Vom Inselstaat Nummer 48.

Japan ist ein Inselstaat. Das ist ein Fakt, auf den ich viel zurückführe. Japan ist recht viel mit sich selbst beschäftigt, das Ausland braucht man nicht unbedingt, außer natürlich wenn es um Lebensmittel geht.

Ganz gut merkt man das bei den Nachrichten, oder, wenn man sich die Musikcharts von Deutschland und von Japan ansieht. Während in den deutschen Single Chart Top Ten (ermittelt von Media Control) genau ein deutscher Musiker vertreten ist (Tim Bendzko – Nur noch kurz die Welt retten), gibt es in den japanischen Single Chart Top Ten (ermittelt von RIAJ) nur eine einzige internationle Künstlerin – Lady Gaga.

Wenn ich das Radio anmache läuft japanische Musik. Wenn ich MTV oder Spaceshower (ein toller Sendername, oder?) anmache, läuft japanische Musik. Internationale Musik wird teilweise in extra Programme gepresst, damit sie überhaupt statt findet. Als Gegenbewegung dazu wird derzeit koreanischer Pop immer beliebter. Das ändert an der musikalischen Landschaft zwar nicht wirklich etwas, aber die koreanischen Sängerinnen haben schönere Beine.

Genau wie auch in Deutschland zählt im japanischen Musikbusiness hauptsächlich eins – Aussehen. Das ist nichts Neues, und ich möchte es nicht einmal schlecht finden, aber teils nimmt es absurde Züge an.

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Asien liebt Boybands und Girlbands, als wären wir noch in 90ern. In Japan gibt es derzeit bevorzugt Massenbands. Wer braucht vier Bandmitglieder, wenn er 16 haben kann? AKB48 hat insgesamt 48 Mitglieder in drei Teams, und weil sie aus irgendeinem Grund unglaublich erfolgreich sind (trotz der Tatsache, dass ihre Lieder langweilig sind und sie alle gleich aussehen), gibt es natürlich Nachahmungstäter – teils vom selben Produzenten ins Leben gerufen. Wir haben also die erwähnten AKB48, SKE48, SDN48, NMB48, HKT48, und wahrscheinlich noch viele mehr, wobei die einzig erwähnenswerten wirklich AKB48 bleiben. Jeden Tag gibt es in Akihabara eine Show, wo man eins der drei 16-köpfigen Teams beim über-die-Bühne-hüpfen beobachten kann, sie bewerben verschiedenste Produkte (bei der Masse ist es wirklich, wirklich lächerlich) und sind auf unzähligen Zeitschriften für kleine und große Jungs, mal mehr und mal minder bekleidet, vertreten.

Angefangen hat das vielleicht mit Morning Musume, bei denen seit 1997 Mitglieder ausgetauscht werden als gäbe es kein Morgen, die aber auch aus neun Mitgliedern besteht. Anfangs sehr erfolgreich, nimmt die Popularität jedoch immer weiter ab. Nicht, dass ich hoffe, dass das bei AKB48 langsam auch mal passiert, aber es wäre doch schön, wenn wieder talentierte Bands in den Fokus gerückt werden würden – die Indie-Szene in Japan ist nämlich gar nicht zu verachten*!

* Hört Asian Kung-Fu Generation! Die sind nicht umsonst seit 15 Jahren dabei!

(Die Rechte an dem Foto von AKB48 liegen bei AKS.)

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