Zeige mir deine Pointcards …

… und ich sage dir, wer du bist. In Japan gibt es für alles Punkte- und Mitgliedskarten. Das dient wahrscheinlich der Kundenbindung, aber meine Schwiegermutter hat ein Täschlein mit über 50 Karten, durch das sie sich erst einmal arbeiten muss, bevor sie die richtige gefunden hat. Ich versuche es gering zu halten, und da ich im Moment eh nicht so viel Geld habe, bekomme ich nicht so viele Punktekarten aufgedrängt.

Fangen wir mal oben rechts an. Die Karte mit dem sympathischen Pinguin ist eine Suica, meine Fahrkarte. Anders als in Berlin gibt es an jedem Bahnhof Schranken (改札, Kaisatsu), die nur dem Eintritt gewähren, der auch tatsächlich eine Fahrkarte hat. Auf die Karte lädt man einen bestimmten Betrag, und fährt diesen nach und nach ab. Der Fahrpreis richtet sich nach der Entfernung. Man kann natürlich auch für jede Fahrt einzeln ein Ticket kaufen, aber das wäre mir nun wirklich zu nervig. Inzwischen kann man auch in vielen Läden mit der Suica (oder dem Gegenstück, Pasmo) zahlen, was manchmal ganz praktisch ist. Es gibt auch Möglichkeiten mit anderen Versionen der Karte Punkte zu sammeln, oder sie an seine Kreditkarte oder ans Handy (オサイフケータイ, osaifukeitai, wörtlich „Portmonnaie-Handy“) koppeln. Solchen neumodischen Quatsch mache ich aber nicht.

Die drei Karten darunter sind von verschiedenen Supermärkten, Y’Smart, OZ und Daie. Man bekommt in bestimmten Einheiten (meist pro 100 oder 200 Yen) Punkte gutgeschrieben, die man irgendwann verwenden kann, um einen Teil des Einkaufs zu zahlen. Ich kaufe also bei Daie für 20 000 Yen ein und bekomme 100 Yen Rabatt. Was absolut nicht viel ist, aber irgendwann… Die Karten sind übrigens kostenlos. Selbiges gilt für die Bic-Karte und die Gold Point Card von Yodobashi Camera, zwei Elektronikläden, und die Karte mit dem ominösen Hund, Kusuri no Fukutarou, einer Drogerie. Kinokuniya ist ein großer Buchladen, nur leider nicht in meiner Nähe, auch hier kann man Punkte sammeln.

Die blaue Karte mit dem gelben T ist meine Tsutaya-Karte. Tsutaya betreibt Bücher-, CD-, DVD-, und Spieleläden, wo man Punkte sammeln kann. Das bringt es übrigens nicht so wirklich, aber Tsutaya ist außerdem der Betreiber des größten DVD-, CD- und Manga-Verleihs hier, und ohne die Karte geht da gar nichts. Filme ausleihen ist übrigens verdammt billig, eigentlich läuft die Hälfte der Zeit eine Aktion, bei der man sich für 1 000 Yen, das sind 8,50€ vier Filme für eine Woche ausleihen kann. DVDs werden übrigens bei der Rückgabe nicht geprüft, man wirft sie einfach, in einer dafür vorgesehenen Tasche und mit Beleg, in eine Sammelbox. Die Japaner und das Urvertrauen.

Die zweite Karte von oben in der Mitte ist von einem Einkaufszentrum bei mir um die Ecke, die darunter ist von der Bäckerei die ich frequentiere und die darunter ist von meinem Lieblingsklamottenladen, SM2. Anders als bei den bisherigen Karten wird hier tatsächlich noch gestempelt. Wenn man alle Stempel hat, bekommt man einen bestimmten Rabattbetrag beim nächsten Einkauf gutgeschrieben, bei der Bäckerei kann man auch kostenlos Brot bekommen.

Das lässt noch zwei Karten übrig, die edle, schwarze B&V-Karte, wofür auch immer B&V steht, von der Karaoke-Kette Karaoke-kan, und die blaue mit dem Pferd von meiner bevorzugten Reinigung Pony Cleaning. Bei beiden sammelt man keine Punkte, sondern ist Clubmitglied und bekommt Rabatt, dafür kosten sie auch in der Anschaffung ein paar Euro, die aber in beiden Fällen schon längst wieder drin sind.

In Deutschland hatte ich nicht halb so viele Karten, die ich mit mir rumschleppen konnte, und das war vielleicht auch ganz gut so. Klar, ich freue mich immer, wenn ich irgendwo etwas geschenkt bekomme, aber die ganze Plackerei mit den Karten ist schon nervig. Bei so gut wie allen Karten gibt man auch eine Menge seiner Informationen preis, auch wenn alle Firmen natürlich schreiben, dass sie die niemals nie weitergegeben würden. Der gläserne Japaner.

2 Gedanken zu „Zeige mir deine Pointcards …

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