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Der Alltag und seine Tücken.

24. Mai 2012

Es gibt in meinem Leben so einige Regeln, die “das Schicksal”* für mich aufgestellt hat.

Ich werde nie Schuhe finden, die keine Sneaker sind und meine Füße nicht wie nach einem Gemetzel aussehen lassen. Da ich aber nicht nur Sneaker tragen möchte, tun mir halt immer mal die Füße weh. Für drei Wochen.

Wenn ich nur kurz was bei der Reinigung abgeben will, werde ich ältere, langsame Damen vor mir haben, die sämtliche Winterkleidung reinigen lassen wollen. In den Fällen habe ich aber meist keine Möglichkeit meine Klamotten mitzunehmen und es später erneut zu versuchen, weil ich keine Tüte dabei habe.

Und jeden Morgen werde ich irgendetwas vergessen. Entweder bleibt der Müll im Mülleimer, oder die Fenster offen,  oder der Ehering auf der Ablage, oder die Monatskarte auf dem Tisch. Scheinbar muss das so. Im Fall der Monatskarte gehe ich zurück (sonst kostet mich das 1,500Yen!), alles andere nehme ich hin.

Wenn ich etwas auf der Ablage über den Sitzen in der Bahn ablege, werde ich es mit Sicherheit vergessen. Das hält mich natürlich nicht davon ab, mir fest vorzunehmen, dass ich es diesmal ganz sicher nicht liegenlassen werde. Um dann wieder zum Bahnhofspersonal zu rennen, weil mein Gepäck ohne mich weitergefahren ist.

Auf der Rückfahrt schlafe ich sowieso generell ein, auch wenn ich mir fest vorgenommen habe ein Buch zu lesen. Natürlich mit der Illusion, dass ich danach total ausgeruht sein werde. Obwohl ich weiß, dass das nicht funktioniert. Dafür erwache ich, bin total zerknüllt und habe auf gar nichts mehr Lust.

Den Inhalt des Kühlschranks kann ich mir nicht merken, weswegen ich kein Hühnchen kaufe (muss ja noch da sein), sondern Caesar Salad-Dressing (ist sicher alle). Woraufhin es zum Abendessen kein Hühnchen gibt, aber zwei Flaschen mit Salat-Dressing im Kühlschrank. Entgegen jeglicher Klischees weiß mein Mann dafür ganz genau, was noch da ist, und kann sich nicht vorstellen, dass ich es mir nicht merken kann.

Ach, mein Leben ist so hart… ;)

* Ich glaube nicht an “das Schicksal”. Aber es klingt besser als “meine eigene Dummheit bringt mich dazu, …”.

Wochenendsbericht.

21. Mai 2012

Dieses Wochenende war schön, denn der Göttergatte hatte an beiden Tagen frei. Normalerweise ist er nur am Sonntag den ganzen Tag zuhause. Dieser zusätzliche Tag begann damit, dass meine Schwiegermutter anrief. Im Fluss, aus dem wir unser Wasser beziehen, waren Schadstoffe gefunden worden, und das Wasser würde wohl über den Tag abgestellt werden. Ist dann zwar doch nicht passiert, und die Quelle wurde gefunden (in Gunma hatte wohl jemand was reingeschüttet), aber wir konnten nicht ausschlafen.

Wir sind ziemlich viel durch die Stadt gefahren, haben uns Möbel angeschaut, sind die 銀座 (Ginza; der tokyoter Ku’Damm) entlangeschlendert, bei 千疋屋 (Sembikiya) leckere Parfaits gegessen, sind durch Kaufhäuser gestromert und haben letztendlich sogar Schuhe für mich gekauft. Schöne, sommerliche Schuhe. Schöne Schuhe tun nur oft leider auch weh.

Das durfte ich am nächsten Tag merken, als wir durch Tokyo (beim Bahnhof Tokyo) gelaufen sind. Meine kleinen Füßchen sind doch sehr schwach und nicht an hohe Absätze gewöhnt, deswegen litt ich nach einigen kurzen Stunden sehr.

Dafür haben wir den Kaiserpalast (皇居; Kôkyo) besucht und sind auf überraschend viele Amerikaner getroffen. Scheinbar ist dort grad Urlaubszeit. Den Kaisergarten kann man sich übrigens kostenfrei ansehen, und er ist wirklich einen Ausflug wert. Ein riesiges Gelände, mit Gartenanlagen und Pflanzen aus ganz Japan.

Außerdem ist der tokyoter Bahnhof endlich fast fertiggestellt worden! Ich habe ihn bisher nur im Planengewand gesehen, jetzt kann man ihn endlich bewundern. Schön ist er geworden. Mein Mann meinte, oben käme ein Hotel rein, und viel besser gelegen und schöner kann ich mir das kaum vorstellen – aber auch nicht viel lauter, denn Tokyo ist ein sehr großer Bahnhof voller Menschen.

Nachdem wir durch die ansässigen Geschäfte gebummelt waren, ging es ins Kino. “Dark Shadows”, was für eine Zeit- und Geldverschwendung. Darüber will ich mich aber gar nicht aufregen.

Denn! Ich bekam heute auch die Nachricht, dass meine Freundin Anna aus Berlin im Juli nach Tokyo kommt! Viel bessere Nachrichten kann es eigentlich gar nicht geben. Hach, ich freu mich ♥

Der Sommer kommt.

18. Mai 2012

Heute musste ich nach Tokyo reinfahren, um für meinen Mann an seiner alten Uni Dokumente zu besorgen. Von meinem Arbeitsplatz aus dauert es bis dorthin über eine Stunde, ich saß also lange in der Bahn. Zwischendurch schlief ich immer mal wieder ein, dafür sind die tokyoter Bahnen unglaublich gut geeignet. Ich könnte da stundenlang drin schlafen.

Auf jeden Fall erwachte ich dann aber, und musste feststellen, dass ich Gänsehaut hatte. Die haben die Klimaanlagen schon wieder auf kalt gestellt! Dabei war es heute gar nicht heiß! Dabei war die Bahn nicht mal voll! Das lässt mich auch für diesen Sommer nichts Gutes ahnen. Während man draußen schwitzt, befindet man sich in der Bahn plötzlich im Kühlschrank. In Geschäften und allem mit Dach und Kliamanlage übrigens auch. Ein bisschen wäre ja angenehm, aber gleich bei 22°C runterzukühlen ist dann doch ein wenig übertrieben.

Ich kaufe mir dann schon mal Erkältungsmedizin.

Filmzeit, diesmal mit Papierpuppen.

16. Mai 2012

紙兎ロペ (Kami-Usagi Rope; Papierhase Rope) ist eine Serie von kurzen Filmchen, die bei TOHO Cinemas vor dem Hauptfilm gezeigt werden. Die Hauptcharaktere sind Rope und Akira-Senpai*, ein Hase und ein Eichhörnchen in Papierfigur-Optik, die surreal reale Erlebnisse haben. Einige der Filmchen sind bei YouTube hochgeladen, die Komik ergibt sich ohne Japanischkenntnisse aber wahrscheinlich nicht. Es ist aber wirklich total lustig!

Nun gibt es einen ganzen langen Film mit den Charakteren, und den mussten wir uns natürlich anschauen!

* Ein Senpai ist jemand, der älter, oder länger bei etwas dabei ist. Mein Mann hat auf Arbeit verschiedene Senpais, und ich bin von einer Freundin der “Eheleben-Senpai” genannt worden. ;)

映画「紙兎ロペ」 つか、夏休みラスイチってマジっすか!? (Eiga “Kami-Usagi Rope” Tsuka, Natsuyasumi rasuichitte majissu ka?”; 2012)

Mit den Stimmen von: Uchiyama Yûji, Shinoda Mariko, Bakarizm, George Williams

Es ist der letzte Tag der Sommerferien für Rope und Akira. Auf der Suche für ein Thema für eine von Akiras Hausarbeiten schleichen sie durch die Sommerhitze und werden durch Zufall in den Raub von altägyptischen Ohrringen gezogen. Diese fallen plötzlich vom Himmel in ihre Hände, und während Akira beschließt, sie seiner großen Schwester zu geben, folgen ihnen die Räuber durch die Stadt, immer einen Schritt hinter ihnen. Zwischendurch tritt Akira in eine Samba-Gruppe ein und wieder aus, und sucht mit Rope nach einem seltenen Insekt.

Persönliche Meinung: Der Film ist wie eine einzige lange Folge der Kurzfilme. Und das ist auch gut so! Der Film ist absolut witzig, allein die Schilder im Hintergrund sind einen Lacher wert – und die offensichtlich real-existierenden Firmen, die nur notdürtig verschleiert wurden. Richtig aufregend ist der Film nicht, die Stärke liegt in den Dialogen, die mir wichtiger waren als die Story, und ich hätte es schade gefunden, wäre es anders gewesen. Schön!

Wir haben übrigens den Trailer für The Avengers (deutscher Trailer) gesehen. Die wichtigste Szene des Trailers haben sie aus dem japanischen komplett rausgelassen: Die, in der Tony Stark erzählt, was er so alles ist. So sieht der Film im Japanisch aus, als wäre er bierernst. Na super. Reicht ja nicht, dass er wegen genereller Comic-Verdrossenheit erst im August rauskommt.

(Die Rechte am Bild liegen bei TOHO)

Ich will der allerbeste sein!

15. Mai 2012

Kinder können über die trivialsten Dinge wetteifern. Wir schauen im Unterricht ein Bilderbuch an, auf der Seite mit den Lebensmitteln angekommen erkennt der Klassenmops als erstes den Hamburger.

Klassenmops: Hamburger! Ich mag Hamburger!

Ich: Wie viele kannst du denn essen?

Klassenmops: Zwei!

Ich: Wow!

Plötzlich kommen alle ganz nah an mich heran und zeigen mit ihren Fingern an und schreien durcheinander, wie viele Hamburger sie essen können.

Ganz kleines Mädchen: Ich kann fünf Hamburger essen!

Lächelkind: Ich kann ganz viele essen! Schau!

Und reckt alle Finger in die Höhe.

Irgendwie muss ich sie einfach liebhaben.

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