels kenne, und das Heft geschenkt bekommen habe. Genau, ich hätte mir so etwas niemals gekauft!

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Cosplay gibt es übrigens auch, aber das war unglaublich überfüllt und ich kenne die ganzen neuen Serien nicht. Die Dame auf dem Foto fand ich trotzdem sehr interessant. Falls sie irgendjemand erkennen sollte, immer her mit Hinweisen.

Lehren aus diesem Comiket-Besuch:

① Nicht mehr zur Sommer-Comiket gehen. Ich war so nassgeschwitzt, es war einfach nur noch widerlich. Im Winter gibt es auch eine Comiket, die riecht besser.

② Vorher planen. Diesmal war ich absolut erschlagen von der schieren Unüberschaubarkeit des Angebots, dabei war ich bereits zum dritten Mal da. Nächstes Mal kaufe ich mir den Katalog, jawohl!

③ Falls ich nicht mir nicht unglaubich viel einplane, werde ich nie wieder so früh aufstehen. Um zehn Uhr am Big Site zu sein reicht vollkommen aus, am besten sogar noch später. Dann muss man immer noch anstehen, aber keine drei Stunden.

④ Sonnencreme. Eine Lehre, die ich auch in meinen Alltag einbinden sollte, denn ich habe T-Shirt-förmige weiße Stellen am Körper…

Film-Zeit.

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©アスミック・エース

西の魔女が死んだ Nishi no Majo ga shinda (2008) (Trailer)

Regisseur: Nagasaki Shunichi

Darsteller: Takahashi Mayu, Yuichi Kimura, Parker Sachiko

Mai will nicht mehr zur Schule gehen. Als sie das ihrer Mutter erzählt, beschließt diese, Mai für einige Zeit bei der englischen Großmutter auf dem Dorf (in Japan) unterzubringen. Ihre Großmutter lebt in einem alten Haus ein sehr einfaches Leben, ohne Fernsehen oder Waschmaschine. Sie erzählt Mai von Hexen, und Mai beschließt zu trainieren, um auch eines Tages eine Hexe werden zu können.

Persönliche Meinung: Ich habe das Buch vor kurzem gelesen, und fand es ganz interessant, was der Film anders gemacht hat. Der Film ist eher langsam, und fängt die Atmosphäre des Hauses der Großmutter sehr schön ein. Am Anfang habe ich mich ein wenig an der Darstellerin der Großmutter gestört, aber sie ist mir immer sympathischer geworden. Letztendlich geht es nicht nur darum, eine Hexe zu werden, sondern darum, wie Mai erwachsener wird und ihre eigenen Entschlüsse fasst.

©東宝

告白 Kokuhaku (2010, Deutsch: Geständnisse) (Trailer)

Regisseur: Nakashima Tetsuya

Darsteller: Matsu Takako, Kimura Yoshino, Okada Masaki, Nishii Yukito, Fujiwara Kaoru, Hashimoto Ai

Die Tochter der Mittelschullehrerin Moriguchi wird von zwei Schülern aus ihrer Klasse ermordet, doch die Polizei geht von einem Unfall aus, und die 13-jährigen Schüler sind noch nicht strafmündig. Also ersinnt sie einen Racheplan, um den beiden Schülern anzutun, was ihr angetan wurde.

Persönliche Meinung: „Geständnisse“ ist wirklich ein bitterböser Film, in dem man ständig neu einschätzen muss, wer in dem ganzen Geflecht nun eigentlich ein schlechter Mensch ist und wer nicht – falls es überhaupt gute Menschen gibt. Ständig tun sich neue Perspektiven auf, und werden wieder verschlossen, um letztendlich auf ein furioses Finale hinauszulaufen. Der Film ist teils unterkühlt, teils überdreht, wie seine Protagonisten. Der Film hat den Preis für den besten Film bei den „Awards of the Japanese Academy“ abgeräumt.

マザーウォーター Mother Water (2010) (Trailer)

Regisseur: Matsumoto Kana

Darsteller: Ichikawa Mikako, Kase Ryo, Nagayama Kento, Mitsuishi Ken, Motai Masako, Kana, Koizumi Kyoko

Sieben Menschen, darunter eine Café-Besitzerin, eine Bar-Besitzerin und die Besitzerin eines Tofuladens, treffen sich in Kyoto und gehen ihrer Dinge nach.

Persönliche Meinung: Die Zusammenfassung habe ich von Wikipedia übernommen, und falls jemand den Eindruck haben sollte, dass in dem Film ja gar nichts passiert – richtig. Eigentlich mag ich Filme, in denen nicht viel passiert, aber dieser Film hat das dann doch sehr ausgereizt. Das Thema scheint zu sein, wie das Leben weiterfließt, wie ein Fluss, den man nicht aufhalten kann, und die Charaktere sind auch alle grundsympathisch, aber es gibt so viele anfangene Geschichten, die nie weitergeführt werden, dass man das Gefühl hat an einem beliebigen Zeitpunkt in das Leben von sieben Fremden gesehen zu haben, die nicht die Absicht haben, irgend etwas von Bedeutung zu erzählen. Als der Abspann lief saßen mein Mann und ich nur davor und er sagte „Und das war’s jetzt? Hä?“. Ja, Hä?

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©メディア・スーツ

かもめ食堂 Kamome Shokudo (2006) (Trailer)

Regisseur: Ogigami Naoko

Darsteller: Kobayashi Satomi, Katagiri Hairi, Motai Masako, Jarkko Niemi

Sachie betreibt ein japanisches Restaurant in Helsinki, hat aber keine Gäste. Eines Tages trifft sie auf Midori, die durch Zufall nach Finnland gekommen ist, und einige Gäste finden sie im Restaurant ein. Später stößt auch Masako zu der Gruppe. Ihr Gepäck ist auf dem Flug Abhanden gekommen, und so fängt auch sie an im Restaurant zu arbeiten.

Persönliche Meinung: Mal wieder ein Film, in dem nicht viel passiert, wenn auch mehr als in „Mother Water“. Die Frauen stoßen aufeinander und nacheinander wird das Restaurant gefüllter, und sie freunden sich mit den Finnen an. Dennoch war das sehr langatmig, und letztendlich hat sich nicht viel verändert. Zwischendurch war ich versucht, den Film einfach auszumachen, habe dann aber bis zum Ende durchgehalten… Hätte ich mir auch nicht geben müssen.